Popkonzerte als Form von Gottesdienst

9. Ökumenische Sommerakademie Kremsmünster zur „Marke Gott“

Kremsmünster (epd Ö) – „Religion wird seit dem 11. September 2001 zunehmend zu einer „Identitäts- und Entscheidungsinstanz“, sagte Dr. Jürgen Manemann, katholischer Professor für Christliche Weltanschauung/Religions- und Kulturtheorie aus Erfurt, in seinem Vortrag „Gott und das Politische – Monotheismus und Demokratie im Zeitalter der Wiederkehr der Religionen“ auf der 9. Ökumenischen Sommerakademie vom 11. bis 13. Juli in Kremsmünster. Thema in diesem Jahr ist „Die Marke Gott – zwischen Bedeutungslosigkeit und Lebensinhalt“.

Manemann wandte sich gegen eine Abdrängung der Religion in den privaten Bereich und erklärte, dass monotheistische Religionen „öffentliche Religionen“ seien: „Die Offenbarung Gottes ist eine öffentliche.“ Der Glaube habe deshalb auch die Aufgabe, an einer gerechteren Welt mitzuarbeiten. Manemann: „Biblische Religionen drängt es, politisch zu werden.“ Manemann sprach sich für „ein neues Verständnis von Demokratie“ aus, „als Form des Seins“, welches „mit Ungewissheiten leben“ kann.

 

Steigende Unkenntnis bezüglich religiöser Traditionen

 

„Gott im Blickfeld der populären Kultur“ war das Thema der katholischen Professorin für Katechetik, Religionspädagogik und Schulpädagogik und Prorektorin der Katholisch-Theologischen Privatuniversität Linz, Dr. Ilse Kögler. Dabei führte sie in die Welt der Kinofilme „Matrix“, „Bruce Almighty“ und „Dogma“ ein und erklärte anhand dessen, dass die populäre Kultur auch ein Ort sei, „an dem man Gott begegnen kann“. Die Religionspädagogin berichtete, dass Jugendliche in Filmen und modernen Liedern mit religiösen Anspielungen „immer weniger das Religiöse wahrnehmen“. Traditionen werden zwar übernommen, aber nicht mehr erkannt. Kögler bejahte die Frage danach, ob Popkonzerte auch eine Form von Gottesdienst für die BesucherInnen seien. Beim Vergleichen von Popkonzert und Gottesdienst gab Kögler zu bedenken: „Ein Popkonzert spricht den ganzen Menschen an; der Gottesdienst spricht meist nur den Kopf an.“

 

Wo Gott vergessen ist

 

„Reden von Gott, wo Gott vergessen ist – Zur Herausforderung der christlichen Verkündigung durch die Konfessionslosigkeit im Osten Deutschlands“ war der Titel des Vortrages von Dr. Wolf Krötke. Der emeritierte evangelische Professor für Systematische Theologie aus Berlin berichtete von den Ostdeutschen als der „besonderen Spezies von Mensch“. Fast 20 Jahre nach dem Ende des „real existierenden Sozialismus“ in Ostdeutschland seien heute drei Viertel der Bevölkerung konfessionslos. Selbst Sekten würden kaum Fuß fassen können. Hier herrsche „eine vollkommene Gleichgültigkeit gegenüber Gottesvorstellungen“ und jeglichen Formen von Religion. Als einzige Möglichkeit, Konfessionslose mit dem christlichen Glauben wirksam in Kontakt zu bringen, nannte Krötke den persönlichen Kontakt „von Mensch zu Mensch“.

 

Die Professorin für Systematische Philosophie und Fundamentaltheologie an der Universität Tilburg, Dr. Saskia Wendel, informierte in ihrem Vortrag über „Patchwork Gott – Das christliche Gottesverständnis angesichts der Renaissance des Religiösen“. Wendel verwies darauf, dass sich Art und Weise religiösen Lebens verändert hätten. Religion und Glaube seien heute mehr eine „persönliche Entscheidung“.

ISSN 2222-2464