Religionspädagogin Rauchwarter erhielt WER-Preis

Barbara Rauchwarter erhielt den WER-Preis für ihr Buch "Genug für alle. Biblische Ökonomie", im Bild mit Albert Brandstätter, Geschäftsführer der Lebenshilfe, Gerhard Merckens, Vorsitzender des Arbeitskreises Wirtschaft und Religion in der Industriellenvereinigung und Rudolf Mitlöhner, stellvertretender Chefredakteur "Die Furche" (v.l., Foto: Industriellenvereinigung).
Barbara Rauchwarter erhielt den WER-Preis für ihr Buch "Genug für alle. Biblische Ökonomie", im Bild mit Albert Brandstätter, Geschäftsführer der Lebenshilfe, Gerhard Merckens, Vorsitzender des Arbeitskreises Wirtschaft und Religion in der Industriellenvereinigung und Rudolf Mitlöhner, stellvertretender Chefredakteur "Die Furche" (v.l., Foto: Industriellenvereinigung).

Kurzsymposium im Zeichen des Dialogs Kirche-Wirtschaft in Wien

Wien (epdÖ) – Mit der Beziehung zwischen Wirtschaft, Ethik und Religion beschäftigten sich VertreterInnen aus den Kirchen und der Wirtschaft bei einem Kurzsymposium am 5. Dezember im Haus der Industrie in Wien. Thema der Veranstaltung war „Kirche und Wirtschaft: Kooperation und Konflikt bei der Weiterentwicklung unserer Gesellschaft“. Im Anschluss daran wurden die „WER-Preise“ in drei Kategorien vergeben.

Die Kirche habe eine prophetische Stimme, auch in Wirtschaftsfragen, sagte der evangelische Kirchenrat Walter Gösele in seinem Referat. „Ich vertraue darauf, dass wir diese Gabe nicht verloren haben.“ Er rief die Verantwortlichen in der Wirtschaft und in der Politik dazu auf, auf diese prophetische Stimme zu hören. Die prophetische Rede wolle aber keine Politik betreiben, betonte Gösele, sondern zur Umkehr aufrufen. Erst so sei es möglich, Neues entstehen zu lassen.

Der Kirchenrat erinnerte an die zahlreichen Denkschriften der Evangelischen Kirche in Deutschland sowie an das Ökumenische Sozialwort der christlichen Kirchen in Österreich. Er selbst beobachte schon lange Risse im System, die auf der einen Seite zwar regelmäßig geflickt, auf der anderen Seite aber trotzdem immer größer würden. Angesichts der Krise forderte Gösele Politiker und Wirtschaftstreibende dazu auf, die Lasten gleichmäßig zu verteilen und ob der schwierigen Lage nicht andere große Probleme, etwa den Klimawandel, zu vergessen. „Neben einer besseren Verteilung werden wir darum ringen müssen, eine wirtschaftliche, soziale und ökologische Basis zu schaffen, die uns und unsere Nachkommen trägt“, so Gösele.

Propst Maximilian Fürnsinn vom Stift Herzogenburg räumte ein, dass es zwischen den Kirchen und der Wirtschaft viele Berührungspunkte gebe, er sparte aber nicht mit Kritik an den herrschenden Zuständen. So kritisierte Fürnsinn die Ökonomisierung vieler Lebensbereiche sowie die Dominanz des Marktes. „Die Ökonomisierung hat viele Teile unserer Gesellschaft erfasst. Machen wir da den Menschen nicht selber zur Ware?“, mahnte der Propst und forderte: „Es darf nicht alles der Ökonomie geopfert werden“.

Die Wirtschaftskrise berge viel Sprengkraft in sich, warnte Fürnsinn in seinem Referat. Zwar sei die Jugendarbeitslosigkeit in Österreich relativ gut unter Kontrolle, in anderen europäischen Ländern sei die Lage jedoch verheerend. Aber auch in Österreich gebe es Probleme mit einer steigenden Arbeitslosenzahl und einer Zunahme der Verschuldung, speziell bei jungen Menschen und gering qualifizierten Personen. „In unserer Erlebnis-, Konsum- und Arbeitsgesellschaft kann jeder schnell entsorgt werden, wenn er nicht mitkommt und tut, was die Gesellschaft von ihm fordert.“ Fürnsinn sprach sich für eine Stärkung des Sozialstaates aus, das „Gerede von der sozialen Hängematte“ hält er für eine „Mär“.

Christoph Neumayer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung, gab zu bedenken, dass die Beziehung zwischen Kirchen und Wirtschaft nicht immer einfach sei. Viele Führungskräfte würden die Kirche als zu wirtschaftskritisch sehen sowie mangelndes Interesse an ihren Aufgaben wahrnehmen. „Aus Sicht der Wirtschaft ist der Dialog mit den Kirchen aber sehr wichtig“, betonte Neumayer.

Im Anschluss an das Kurzsymposium wurden die mit 7.500 Euro dotierten „WER-Preise“ verliehen, die Initialen stehen für Wirtschaft, Ethik und Religion. In der Hauptkategorie wurde die evangelische Religionspädagogin Barbara Rauchwarter für ihr Buch „Genug für alle. Biblische Ökonomie“ ausgezeichnet. In ihrer Dankesrede freute sich Rauchwarter, dass eine Protestantin diesen katholisch geprägten Preis erhalte, und unterstrich, wie sehr die Bibel gerade auch den Blickwinkel von „kleinen Menschen“ einnehme. „Die Bibel erzählt von einem Gott, der nicht unparteiisch ist, sein Interesse gilt den Menschen ganz unten. Nichts Anderes feiern wir zu Weihnachten“, so Rauchwarter. Die Bibel stelle ganz klar das Recht auf Eigentum in Frage, ist die Preisträgerin überzeugt, denn die Welt gehöre Gott. Die Menschen seien dazu aufgerufen, die verfügbaren Mittel gut und im Sinne aller Menschen zu verwalten.

Für ihre wissenschaftlichen Arbeiten wurden Martin Hiebl, Judith Brunner-Popela und Susanne Mitter ausgezeichnet. Der „WER-Preis“ wird für Arbeiten verliehen, die Aspekte der Beziehung von Wirtschaft, Ethik und Religion beleuchten. Er wird alle zwei Jahre von der Industriellenvereinigung und der Katholisch-Theologischen Privatuniversität Linz verliehen.

ISSN 2222-2464