Pöll: „Unterschiede zwischen Kirchen nicht nivellieren“

"Ökumenische Kontakte sind eine Bereicherung und helfen, die eigene Tradition und Spiritualität schätzen zu lernen. Ökumene heißt aber nicht, die Unterschiede zu nivellieren." , meint der evangelisch-methodistische Superintendent Lothar Pöll. Foto: epd/Uschmann
"Ökumenische Kontakte sind eine Bereicherung und helfen, die eigene Tradition und Spiritualität schätzen zu lernen. Ökumene heißt aber nicht, die Unterschiede zu nivellieren." , meint der evangelisch-methodistische Superintendent Lothar Pöll. Foto: epd/Uschmann

Neuer ÖRKÖ-Vorsitzender trat am 1. Jänner sein Amt an

Wien (epdÖ) – Der evangelisch-methodistische Superintendent Lothar Pöll ist seit 1. Jänner 2014 neuer Vorsitzender des Ökumenischen Rats der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ). Der gebürtige Wiener steht seit 2001 seiner Kirche vor und ist seit Beginn seiner Tätigkeit als Pastor in Salzburg ökumenisch engagiert.

Die ökumenische Situation in Österreich beschreibt Pöll als „sehr, sehr gut“. Es gäbe eine gute Zusammenarbeit, gemeinsame Gottesdienste sowie eine aktive Mitarbeit der Römisch-katholischen Kirche als Mitglied des Ökumenischen Rats der Kirchen in Österreich. Dies alles sei keine Selbstverständlichkeit, erklärte der evangelisch-methodistische Superintendent bei einem Pressegespräch anlässlich seines Amtsantritts.

Schwierigkeiten sieht Pöll in erster Linie in grundsätzlichen Fragen, etwa bei den Themen Abendmahlsgemeinschaft beziehungsweise eucharistische Gastfreundschaft, wovon speziell konfessionsverschiedene Familien betroffen seien. „Es gibt Unterschiede zwischen den Kirchen, die man benennen sollte, wir sollten diese auch respektieren“, so Pöll. „Ökumenische Kontakte sind eine Bereicherung und helfen, die eigene Tradition und Spiritualität schätzen zu lernen. Ökumene heißt aber nicht, die Unterschiede zu nivellieren.“

Für Pöll ist Ökumene etwas, das in erster Linie an der Basis geschehe und weniger eine Aufgabe der AmtsträgerInnen sei. Angesichts der Tatsache, dass viele evangelische Christinnen und Christen weit entfernt von ihrer eigenen Pfarrgemeinde wohnen, wünscht sich Pöll eine Art Gastmitgliedschaft in Gemeinden anderer Konfessionen. So seien etwa auch römisch-katholische ChristInnen in evangelisch-methodistischen Gemeinden aktiv und engagiert. „Mir ist sogar ein Fall bekannt, wo eine evangelische Christin als Tischmutter bei der Erstkommunionsvorbereitung mithilft“, berichtete Pöll.

Ein persönliches Anliegen ist dem neuen Vorsitzenden, dass der 27. Jänner, der Gedenktag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau, mehr ins öffentliche Bewusstsein rückt. Vor allem auch die christlich-jüdische Zusammenarbeit und der Dialog mit der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) sind ihm wichtig, hier gebe es schon seit mehreren Jahren immer wieder interessante Begegnungen. „Der Dialog mit der IKG sollte permanent gepflegt werden“, unterstrich Pöll. Nichtsdestotrotz müssten die Kirchen aber immer auch den Blick nach Palästina richten. „Man darf hier kritisieren, ohne in ein falsches Bild zu geraten.“ Er selbst kenne viele lutherische Gemeinden in Palästina, die sich für Frieden einsetzen. „Ich möchte jedenfalls versuchen, Einseitigkeiten zu vermeiden. Die Probleme vor Ort sind sehr diffizil und vielschichtig“, sagte der Superintendent.

Die Evangelisch-methodistische Kirche (EMK) sei eine reformatorische Kirche, die aber nicht direkt aus der Reformation heraus entstanden sei, sondern ihre Wurzeln in der Anglikanischen Kirche habe, erläuterte Pöll. Im Laufe der Geschichte sei die Kirche, deren Anfänge im England des 18. Jahrhunderts liegen, immer evangelischer geworden. Aus diesem Grund beteilige sich die EMK auch gerne an den Feierlichkeiten zum Reformationsjubiläum 2017, betonte Pöll. „Es gäbe uns nicht ohne die Reformation, deswegen wollen wir mitfeiern.“ John Wesley, Begründer des Methodismus, habe versucht, die Reformation neu zu denken und diese in seiner Zeit, der Zeit der angehenden Industrialisierung mit all ihren Problemen, neu zu denken.

Christlicher Glaube und soziales Engagement gehören für die Evangelisch-methodistische Kirche zusammen. 1870 wurde in Wien die erste Gemeinde gegründet, heute gibt es rund 1500 Kirchenmitglieder in zehn Gemeinden, davon zwei fremdsprachige. Rund ein Drittel der Mitglieder besucht regelmäßig den Sonntagsgottesdienst. Das Diakoniezentrum Spattstraße der Evangelisch-methodistischen Kirche in Linz feierte 2013 sein 50-Jahr-Jubiläum. Rund 500 Mitarbeitende sind in dem Zentrum für Sozialpädagogik und Sozialpädiatrie beschäftigt.

ISSN 2222-2464