Professioneller und entspannter mit Vielfalt umgehen

Landesrätin Bettina Vollath ist gegen ein Schubladendenken, das die Gesellschaft in Gruppen einteilt und auseinander dividiert. Foto: epd/Dasek
Landesrätin Bettina Vollath ist gegen ein Schubladendenken, das die Gesellschaft in Gruppen einteilt und auseinander dividiert. Foto: epd/Dasek

Vollath: Integration kann nicht „von oben verordnet werden“

Mürzzuschlag (epdÖ) – Die steirische Landesrätin Bettina Vollath will lieber vom „Zusammenleben in Vielfalt“ statt von Integration sprechen. Am Dienstag, 27. August, bildete ihr Referat den inhaltlichen Auftakt der evangelischen PfarrerInnentagung. Passend zum Jahresthema der Evangelischen Kirchen beschäftigen sich die Pfarrerinnen und Pfarrer aus ganz Österreich bis Donnerstag mit dem Thema „Diakonie in den Pfarrgemeinden – zugewandt, solidarisch, vernetzt?“

Vollath, die in der steirischen Landesregierung für die Bereiche Finanzen, Frauen und Integration zuständig ist, forderte einen „professionelleren und entspannteren“ Umgang mit Vielfalt. Es gehe darum, Menschen „ein- und nicht auszuschließen“ und die Gesellschaft so zu gestalten, dass jede/r Einzelne mit seinen bzw. ihren Bedürfnissen und Stärken gesellschaftlichen Zugang hat. Integration könne nicht „von oben verordnet“ werden, ebensowenig gebe es ein Patentrezept. Vielmehr brauche es neben den strukturellen Rahmenbedingungen „viele kleine Schritte“, engagierte Partner, Energie und Einsatzbereitschaft auf persönlicher Ebene. Integration meine nicht eine bestimmte Gruppe, sondern sei ein Prozess, der die gesamte Gesellschaft betreffe: „Jeder von uns kann plötzlich am Rand stehen.“
Deutlich wandte sich die Landesrätin gegen ein Schubladendenken, das die Gesellschaft in Gruppen einteile und auseinander dividiere. Damit gelinge es nicht, den Individuen gerecht zu werden und das Verbindende in Mittelpunkt zu stellen, ist die Landesrätin überzeugt. Notwendig sei ein Perspektivenwechsel: Statt Defizite herauszustreichen sollten unterschiedliche Potentiale in den Blickpunkt treten, Fairness und Chancengleichheit erhöht und Diskriminierung auf allen Ebenen „konsequent abgestellt“ werden. Ihr Integrationsressort versteht die Landesrätin als „Motor“, um Projekte „anzustoßen, zu unterstützen und zu begleiten“.

Im Anschluss besuchten die evangelisch-lutherischen, reformierten und methodistischen Pfarrerinnen und Pfarrer karitative und soziale Einrichtungen vor Ort, wie etwa die Lebenshilfe, das Arbeitsmarktservice oder das mobile Hospiz- und Palliativteam.

ISSN 2222-2464