Programm der Toleranzgespräche 2017 präsentiert

Im Spiegelsaal der Kärntner Landesregierung präsentierte der Denk.Raum.Fresach am Dienstag abend das Programm der Europäischen Toleranzgespräche 2017. Mit dabei Villachs Bürgermeister Günther Albel, Superintendent Manfred Sauer, Fresach-Präsident Hannes Swoboda und PEN-Präsident Helmuth A. Niederle. Foto: Gerhard Kampitsch.
Im Spiegelsaal der Kärntner Landesregierung präsentierte der Denk.Raum.Fresach am Dienstag abend das Programm der Europäischen Toleranzgespräche 2017. Mit dabei Villachs Bürgermeister Günther Albel, Superintendent Manfred Sauer, Fresach-Präsident Hannes Swoboda und PEN-Präsident Helmuth A. Niederle. Foto: Gerhard Kampitsch.

Sauer: „Das wichtige Thema Freiheit aus unterschiedlichen Blinkwinkeln beleuchten“

Klagenfurt (epdÖ) – Mit den aktuellen Entwicklungen in Europa beschäftigen sich die Europäischen Toleranzgespräche 2017 in Villach und Fresach. Presse- und Meinungsfreiheit seien gefährdet, die Zukunft der Europäischen Union sei von illiberalen und autoritären Tendenzen, die auf Zerstörung der friedlichen Nachkriegsordnung abzielen, gefährdet, so der Grundtenor bei der Programmpräsentation der diesjährigen Toleranzgespräche am 24. Jänner in Klagenfurt. Was auf Europa zukommt und wie die bevorstehenden Veränderungen zu meistern sind, darüber diskutieren Expertinnen und Experten vom 30. Mai bis zum 3. Juni in Kärnten.

„Während wir 2015 über die Toleranz in unserer Gesellschaft diskutiert und 2016 die Folgen des Klimawandels aufgezeigt haben, befassen wir uns 2017 mit den vielfältigen Dimensionen der Freiheit, die gerade heute wieder von vielen Seiten bedroht ist. Der Vormarsch globaler Internet-Konzerne ebenso wie zunehmend autokratischer Regime in Europa muss uns alarmieren“, erklärte der Präsident des Kuratoriums der Europäischen Toleranzgespräche, Hannes Swoboda, bei der Vorstellung des Programms 2017.

„Von den Europäischen Toleranzgesprächen erhoffe ich mir spannende Zusammenhänge über das Kirchliche und Theologische hinaus zu anderen Lebensbereichen, wo das Thema Freiheit ein ganz wichtiges und aktuelles ist. Ich wünsche mir, dass auch neue Interessierte nach Fresach kommen, sich einbringen und wir das wichtige Thema Freiheit aus unterschiedlichen Blinkwinkeln beleuchten und vielleicht auch wichtige Erkenntnisse für unsere Gegenwart daraus ziehen“, sagte Superintendent Manfred Sauer. Er sieht eine Verbindung zum Reformationsjubiläumsjahr 2017 und dessen Motto „Freiheit und Verantwortung“.

Der Kärntner Landtagspräsident Reinhart Rohr betonte, Freiheit, Dialog und Demokratie seien kein Luxus und müssten täglich neu verteidigt werden. „Wenn Politik damit anfängt, aus welchen Gründen auch immer, Freiheitsrechte einzuschränken, dann ist Engagement Bürgerpflicht“, erklärte Rohr. Der Villacher Bürgermeister Günther Albel verwies auf die historische Bedeutung seiner Heimatstadt im Kampf gegen Bevormundung und Abhängigkeit. Villach sei schon immer ein Kristallisationspunkt für Aufklärung, Freiheit und Emanzipation, eine lebendige und offene Handelsstadt und nicht zuletzt auch das Kärntner Zentrum des Protestantismus. Als Reformationsstadt habe Villach viel zu geben: Das Thema der Europäischen Toleranzgespräche 2017 sei daher wie maßgeschneidert für die Stadt und ihre Kultur – diesen Bürgerdialog werde man weiterhin unterstützen.

Im dritten Jahr der Toleranzgespräche wird das Vorprogramm in Villach deutlich ausgebaut. Konkret wird es erstmals eine Kinopremiere samt Diskussion mit der Regisseurin geben (Dil Leyla, 30. Mai) und eine Theaterpremiere der Neuen Bühne Villach auf dem Drauschiff (Ich, Zarah, 31. Mai). Der 31. Mai ist einem großen Schülerforum gewidmet, auf dem Presse- und Meinungsfreiheit sowie die Bedrohungen des Internet mit Experten diskutiert werden.

Neu ist der „Bürgerdialog“ am 1. Juni in Fresach. Erstmals soll Bürgerinnen und Bürgern gleich nach dem Auftakt Gelegenheit geboten werden, in einen offenen Dialog einzutreten und mitzuarbeiten an der „Fresacher Freiheits-Charta“. Zahlreiche weitere Innovationen wie zum Beispiel ein „UnternehmerInnentag“ am 2. Juni mit der Journalistin Anneliese Rohrer und ein Poetry Slam am 3. Juni ebenso wie ein „Festival der Toleranz“ und eine „Lange Nacht der Freiheit zum Weltklang der Poesie“ sollen dazu beitragen, dass es in Fresach spannend bleibt. „Wir wollen zeigen, dass wir auch abseits der großen Politik große Literatur bieten können“, ist PEN-Präsident Helmuth A. Niederle überzeugt.

Die Toleranzgespräche 2017 finden in der Pfingstwoche, vom 30. Mai bis 3. Juni, statt. Die offizielle Eröffnung erfolgt am 31. Mai in Villach in Anwesenheit des Bundespräsidenten und zahlreicher Spitzenpolitiker. Das Eröffnungsreferat am 1. Juni in Fresach hält der bekannte Orientalist und Islamkritiker Prof. Bassam Tibi von der Universität Göttingen. Er wird insbesondere auf die Zukunft der Freiheit und die Folgen der Globalisierung eingehen. Am Nachmittag steht aus Anlass des Reformationsjubiläums „Luther und die Freiheit – Was bleibt von der Reformation?“ mit Bischof Alois Schwarz und Superintendent Manfred Sauer auf dem Programm.

Das anspruchsvolle Programm der Europäischen Toleranzgespräche 2017 wird musikalisch und szenisch umrahmt. Höhepunkte sind das „Festival der Toleranz“ mit Lesungen und Gesängen, eine 24-Stunden-Multimedia-Lesung („Lange Nacht der Freiheit“ aus Anlass „70 Jahre Wiederbelebung des PEN-Clubs Austria“) sowie ein Poetry Slam am Samstag 3. Juni zum Thema „Qual der Freiheit. Freiheit der Wahl“.

ISSN 2222-2464