Primož Trubar-Ausstellung in Fresach eröffnet

Militärsuperintendent Oskar Sakrausky mit dem "Catechismus in der windischen Sprache" aus dem Jahr 1580 (Foto: https://www.evangelischeskulturzentrum.at)
Militärsuperintendent Oskar Sakrausky mit dem "Catechismus in der windischen Sprache" aus dem Jahr 1580 (Foto: http://www.evangelischeskulturzentrum.at)

Trubar war Reformator, Spracheiniger, Aufklärer und großer Europäer

Fresach (epdÖ) – Mit einem Festakt und einem wissenschaftlichen Symposium wurde am Freitag, 27. April, die Sonderausstellung „Primož Trubar“ im Evangelischen Kulturzentrum Fresach eröffnet.

Primož Trubar (1508-1586) ist nicht nur als Theologe der Reformationszeit von großer Bedeutung. Für die Entstehung der slowenischen Hochsprache spielten etwa seine Übersetzung der Bibel ins Slowenische oder sein Katechismus eine entscheidende Rolle. „Trubar war eine bedeutende historische Gestalt, die für die Slowenen das ist, was Luther für die Deutschen war“, erklärt Militärsuperintendent Oskar Sakrausky, auf dessen Initiative die Sonderausstellung zurückgeht. Sein 2006 verstorbener Vater, Altbischof Oskar Sakrausky, war einer der führenden Trubar-Forscher.

Trubar veröffentlichte 1550 in Tübingen das erste Buch in slowenischer Sprache unter dem deutschen Titel „Catechismus in der windischen Sprache“. Ein Exemplar aus Agoritschach von 1580 ist Herzstück der Retrospektive. Um seinen Mitmenschen die Bibel und neue Glaubenslehre vermitteln zu können, musste er erst ein sprachliches Fundament legen. Sein theologisches Wirken wird ebenfalls in der Ausstellung gewürdigt. Trubar setzte sich stets für Verständigung ein und versuchte, die verschiedenen theologischen Strömungen seiner Zeit zu verbinden. So engagierte er sich stark für die Unterzeichnung der Konkordienformel, die einen Konsens im Luthertum herbeiführen sollte.

Trubars Lebensweg hat aber auch starke Bezüge zu Kärnten. Bei der Herausgabe seiner zentralen Werke spielte ein Kärntner, Hans Ungnad von Sonnegg, eine zentrale Rolle. Die Kärntner Landstände stellten Finanzmittel zur Verfügung. Bei seinem Weg ins Exil durchquerte Trubar auch Kärnten, unter anderem ganz in der Nähe von Agoritschach, wo sich nach dem Toleranzpatent Kaiser Josephs II. (1781) die einzige nicht-deutschsprachige evangelische Gemeinde in Kärnten bildete.

„‚Stati inu obstati – Stehen, Bestehen, Widerstehen‘, das war der Leitspruch von Primož Trubar, der für seinen Glauben, für sein emanzipatorisches Engagement auch vieles durchlitten hat“, sagte Kärntens Superintendent Manfred Sauer bei der Eröffnung der Ausstellung in Fresach. „Primož Trubar, Reformator, Sprachschöpfer, Spracheiniger, Humanist, Aufklärer und großer Europäer zwischen Laibach, Triest, Wien, Tübingen wollte seine lubi Slovenci, seine geliebten Slowenen, zu einem neuen Selbstbewusstsein führen. Wie Luther wollte er, dass jede und jeder in seiner und ihrer Sprache die Bibel lesen, studieren und sich seine Gedanken dazu machen soll.“ Mit der Ausstellung werde aber nicht nur ein Blick in die Vergangenheit geworfen. Es gehe auch darum, zu schauen und zu reflektieren, wo heute Aufklärungsbedarf herrscht, „wo wir heute gefordert sind, zu unserem Glauben zu stehen, und wo es unser Glaube verlangt, aufzustehen um den Schwächeren zu helfen und die Unterdrückten zu befreien“. Letztlich solle die Ausstellung auch auf die Quelle der Befreiung, das Evangelium, hinweisen und die Beziehungen zu den Slowenen vertiefen, betonte Superintendent Sauer in seiner Ansprache.

Beim anschließenden Symposium sprach der Kirchenhistoriker Rudolf Leeb (Universität Wien) über den Missionsgedanken des Trubar-Ungnad-Kreises und dessen Stellung innerhalb der allgemeinen Reformation sowie seine Prägung vom multikulturellen Grenzraum Innerösterreich. Der Kirchenrechtler Karl Schwarz, Ministerialrat im Kultusamt in Wien, würdigte in seinem Vortrag die Arbeit von Altbischof Oskar Sakrausky als bedeutendstem Trubar-Forscher. Der Laibacher Religionssoziologe Marko Kerevan zeigte in seinem Referat auf, dass die sprachlich-linguistischen Leistungen Trubars eng mit seinem theologischen Wirken verknüpft sind. Anton Schindling, Zeithistoriker aus Tübingen, berichtete von Trubars letzten Lebensjahren in Südwestdeutschland.

Zusammengestellt wurde die größtenteils aus Büchern und Dokumenten bestehende Schau von Kurator Alexander Hanisch-Wolfram und Anita Ernst, der wissenschaftlichen Koordinatorin des Museumsvereins.

Die Sonderausstellung „Primož Trubar“ ist noch bis zum 31. Oktober im Evangelischen Kulturzentrum Fresach zu sehen.

ISSN 2222-2464