Reformationsempfang im Zeichen des Diakoniejahrs

Das diakonische Engagement stand im Mittelpunkt des diesjährigen Reformationsempfangs. Im Bild die MusikerInnen der Gruppe "Klangschale" des Diakoniewerks. Foto: epd/Uschmann
Das diakonische Engagement stand im Mittelpunkt des diesjährigen Reformationsempfangs. Im Bild die MusikerInnen der Gruppe "Klangschale" des Diakoniewerks. Foto: epd/Uschmann

„Zuwendung, Engagement und Miteinander gehören zum Auftrag jeder Gemeinde!“

Wien (epdÖ) – Das Jahr 2013 steht in den Evangelischen Kirchen im Zeichen der Diakonie. Das Motto „zugewandt – solidarisch – vernetzt“ prägte auch den diesjährigen Reformationsempfang am Dienstagabend, 29. Oktober, in der Akademie der Wissenschaften in Wien.

Der Politikwissenschaftler Emmerich Tálos forderte in seiner Festrede ein „Mehr an sozialer Gerechtigkeit“ und warnte, dass die sozialen Netze „weiter ausgehebelt und ihre Maschen loser“ werden. Vom Zurückfahren des Sozialstaates seien besonders junge Menschen massiv betroffen, erklärte der Wissenschaftler. Angesichts der steigenden Armutsgefährdung, nicht zuletzt durch die Zunahme atypischer Beschäftigungsverhältnisse, sei der Sozialstaat „unverzichtbar“ und die bedarfsorientierte Grundsicherung etwa eine „gesellschaftspolitische Notwendigkeit“. Einrichtungen wie die Diakonie, so Tálos, seien schon heute in Bereichen aktiv, die der Sozialstaat nicht abdecken könne. Strukturelle und anhaltende Probleme könnten dadurch jedoch nicht gelöst werden, jedenfalls sei der Einsatz zivilgesellschaftlicher Organisationen kein Ersatz für eine verantwortliche staatliche Politik.

Kirche steht nicht der Welt gegenüber, sondern als Teil der Zivilgesellschaft „leisten unsere Pfarrgemeinden hier ihren Beitrag“, sagte der lutherische Bischof Michael Bünker, der gemeinsam mit dem reformierten Landessuperintendenten Thomas Hennefeld und dem methodistischen Superintendenten Lothar Pöll zum Reformationsempfang eingeladen hatte. Kirche wolle sich „als verlässlicher Partner“ in die Gemeinwesenarbeit einbringen, denn „Zuwendung, Engagement und Miteinander in der Welt gehören zum Auftrag jeder christlichen Gemeinde“. Dass es nicht reiche, „konkrete kreative Projekte vorzustellen“ – auch dafür bot der Reformationsempfang eine breite Plattform – bekräftigte Landessuperintendent Thomas Hennefeld. Immer müsse auch die gesellschaftspolitische Dimension im Blick bleiben und müssen Kirchen ihre Stimmen erheben, wo Menschen an den Rand gedrängt werden.

Oberkirchenrat Karl Schiefermair zog vor den über 300 Festgästen aus den Kirchen, den Religionsgemeinschaften und dem öffentlichen Leben eine positive Bilanz zum laufenden Diakoniejahr. Die „Neubesinnung ist gut gelandet“, resümierte der Oberkirchenrat, der in der gesamtösterreichischen Kirchenleitung auch für den Bereich Diakonie zuständig ist. Pfarrgemeinden hätten zahlreiche neue Aktivitäten gesetzt und bestehende diakonische und soziale Projekte reflektiert.

Der methodistische Superintendent Lothar Pöll dankte beim Reformationsempfang „allen, die sich in den Gemeinden diakonisch engagieren“. Diese Haltung sei nicht selbstverständlich, aber „für uns ChristInnen eine Haltung unseres Glaubens“. Pöll erinnerte auch an das 50-jährige Jubiläum des Zentrums Spattstraße in Linz. 650 MitarbeiterInnen arbeiten dort mit jungen Erwachsenen. „Mit unserer Arbeit in den Bereichen Jugendwohlfahrt, Sozialhilfe, Behindertenhilfe oder Bildung betreten wir täglich Neuland“, meinten Andrea Boxhofer und Heinz Wieser, die das Diakoniezentrum leiten.

Diakonie-Preis 2013 für Projekt der Stadtdiakonie Wien

Den mit 10.000 Euro dotierten Diakonie-Preis erhält in diesem Jahr die Stadtdiakonie Wien für ihr Schuljausen-Projekt. Unter dem Titel „Lernen mit leerem Bauch? Geht nicht!“ wird für Kinder in der Kooperativen Mittelschule sowie im Sonderpädagogischen Zentrum täglich eine gesunde Mahlzeit zubereitet. Derzeit werden insgesamt rund 100 SchülerInnen in vier Wiener Pflichtschulen betreut.

Die beste Fachbereichsarbeit hat heuer Julia Isabel Getzlaff verfasst. Betreut von Pfarrer Wolfgang Rehner befasste sich die Schülerin des BG und BRG in Stainach mit dem „Schweigen der Frau in der Gemeinde nach Paulus“. Passend zum Thema des Reformationsempfangs informierten SchülerInnen des Evangelischen Gymnasiums in Wien über den Schwerpunkt diakonisch-soziales Lernen. Von der Begegnung mit Seniorinnen und Senioren, die in einer Wohngemeinschaft des Diakoniewerks im Haus des Gymnasiums leben, „profitieren beide Seiten“, erzählte eine Schülerin. Gekommen waren die SchülerInnen in T-Shirts der Aktion „Hoffnungsträger“. Hier kündigte Diakonie-Direktor Michael Chalupka eine neue Initiative an: Im Advent sind Pfarrgemeinden aufgerufen, „Hoffnungsträger“ zu nominieren. Besonderes Engagement solle dadurch deutlich werden.

Musikalisch gestaltete den Abend, durch den die ORF-Journalistin Maria Katharina Moser führte, die Gruppe „Klangschale“ des Diakoniewerks Gallneukirchen unter der Leitung von Veronika Mossbauer und Stefan Vogt.

Hinweis:
Honorarfreie Fotos vom Reformationsempfang und von der Verleihung des Diakoniepreises finden Sie zum Download unter:

foto.evang.at/

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Fotonachweis: epd/Uschmann

ISSN 2222-2464