Politik reagiert auf „Ökumenisches Sozialwort“

Zahlreiche Stellungnahmen von Parteien und Interessensvertretungen betonen die kirchliche Kompetenz in Sozialfragen

Wien, 30. Jänner 2002 (epd Ö) Eine erste Bilanz über die Aufnahme des Sozialberichts durch politische Parteien, öffentliche Stellen sowie Non-Profit-Organisationen präsentierten Vertreter der 14 christlichen Kirchen Österreichs bei einem Pressegespräch am Montag in Wien.

Die Politik zeige großes Interesse am Projekt „Ökumenisches Sozialwort“, berichtete der Direktor der Katholischen Sozialakademie Österreichs, Alois Riedlsperger. Seit der Präsentation des Sozialberichts im vergangenen September habe es zahlreiche Reaktionen aus Politik und Wirtschaft gegeben. Derzeit liegen Stellungnahmen von den SozialsprecherInnen der SPÖ, der ÖVP sowie der Grünen vor. Auf die Reaktion der FPÖ werde noch gewartet. Aber auch die SozialexpertInnen der Industriellenvereinigung, der Wirtschaftskammer und der Arbeiterkammer nahmen zum Sozialbericht Stellung, an dem 522 Initiativen und Einrichtungen aus 14 christlichen Kirchen mitgewirkt hatten.

Chalupka: Kirchen nicht nur für schöne Worte zu haben

Die Kirchenvertreter betonten den offenen Charakter des Projekts. Vielfach sei der Sozialbericht, der die soziale Praxis beschreibe, bereits mit dem nun zu erarbeitenden Sozialwort verwechselt worden, kritisierte Diakonie-Direktor Michael Chalupka die stark verteidigenden Reaktionen einzelner Gesprächspartner. Im Sozialwort würden dann auch klare Forderungen enthalten sein, denn: „Die Kirchen sind nicht nur für schöne Worte zu haben“. Abseits einer Einmischung in die Tagespolitik sei es Pflicht der Kirchen, Probleme aufzuzeigen, wenn sich die Tagespolitik direkt auf einzelne Menschen auswirke. Diskussionsfortschritte zeigten sich laut Chalupka in der Reform der Sozialhilfe, wo eine wissenschaftliche Studie zu dem gleichen Ergebnis wie kirchliche Stellen gekommen sei. Dagegen gebe es im Bereich der Flüchtlingproblematik einen „Stillstand“.

Aichern: Gespräch mit den Parteien

Der römisch-katholische „Sozial-Bischof“ Maximilian Aichern erinnerte daran, dass es von Seiten der Kirchen schon seit Jahren Bemühungen gebe, mit den Parteien ins Gespräch zu kommen. In der Diözese Linz sei man auch jetzt bei zahlreichen lokalen und regionalen Veranstaltungen mit allen politischen Gruppierungen und christlichen Kirchen im Gespräch, wobei Aichern besonders das konstruktive ökumenische Klima hervorhob. Positiv bewertete der griechisch-orthodoxe Metropolit Michael Staikos auch ein Treffen des ÖRKÖ-Vorstandes mit Bundesministerin Gehrer, die großes Interesse am Sozialbericht signalisiert habe.

Der „Sozialbericht“, eine Initiative der christlichen Kirchen in Österreich, war am 12. September 2001 präsentiert worden. Seither läuft der Diskussionsprozess, der weiteres Material für die Erstellung des Sozialwortes der 14 Mitgliedskirchen des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich erbringen soll. Rückmeldungen werden von Seiten der Initiatoren bis Pfingsten 2002 erbeten und fließen in die Erstellung des „Sozialwortes“ ein.

ISSN 2222-2464