Reformierte Kirchenleitung wurde in ihr Amt eingeführt

Mit einem Festgottesdienst in Linz wurden der reformierte Synodenvorsitzende, der Landessuperintendent und die Mitglieder des Oberkirchenrats H.B. in ihr Amt eingeführt. Foto: epd/T.Dasek
Mit einem Festgottesdienst in Linz wurden der reformierte Synodenvorsitzende, der Landessuperintendent und die Mitglieder des Oberkirchenrats H.B. in ihr Amt eingeführt. Foto: epd/T.Dasek

Hennefeld: Botschaft der Kirche entzieht sich der Marktlogik

Linz (epdÖ) – Die Kirchenleitung der Evangelischen Kirche H.B. in Österreich ist am Sonntag, 20. Oktober, mit einem Festgottesdienst in Linz-Leonding in ihr Amt eingeführt worden. Mit der Leitungsfunktion feierlich beauftragt wurden Landessuperintendent Thomas Hennefeld, der Vorsitzende der Synode H.B., Heinrich Benz und die Mitglieder des Oberkirchenrates H.B. Gabriele Jandrasits, Klaus Heußler, Pfarrer Michael Meyer und Pfarrer Johannes Wittich. Dass gewissermaßen zwei Amtseinführungen in einem Gottesdienst erfolgten – zuerst hatte der Landessuperintendent den Syndodenvorsitzenden in sein Amt eingeführt, dann der Synodenvorsitzende den Landessuperintendenten und die Mitglieder des Oberkirchenrates – könne als Signal verstanden werden, denn die Kirchenleitung sei „kollegial und auf Gegenseitigkeit ausgerichtet“, meinte Landessuperintendent Thomas Hennefeld.

In seiner Predigt sprach Hennefeld von einer Kirche, die „glaubwürdig das Evangelium verkündigt und lebt“. Kirche müsse auch „ein Stachel im Fleisch der Gesellschaft“ sein und Heuchelei und Ungerechtigkeiten aufzeigen. Ihre Botschaft, so der Landessuperintendent, entziehe sich der Marktlogik und glaube nicht „an die Gesetze des Marktes, sondern an den einen und ewigen Gott“. Der Glaube, dass „Gott die Mitte“ und nicht bloß „Beiwerk“ sei, zwinge Menschen zum Handeln in der Welt. Dem einen Gott zu dienen bedeute „den Menschen zu dienen, ganz unideologisch“ und sich dabei für Menschen am Rand der Gesellschaft einzusetzen. Kirche stehe nicht „für eine feste Burg“, sondern für ein Haus, „in dem alle Platz haben“. Denn Jesus, der „unbehaust und als Fremdling“ durchs Land gezogen ist, habe „keine Gartenlaube gebaut, sondern seinen ZuhörerInnen das Reich Gottes verheißen“.

Synodenvorsitzender Heinrich Benz wies in dem Gottesdienst darauf hin, dass alle Ämter in den Evangelischen Kirchen durch Wahlen demokratisch besetzt werden: „Die Evangelische Kirche ist von Grund auf demokratisch konstituiert.“ Der lutherische Bischof Michael Bünker ging in seinem geistlichen Grußwort auf das Leitungsamt ein: Dieses werde in den Evangelischen Kirchen immer kollegial wahrgenommen und sei mehr als ein bloßes Aufsichtsamt: „Ihr seid die Vorangehenden eurer Kirche“, so der Bischof. Im gemeinsamen Verständnis des Leitungsamtes hätten die Evangelischen Kirchen auf Basis der Leuenberger Konkordie von 1973 viele Schritte auf dem Weg zur Einheit zurückgelegt. „Indem Evangelische Kirchen Einheit in versöhnter Verschiedenheit leben, leisten sie auch einen wichtigen Beitrag im zusammenwachsenden Europa“, ist der Bischof überzeugt.

Zum 60. Geburtstag der Pfarrgemeinde gratulierte auch der oberösterreichische Landeshauptmann Josef Pühringer und erinnerte an die Anfänge. Dass vertriebene Donauschwaben in der schwierigen Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg die Pfarrgemeinde und die Kirche aufbauen konnten, sei eine „ungeheure Gemeinschaftsleistung“, die Respekt verdiene. Auch Ministerialrat Karl Schwarz, der als Vertreter von Bundesministerin Claudia Schmied nach Leonding gekommen war, kam in seinem Grußwort auf die Wurzeln der Pfarrgemeinde zu sprechen. So seien 1931 bei der Volkszählung etwa 500.000 Donauschwaben gezählt worden, ein Fünftel davon war protestantisch. Aus diesem deutschen reformierten Seniorat in der Batschka resultierte nach Flucht und Vertreibung die Gemeinde in St. Martin bzw. Leonding, erklärte Schwarz. Heute bündle die Reformierte Kirche in Österreich viele Traditionen, jene der Hugenotten ebenso wie jene der magyarischen Calvinisten, die Tradition der Schweizer Reformierten oder auch die Tradition der Oberdeutschen. Schwarz: „In dieser Vielfalt ist auch die Tradition der donauschwäbischen Reformierten aus der Batschka gut aufgehoben.“

Der Präsident des methodistischen Kirchenvorstands, Roland Siegrist, unterstrich in seinem Grußwort die prophetische Rolle, die zum Selbstverständnis der Reformierten Kirche gehöre. „Eine gute Kirchenleitung, die kritisch ihr Wort erhebt, darf nicht mit dem Applaus der Mehrheit rechnen.“ Glückwünsche zur Amtseinführung und zum 60-Jahr-Jubiläum überbrachten auch die altkatholische Diakonin Elisabeth Steinegger, der römisch-katholische Bischofsvikar Maximilian Mittendorfer und der Leondinger Bürgermeister Walter Brunner. Pfarrer Richard Schreiber konnte zu dem Festgottesdienst zahlreiche Repräsentanten der Evangelischen Kirchen, der Ökumene und des öffentlichen Lebens begrüßen. Die Ökumene prägte auch die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes: Beverly Flower-Hofer, Angehörige der Evangelisch-methodistischen Kirche, leitete den Chor, und an der Orgel war der katholische Pfarrer der Nachbargemeinde, Erwin Andlinger, zu hören.

ISSN 2222-2464