Raddatz: Tag des Judentums für Christen notwendig

Stellungnahme des Präsidenten des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit zum „Tag des Judentums“ am 17. Jänner

Wien, 8. Jänner 2003 (epd Ö) Der „Tag des Judentums“ in den christlichen Kirchen sei notwendig, weil immer wieder an die biblischen Aussagen erinnert werden muss, die die bleibende Verbindung der Christenheit mit dem Judentum begründen. Dies betont der Präsident des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit, em. Univ.-Prof. Dr. Alfred Raddatz, in einer am Mittwoch veröffentlichten Presseerklärung zum bevorstehenden diesjährigen „Tag des Judentums“ am 17. Jänner. Raddatz verweist auf zentrale Stellen der Heiligen Schrift, die „auch zwischen 1938 und 1945 in den Bibeln zu finden waren“. Der zentrale ökumenische Gottesdienst zum „Tag des Judentums“ wird heuer am 17. Jänner um 19 Uhr in der syrisch-orthodoxen Pfarrkirche St. Efrem in Wien-Lainz stattfinden; der syrisch-orthodoxe Chorepiskopus Dr. Emanuel Aydin und der reformierte Landessuperintendent Hofrat Mag. Peter Karner leiten den Gottesdienst.

Raddatz zitiert – in der Übersetzung der Lutherbibel – den Bericht der Apostelgeschichte über die Predigt des Heiligen Paulus in Antiochia in Pisidien (heute: Yalvac): „Am folgenden Sabbat aber kam zusammen fast die ganze Stadt, das Wort Gottes zu hören“. Paulus habe dabei den Propheten Jesaja zitiert: „Denn so hat uns der Herr geboten: ‘Ich habe dich den Heiden zum Licht gesetzt, dass du das Heil seiest bis an das Ende der Erde’. Da das die Heiden hörten, wurden sie froh …“ Hier sei die Frage zu stellen, ob „wir Heiden wirklich froh sind“, dass „Gott uns Israel zum Licht gesetzt hat“, unterstreicht Raddatz. Die Kirchengeschichte beweise das nicht gerade.

Dennoch: Durch Israel, durch den Juden Jesus, seinen Knecht (Apostelgeschichte), breite Gott sein Heil aus über alle, denn er wolle, dass allen Menschen geholfen wird und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Dieses Heil komme von den Juden, sage Jesus selbst, wie es im Johannes-Evangelium heißt, erinnert der evangelische Theologe. Abschließend zitiert er aus der Luther-Schrift von 1523 „Dass Jesus Christus ein geborener Jude sei“: „Wenn die Apostel, die auch Juden waren, also hätten mit uns Heiden gehandelt, wie wir Heiden mit den Juden, es wäre nie kein Christ unter den Heiden worden. Haben sie denn mit uns Heiden so brüderlich gehandelt, so sollen wir wiederum brüderlich mit den Juden handeln …“

ISSN 2222-2464