„Religionsfreiheit muss auch in Gefängnissen gelten“

Oberkirchenrat Schiefermair und Kardinal Schönborn präsentieren die neue Broschüre.
Oberkirchenrat Schiefermair und Kardinal Schönborn präsentieren die neue Broschüre.

Gefangenseelsorge: Religionsvertreter präsentierten neue Broschüre in Wiener UNO-City

Wien (epd Ö) – Bei rund zehn Millionen Menschen die weltweit in Haft sind, ist Seelsorge an Gefangenen ein Thema, das Beachtung finden muss. So wurde das Dokument „Basic Principles: Religion in prison“, das von der Internationalen Kommission der Katholischen Gefängnisseelsorge (ICCPPC) verfasst wurde, am 12. April im Vienna International Centre („UNO-City“) präsentiert. Der Text, der gemeinsam mit orthodoxen, muslimischen, buddhistischen und hinduistischen Vertretern überarbeitet wurde, legt unter anderem Wert auf das Eintreten für religiöse Minderheiten. „Hier liegt für mich ein Schwerpunkt des Dokuments“, sagte der evangelisch-lutherische Oberkirchenrat Karl Schiefermair bei der Präsentation. „Die Menschenrechte erfordern es gerade in der Extremsituation eines Gefängnisses, auf der Basis der eigenen religiösen Überzeugung ernst genommen und gehört zu werden.“ Qualifizierte Seelsorge und religiöse Betreuung störe nicht, sie unterstütze.

„Die Menschenrechte – und damit auch das Recht auf Religionsfreiheit – müssen auch für jene zehn Millionen Menschen gelten, die weltweit in Gefängnissen einsitzen“, betonte Kardinal Christoph Schönborn. Das Recht auf Religionsfreiheit beinhalte, dass jeder Strafgefangene das Recht habe, seine Religion auszuüben und Beistand und Begleitung von einem Seelsorger zu erhalten, so Schönborn. Weitere Vertreter der Kirchen und Religionsgemeinschaften waren für die orthodoxe Kirche Erzpriester Wladimir Tyschuk, für die Islamische Glaubensgemeinschaft deren Präsident Anas Schakfeh sowie Tarafa Baghajati und der Präsident der Österreichischen Buddhistischen Religionsgesellschaft, Gerhard Weißgrab.

Geist: An der Verbesserung der Haftbedingungen mitarbeiten

„Basic Principles: Religion in prison“ wurde präsentiert bei dem „Side event: Religion in Prison“ im Rahmen der 20. Sitzung der Kommission „Verbrechensprävention und Justiz“ der Vereinten Nationen. Für den evangelischen Gefängnisseelsorger Matthias Geist ist es besonders wichtig, dass in dem Dokument die Leitungen von Haftanstalten aufgefordert werden, auf die religiösen Bedürfnisse der Gefangenen einzugehen, und dass die Verantwortlichen „versuchen sollen, die religiösen Praktiken der Insassen zu verstehen“. Ebenso sei bemerkenswert, dass VertreterInnen der Religionsgemeinschaften in dem Dokument aufgefordert werden, an der Verbesserung der Haftbedingungen mitzuarbeiten.

In Österreich betreuen seitens der evangelischen Kirchen derzeit 22 MitarbeiterInnen die etwa 9000 Insassen in den 27 Haftanstalten, bei der katholischen Seelsorge sind es rund 35 SeelsorgerInnen.

ISSN 2222-2464