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Pressegespräch: Theologenkongress in Wien diskutiert über „friedvollen und gewaltlosen Umgang mit Grenzen in der Gesellschaft“

Professor Körtner: Theologie muss interdisziplinär ausgerichtet sein

Wien (epd Ö) – „Was kann die Theologie beitragen zur Aufklärung über die Grenzen, die wir in unserer Gesellschaft erleben?“ Das ist nach dem Stellvertretenden Vorsitzenden der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Theologie, Univ.-Prof. Dr. Christoph Schwöbel, die Leitfrage des derzeit in Wien tagenden XIII. Europäischen Kongresses für Theologie. In einem Pressegespräch zu Beginn des Kongresses am 22. September sagte der Systematiker, bei dem Kongress mit dem Thema „Kommunikation über Grenzen“, gehe es darum, zu untersuchen, welche Grenzen berechtigt und welche zu kritisieren seien. Dabei sei die Frage, welche Möglichkeiten die Religionen haben, „zu einem friedvollen und gewaltlosen Umgang mit Grenzen beizutragen“. Schwöbel betonte jedoch: „Identitätsaufbau ist eine Bedingung des Dialoges in der pluralistischen Gesellschaft.“

Dass ohne Grenzen keine Kommunikation möglich ist, unterstrich auch der Vorsitzende der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Theologie, der Tübinger Theologe Univ.-Prof. Dr. Friedrich Schweitzer vor den Journalisten. Der Praktische Theologe und Religionspädagoge erläuterte, in den zahlreichen Referaten des Kongresses gehe es um Grenzen als Gegenstand der Kommunikation, aber auch um die Funktion von Grenzen in Verbindung mit Religion. Bei dem Kongress, so Schweitzer, werde großer Wert auf interdisziplinäre und interfakultative Gespräch gelegt, daher kämen auch Vertreter des Judentums, des Islam und des Buddhismus zu Wort.

„Welche Rolle spielt die Theologie im europäischen Integrationsprozess, und wie positioniert sie sich in der europäischen Wissenschaftslandschaft?“ Das sind die Fragen, die sich für den Vizedekan der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien, Univ.-Prof. Dr. Ulrich H.J. Körtner im Zusammenhang mit dem Thema des Kongresses stellen. In dem vom Dekan der Evangelisch-Theologischen Fakultät, Univ.-Prof. Dr. DDr. James Loader moderierten Pressegespräch sagte Körtner, entscheidend sei die interdisziplinäre Ausrichtung der Theologie in der europäischen Forschungslandschaft. Zugleich gehe es dabei auch um Identitäten, die zu respektieren seien. „Ich kann nur interdisziplinär arbeiten, wenn ich weiß, wo ich hingehöre“, sagte der Theologe, der auch Vorstand des Wiener Instituts für Ethik und Recht in der Medizin ist.

Körtner: Theologie gehört zu den Kulturwissenschaften

Auf die Frage von Journalisten nach der Berechtigung von Theologie als eigene Wissenschaft erklärte Körtner: „Theologie muss ich im Kontext der Kulturwissenschaften definieren.“ Vor dem Hintergrund der aktuellen Debatten über Religion und Fundamentalismus sei eine theologisch fundierte Religionskritik notwendig. Eine sich als neutral verstehende Religionswissenschaft könne das nicht leisten.

Schweitzer ergänzte, Theologie als Wissenschaft mache Religion kommunikationsfähig. Sie gehöre zur Universität, „weil Religion eine vorfindliche Tatsache in der Gesellschaft ist“. Dass wissenschaftliche Theologie keine „Interessenvertretung“ sei, sondern „eine Stimme im Konzert der gesellschaftlichen Stimmen, die von niemand anderem wahrgenommen wird“, betonte Schwöbel. Zugleich warnte der Tübinger Systematiker vor der Instrumentalisierung der Religion in einem Wahlkampf, wie er derzeit in Österreich stattfindet.

Der XIII. Europäische Kongress für Theologie begann am Sonntagabend und findet bis 25. September an der Universität Wien statt. Er wird veranstaltet von der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Theologie (Berlin) und der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien.

ISSN 2222-2464