„Religionsunterricht – Oase im Schulalltag“

Neues Buch lässt Jugendliche selbst zu Wort kommen

Wien, 30. Jänner 2002 (epd Ö) „Der Religionsunterricht gibt Antworten auf die pluralen Lebensanforderungen“, sagte der Leiter des Kultusamtes im Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, MinR Dr. Werner Jisa, bei der Präsentation des Buches „Religionsunterricht – Oase im Schulalltag“ am Mittwoch, 23. Jänner, in der Superintendentur Wien. Der Religionsunterricht sei „das Recht des einzelnen Schülers“ und solle den Schülern „die Gottesbeziehung erschließen“. Es gehe beim Religionsunterricht nicht nur um die „Kunde über Gott, sondern auch und gerade um die Person und die Wirklichkeit der Schülerinnen und Schüler.“ Der Religionsunterricht trage bei zur „Kultur des Lebens“.

Beeindruckt zeigte sich Mag. Helmut Barak vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, dass „der Forschungssauftrag, der an die Akademien 1999 ergangen ist, so schnell umgesetzt wurde.“ Das Projekt zeichne sich dadurch aus, dass es Forschung und Lehre miteinander verbinde und die Studierenden miteinbeziehe.

500 Stunden Religionsunterricht als Basis für die Auswertung

In „Religionsunterricht – Oase im Schulalltag“ haben die Diplom-Pädagoginnen Elisabeth Foidl, Evelyn Martin, Martha Plank und Theresia Schmall als Studentinnnen an der Evangelischen Religionspädagogischen Akademie (ERPA) Schülerinnen und Schüler zu ihren Erfahrungen und Erlebnissen im Religionsunterricht befragt und diese Aufsätze für ihre Diplomarbeiten ausgewertet. Die 190 abgedruckten Aufsätze basieren auf rund 500 Stunden Religionsunterricht, die die Schülerinnen und Schüler erlebt haben.

Nach dem „Wichtigsten“ in den Aufsätzen befragt, meinte Schmall, dass „die Jugendlichen auch heute noch religiös sind.“ Sie habe beobachtet, dass der Religionsunterricht in den höheren Jahrgängen zunehmend „persönlichkeitsbildend und meinungsbildend“ sei. Fachinspektorin Martin betonte „den sehr wichtigen Prozess im Religionsunterricht, dass die Schülerinnen und Schüler in ihrer Person angenommen werden“. Martin wies darauf hin, dass die feministische Pädagogik noch „sehr jung“ sei, vergleichbar etwa mit der Entwicklung der feministischen Theologie. „Den Schülerinnen und Schülern kann man keine Lehren verkaufen“, betonte Plank. Die Jugendlichen wollen sich orientieren und wollen Ehrlichkeit. „Wie das dem Religionslehrer gelingt, ist maßgeblich für den Religionsunterricht.“ Der Religionsunterricht sei „ganz wichtig für die persönliche Lebensumwelt der Jugendlichen“, meinte Elisabeth Foidl. Sie sei „überrascht, wie positiv bei den Schülerinnen und Schülern der Religionsunterricht angesehen ist.“

Miklas: „Religionsunterricht fördert andere Kompetenzen“

Geleitet hat dieses Forschungsprojekt die Direktorin der ERPA, Dr. Helene Miklas. Ihr wichtigstes Resümee ist, dass „der Religionsunterricht als Oase im Schulalltag gesehen wird. Die Schülerinnen und Schüler sind froh, dass sie eine Stunde haben, in der sie nicht unter Leistungsdruck stehen, und wo andere Kompetenzen gefördert werden“. Ein „betrübliches“ Ergebnis der Studie sei, dass es weitgehend nicht gelinge, „die biblische Botschaft und die Lebenswelt der Jugendlichen miteinander in Einklang zu bringen“. Die Jugendlichen zeigten sich „sehr interessiert an aktuellen Themen.“ Hier ermöglichten „fundierte Sachinformationen und Offenheit den Jugendlichen, eine eigene Meinung zu bilden“.

Bünker: Anforderungen an ReligionslehrerInnen nehmen zu

„Die besonderen Anforderungen an den Religionslehrer und die Religionslehrerin nehmen zu“, erklärte Oberkirchenrat Dr. Michael Bünker. Aus dem Blickwinkel der Schülerinnen und Schüler könne man „mit der Bibel kaum etwas anfangen.“ Dennoch forderten sie Inhalte. Bünker: „Damit sind die Lehrenden gefordert und herausgefordert.“

„Religionsunterricht – Oase im Schulalltag“ ist erschienen im Evangelischen Presseverband, ISBN 3-85073-214-2, umfasst 208 Seiten und kostet 17,90 Euro.

ISSN 2222-2464