Reiner: „Stimme für Schutz des Lebens und gegen Unrecht“

Der Eingangsbereich des ehemaligen Konzentrationslagers Mauthausen, das am 5. Mai 1945 durch US-amerikanische Truppen befreit wurde. (Foto: wikipedia/Dlanor 01)
Der Eingangsbereich des ehemaligen Konzentrationslagers Mauthausen, das am 5. Mai 1945 durch US-amerikanische Truppen befreit wurde. (Foto: wikipedia/Dlanor 01)

Gedenkveranstaltung erinnerte an Befreiung des KZ Mauthausen

Mauthausen (epdÖ) – Zu einer großen internationalen Gedenkfeier lud auch in diesem Jahr wieder das Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ) ein. Vor Ort wurde am 11. Mai des 69. Jahrestags der Befreiung des Konzentrationslagers Mauthausen gedacht. Die Überlebenden des KZ-Mauthausen und der Nebenlager wurden Anfang Mai 1945 von US-Truppen befreit. Seit 1947 finden anlässlich des Jahrestages der Befreiung auf dem Gelände des ehemaligen KZ Mauthausen Kundgebungen statt, an denen Delegationen aus vielen europäischen Staaten teilnehmen.

Vor dem Hintergrund der Gräueltaten während der Zeit des Nationalsozialismus sei die Vorstellung von der Gottesebenbildlichkeit des Menschen schwer nachvollziehbar, erklärte Oberkirchenrätin Hannelore Reiner in ihrer Predigt beim ökumenischen Gottesdienst im Rahmen der Feier. „Was bedeuten die biblischen Worte über die Gottesebenbildlichkeit angesichts der Millionen Toten in den beiden Weltkriegen des vergangenen Jahrhunderts und in den Konzentrationslagern?“ Die Frage nach der Bedeutung dieser Worte sei aber auch heute noch immer wieder zu stellen hinsichtlich der Flüchtlingsdramen im Mittelmeer oder in Syrien, des Hungertods in Afrika oder der Verschleppung von hunderten Mädchen in Nigeria. „Ebenbildlichkeit meint: Als Mensch bin ich ein von Gott gesprochenes Du – das tröstet angesichts der Ungeheuerlichkeiten von damals und heute“, so Reiner. „Die Würde des Menschseins als Gegenüber Gottes, die konnten und können auch die grausamsten Mörder nicht auslöschen, denn – und das ist mein tiefes Vertrauen – die Toten sind in Gott geborgen, gesammelt und bewahrt in einem ewigen Leben.“

Die Gottesebenbildlichkeit komme aber auch in der Verantwortung zum Ausdruck, die Menschen haben, betonte die Oberkirchenrätin. „Wir sind gefordert, unsere Stimme gegen jegliches Unrecht zu erheben. Wir sind aufgerufen, für den unbedingten Schutz des Lebens einzutreten. Wir sind aufgerufen, uns an die Seite jener zu stellen, die alleine nicht mehr zurechtkommen und deren Leben fragil und unsicher geworden ist.“

An dem Gottesdienst wirkten neben Oberkirchenrätin Reiner auch Bischofsvikar Erzpriester Ioannis Nikolitsis und Bischof Maximilian Aichern mit. Im Anschluss an den Gottesdienst gab es ein gemeinsames Gedenken an den österreichischen Widerstandskämpfer Richard Bernaschek, der im KZ Mauthausen ermordet wurde, Kundgebungen bei den nationalen Denkmälern, ein internationales Jugendgedenken, die traditionelle Aufstellung der ehemaligen Häftlinge sowie einen Gedenkzug über den Appellplatz mit zahlreichen Gedenkreden.

Die zentrale Veranstaltung ist ein Anlass zum Gedenken an die Opfer des nationalsozialistischen Terrors sowie eine Kundgebung gegen jede Art von Intoleranz und Diktatur, gegen Fremdenhass und Antisemitismus in Solidarität mit den Opfern von gestern und heute. Das MKÖ organisiert gemeinsam mit seiner Partnerorganisation Comité International de Mauthausen und weiteren Organisationen die gesamten Gedenkfeiern anlässlich der Wiederkehr der Befreiung des KZ Mauthausen und seiner 49 Nebenlager. Diese Feiern werden in einer Vielzahl von Orten ehemaliger Nebenlager veranstaltet und finden ihren Höhepunkt in der internationalen Gedenkfeier in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen. Jährlich nehmen daran zwischen 10.000 und 15.000 Menschen aus ganz Europa teil. Damit ist die Gedenkfeier in Mauthausen die größte europaweit.

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ISSN 2222-2464