Schladming: Protest gegen drohende Abschiebung von Hossein K.

"Als Christen fühlen wir uns verpflichtet, Leben und Menschenwürde zu schützen“, betont das Presbyterium der Pfarrgemeinde Schladming. Foto: epd/Uschmann
"Als Christen fühlen wir uns verpflichtet, Leben und Menschenwürde zu schützen“, betont das Presbyterium der Pfarrgemeinde Schladming. Foto: epd/Uschmann

Hossein K. inzwischen aus Schubhaft entlassen

Schladming (epdÖ) – „Wir sind erschüttert und krank vor Sorge um Hossein K.“, sagt Johannes Steiner, Kurator der evangelischen Pfarrgemeinde Schladming. Der Lehrling des Diakonissenkrankenhauses hatte im Kirchenasyl der Pfarrgemeinde Zuflucht gefunden, am Donnerstag, 7. November, war er überraschend in Schubhaft genommen worden. „In Afghanistan erwartet Hossein der sichere Tod wegen Abfalls vom Islam“, sorgt sich die Pfarrgemeinde, „wir fordern einen Abschiebestopp und Bleiberecht für Hossein K.“ In der Pfarrgemeinde hatte sich Hossein K. auf seine Taufe vorbereitet, als Lehrling im Diakonissenkrankenhauses Schladming war er ein „verlässlicher und ruhiger Mitarbeiter“, so Steiner, insgesamt war Hossein K. „bestens integriert“. Ende Mai kam der negative Asylbescheid, mit dem das Lehrverhältnis automatisch endete.

Laut dem Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl ist Hossein K. am Freitag, 15. November, aus der Schubhaft entlassen worden. Der Folgeantrag wurde zugelassen. Nun kommt es, so Christoph Riedl von der Diakonie, zu einem zweiten Asylverfahren, in dem er neue Fluchtgrund geprüft wird. Riedl: „Hossein hat sich dazu entschlossen, zum Christentum zu konvertieren, er ist im Taufvorbereitungskurs. Dadurch ist ein neuer Fluchtgrund entstanden. Im Falle einer Rückkehr nach Afghanistan würde das für ihn große Gefahr bedeuten.“

In Afghanistan gehörte Hossein zur besonders verfolgten Minderheit der Hazara. Er ist im Iran aufgewachsen, nun sollte er in ein Land abgeschoben werden, in dem er noch nie in seinem Leben war. „Wir wollten Hossein schützen und unterstützen und haben ihm Kirchenasyl gewährt“, erklärt der Kurator, gleichzeitig sollte in Gesprächen mit den Behörden eine Lösung für Hossein K. gefunden werden, der sich „penibel an alle Auflagen der Behörde“ gehalten habe. Bei einer Ladung beim Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl wurde Hossein K. am 7. November, festgenommen.

Als Christen „fühlen wir uns verpflichtet, Leben und Menschenwürde zu schützen“, betont das Presbyterium der Pfarrgemeinde Schladming in einer Stellungnahme, „das uns heilige Kirchenasyl und das Vertrauen der Pfarrgemeinde in die Behörden wurde aufs Gröbste verletzt“.

Gebet, Gottesdienst und Mahnwache

Der Vorfall löste über das Wochenende eine regelrechte Welle der Solidarität aus. In der Nacht von Freitag auf Samstag rief die Pfarrgemeinde zum Gebet im Jugendraum für Hossein K. Auf. Gebetet wurde auch im Rahmen des Sonntagsgottesdienst „11 vor 11“ in der Evangelischen Kirche. „Dieser Gottesdienst hätte ein Fest werden sollen. Mit der BigBand Schladming und sechs Chören. Jetzt wird das Fest überschattet von der Verhaftung und drohenden Abschiebung Hosseins“, so der Kurator im Vorfeld des Gottesdienstes. Im Anschluss daran hielt die Gemeinde eine Mahnwache ab, an der auch der evangelisch-lutherische Bischof Michael Chalupka teilnahm.

„Ich schließe mich der Bitte der Pfarrgemeinde nach einem Abschiebestopp und Bleiberecht für Hossein K. an“, so der Bischof, „mein Herz und mein Gebet ist bei der evangelischen Pfarrgemeinde in Schladming, die Hossein K. bei sich aufgenommen und in jeder Phase transparent mit den Behörden kommuniziert hat“. Chalupka weiter: „Mein Gebet gilt ihm, der Gemeinde, aber auch allen Politikerinnen und Politikern und Beamtinnen und Beamten, die hier große Verantwortung für ein Leben übernehmen.“

Diakonie-Direktorin Moser entsetzt über „anhaltende ökonomische Unvernunft“

Diakonie-Direktorin Maria Katharina Moser zeigte sich auf Twitter „persönlich betroffen, dass gut integrierte junge Menschen wie Hossein nach Afghanistan, das derzeit als das gefährlichste Land der Welt gilt, abgeschoben werden“. Entsetzt zeigte sie sich auch über die „anhaltende ökonomische Unvernunft“. Die Diakonie als Lehrherrin habe in die Ausbildung von Hossein K. investiert. „Wir brauchen engagierte Lehrlinge wie ihn.“

„Wir haben Angst um unseren Jungen“

„Es ist sehr bedrückend“, sagte Regina Höfer gegenüber der Diakonie. Sie und ihr Mann Kurt hatten Hossein als Zieheltern und Paten in Österreich begleitet. „Wir haben Angst um unseren Jungen.“ Kurt Höfer ergänzte: „Er ist so ein lieber Bub, wissbegierig, gescheit, intelligent. Und so einer wird einfach mir nichts, dir nichts abgeschoben. Obwohl er nichts getan hat.“

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ISSN 2222-2464