Reiner: Sibiu ist mehr als eine große Versammlung

In Wien berichteten Oberkirchenrätin Hannelore Reiner und Oberin Christine Gleixner über den Stand der Vorbereitungen und Erwartungen an die Dritte Europäische Ökumenische Versammlung

Wien (epd Ö) – Sibiu wird nicht „eine große Versammlung“ sein. Vielmehr befinde man sich seit eineinhalb Jahren auf „einem Pilgerweg dorthin“. Das bekräftigte die lutherische Oberkirchenrätin Dr. Hannelore Reiner beim zweiten Abend der Vortragsreihe „Ökumenische Player in Europa“, zu dem die Evangelische Akademie Wien gemeinsam mit dem Forum Zeit und Glaube – Katholischer Akademikerverband am Montag, dem 23. April, in das Otto-Mauer-Zentrum in Wien geladen hatte. Es habe bereits „verschiedene Stationen“ und ökumenische Veranstaltungen in ganz Europa im Rahmen dieses Pilgerweges zur Dritten Europäischen Ökumenischen Versammlung (3EÖV) gegeben, berichtete Reiner. Bei der ersten Station im Jänner 2006 in Rom hätten sich die dort anwesenden Delegierten besonnen, „wo die Ökumene in Europa steht“ und was in der Ökumene „schon alles möglich ist“. Dabei wäre in Rom auch nicht verschwiegen worden, was in der Ökumene noch „nicht geht“, so die Oberkirchenrätin. Sibiu/Hermannstadt werde aus der Sicht der KatholikInnen nicht der Ort sein, „wo Entscheidungen fallen“.

 

Ökumene vor Ort

 

Reiner, seit 2003 auch Mitglied des Zentralausschusses der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK), erinnerte an die 1989 in Basel und 1997 in Graz stattgefundenen Europäischen Ökumenischen Versammlungen. Im Anschluss an die Versammlung in Graz sei u.a. 2001 die „Charta Oecumenica“ entstanden, die seitdem „einen Siegeszug durch Europa“ gemacht habe. Man habe in Graz beschlossen, „es wird weitergehen mit den europäischen ökumenischen Versammlungen“. Es war, so Reiner, „naheliegend“, die 3EÖV in einem orthodoxen Land zu veranstalten. In Sibiu/Hermannstadt werde „die Ökumene vor Ort gelebt“. Nach Reiners Information betrage der Anteil der Orthodoxen dort 89 Prozent, viele Kirchen würden in der Stadt „gut miteinander leben“. Auf die Frage, was sie sich von der 3EÖV erwarte, verwies Reiner auf das Motto der Versammlung, „Das Licht Christi scheint auf alle“. „Jedes Wort ist uns daran wichtig“, hob Reiner hervor. „Das warme Licht des Evangeliums scheint auf jeden Menschen dieser Welt; es ist nun an uns, es vorzuleben.“

 

Schwerpunkt Begegnung

 

Die langjährige Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich, Oberin Prof. Christine Gleixner, wies darauf hin, dass der Schwerpunkt in Sibiu/Hermannstadt die „Begegnung“ sein werde. „Es muss gelingen, dass man aufeinander hört und dass man einander wahrnimmt.“ Zudem müsse die Würde des Menschen „für alle erfahrbar“ gemacht und ihr Fundament, „die Ebenbildlichkeit des Menschen vor Gott“, bekannt werden. Gleixner sprach sich auch dafür aus, „dem resignativen Strom in Europa glaubensmäßig etwas entgegenzusetzen“. Gleixner: „Hoffnung muss entstehen, sonst gibt es keine Erneuerung und Einheit unter den Menschen in Europa.“

 

Die Oberin betonte ebenso, dass „die soziale Frage in aller ihrer Differenziertheit“ in Europa gesehen werden muss. Dazu zählte Gleixner auch die „Frage der Migration“, die „zumindest ansatzweise“ in Sibiu in den Blick genommen werden müsse. Abschließend berichtete Gleixner noch über verschiedene ökumenische Stationen in Österreich auf dem Weg nach Sibiu und nannte dabei u.a. die Lange Nacht der Kirchen, die Ökumenischen Sommerakademien, Veranstaltungen von PRO ORIENTE und das ökumenische Treffen in Mariazell im vergangenen März. Im Gespräch mit den TeilnehmerInnen des Abends, den Mag. Roland Werneck von der Evangelischen Akademie Wien moderierte, wurde die Erstellung eines Gebetes für die 3EÖV bei der Langen Nacht der Kirchen in Wien angeregt, das auch in die Pfarrgemeinden als Fürbittengebet unmittelbar vor Sibiu gegeben werden könnte.

ISSN 2222-2464