Steyr: Vielfältiges Programm im Jubiläumsjahr

Angesichts der Geschichte der Stadt wurde Steyr für das Jahr 2017 der Titel „Reformationsstadt Europas“ verliehen. Foto: wikimedia/Christoph Waghubinger
Angesichts der Geschichte der Stadt wurde Steyr für das Jahr 2017 der Titel „Reformationsstadt Europas“ verliehen. Foto: wikimedia/Christoph Waghubinger

Auftaktveranstaltung am 10. März

Steyr (epdÖ) – Stadtführungen, Konzerte, kulinarische Zeitreisen und vieles mehr erwarten die BewohnerInnen und BesucherInnen in Steyr im Jahr des Reformationsjubiläums. In zahlreichen Veranstaltungen sollen die vielfältigen Anliegen der Reformation zur Sprache kommen. Am Freitag, 10. März wird um 19.30 Uhr in einer großen Festveranstaltung im Stadtsaal von Steyr (Stelzhamerstraße 2a, 4400 Steyr) das Jubiläumsjahr offiziell eröffnet.

„Wir wollen dieses Jahr nutzen, um uns als evangelische Pfarrgemeinde zu präsentieren, und zeigen, was das Typische am evangelischen Glauben ist“, erklärt Pfarrer Friedrich Rößler von der Evangelischen Pfarrgemeinde in Steyr. Bereits jetzt gebe es viel Nachfrage und großes Interesse an der Evangelischen Kirche. „Wir wollen diese Chance und die Aufmerksamkeit nutzen, damit die Menschen einen Zugang zu unserer Gemeinde und zu unserer Kirche finden können.“

Auf großes Interesse stieß die Reformation in Steyr bereits im 16. Jahrhundert, wenige Jahre nach dem berühmten Thesenanschlag Martin Luthers. 1525 verkündete der Barfüßermönch Calixtus in der Stadtpfarrkirche, dass der Mensch die Gnade Gottes, ohne Bedingungen erfüllen zu müssen, im Glauben empfangen kann. Mit dieser Kernbotschaft von Martin Luther verbreiteten sich evangelische Gedanken in der Stadt. Die Reformation wurde eingeführt. Steyr war eine evangelische Stadt bis 1627, dann setzte die Gegenreformation ein. Erst 1877 konnte wieder eine evangelische Pfarrgemeinde gegründet werden. Angesichts der Geschichte der Stadt wurde Steyr für das Jahr 2017 der Titel „Reformationsstadt Europas“ verliehen.

Bei den einzelnen Veranstaltungen habe man immer Wert darauf gelegt, Reformation nicht nur als historisches Thema zu behandeln, sondern auch die Relevanz für das Heute hervorzuheben, so Rößler. „So haben wir für die Ausstellung im Städtischen Museum den Titel ‚1517 und heute? 500 Jahre Reformation‘ gewählt. In dieser Ausstellung nehmen wir die Anliegen, die in der Reformationszeit verfolgt worden sind, auf und regen die Besucherinnen und Besucher zum Nachdenken an.“ So soll etwa das Ausstellungsstück Gemeindekasten zur Auseinandersetzung mit dem Thema Fürsorge und Spenden führen. „Der Gemeindekasten ist in der Reformationszeit eingeführt worden zur Versorgung der Armen anstelle von Schenkungen und Stiftungen an die Kirche. Die Besucherinnen und Besucher werden dazu angeregt, an der Stelle nachzudenken, wofür sie spenden beziehungsweise wo sie heute die Notwendigkeit zu spenden sehen.“

Auch bei der Eröffnungsveranstaltung am 10. März im Stadtsaal in Steyr gehe es nicht nur um eine Reminiszenz an die Vergangenheit. Die Anliegen und Ideen der Reformationszeit sollen in die Gegenwart geholt werden, so etwa auch bei der musikalischen Gestaltung des Abends. „Wir bringen einerseits eine Komposition aus der Reformationszeit des evangelischen Komponisten Paul Peuerl (1570–1625) zur Aufführung. Wir präsentieren aber auch Lieder aus unserer Zeit. So wird etwa ein 80-köpfiger Chor das Medley aus dem Luther-Pop-Oratorium singen.“ Als Ehrengäste und Redner werden an diesem Abend Steyrs Bürgermeister Gerald Hackl, der designierte Landeshauptmann Thomas Stelzer, Superintendent Gerold Lehner, Bischof Michael Bünker und der römisch-katholische Diözesanbischof Manfred Scheuer erwartet. Bischof Bünker wird in seiner Funktion als Generalsekretär der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) an diesem Abend auch die offizielle Urkunde zur Ernennung Steyrs als „Europäische Reformationsstadt“ an Bürgermeister Hackl übergeben.

Neben der Eröffnungsveranstaltung bietet das Reformationsjahr in Steyr zahlreiche Höhepunkte, darunter etwa ein Vortrag von Bischof Michael Bünker zum Thema „Evangelische Freiheit und Verantwortung“ (9. Mai), ein Vortrag von Margret Rasfeld zum Thema „Schule im Aufbruch. Leben und Lernen in Freiheit und Verantwortung“ (24. April), aber auch die Aufführung von Johann Sebastian Bachs Johannespassion am 1. April in der Stadtpfarrkirche. Auf kulinarische Zeitreise kann man sich im Hotel Minichmayr (Haratzmüllerstraße 1–3, 4400 Steyr) begeben: Aufgetischt wird „Essen und Trinken wie zur Zeit Martin Luthers“ (am 21. April, 23. Juni, 22. September und 24. November). Über die Bibel in ihrer einzigartigen Bedeutung und Verbreitung wird Jutta Henner, Direktorin der Österreichischen Bibelgesellschaft, am 16. November sprechen.

Am 31. Oktober findet der festliche Reformationsgottesdienst in Steyr statt. Bei dem großen Fest wird auch der Gewinner der Losaktion gezogen. Von den im Laufe des Jubiläumsjahres verkauften Losen wird durch Ziehung ein Fiat 500 verlost. „Uns ist wichtig, dass wir aus diesem Jahr aber auch Anregungen für die Zeit danach, nach dem Feierjahr, mitnehmen. Wir sehen die Reformation als große Chance und wir wollen den Auftrag, aber auch die Botschaft der Bibel an die nächsten Generationen weitergeben“, sagt Pfarrer Rößler.

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ISSN 2222-2464