Plattform „Christen und Muslime“ bei Bundespräsident Fischer

VertreterInnen der Plattform "Christen und Muslime" informieren Bundespräsident Fischer über ihre vielfältigen Aktivitäten (Foto: ÖPK/Nikolaidis)
VertreterInnen der Plattform "Christen und Muslime" informieren Bundespräsident Fischer über ihre vielfältigen Aktivitäten (Foto: ÖPK/Nikolaidis)

Fischer: Politik muss gutes Zusammenleben der Religionen fördern

Wien (epdÖ) – Die Verantwortung der Politik für ein respektvolles Zusammenleben der muslimischen und der nicht-muslimischen ÖsterreicherInnen hat Bundespräsident Heinz Fischer eingemahnt. Gerade jetzt brauche es eine „Kunst der Politik“, die Mitbürger in ihren Ängsten ernst zu nehmen und ihnen Stabilität und Sicherheit zu bieten, ohne dabei die offene Gesellschaft und wichtige Traditionen des interreligiösen Miteinanders preiszugeben, so Fischer bei einem Treffen mit dem Vorstand der Plattform „Christen und Muslime“ am 31. Jänner in Wien. Gerade Österreich sei immer wieder ein „wichtiger Schauplatz“ interkultureller und interreligiöser Dialoge gewesen – deren Bedeutung vor dem Hintergrund „jüngster tragischer Entwicklungen sogar noch wichtiger geworden ist“.

Das Staatsoberhaupt dankte der 2006 nach dem so genannten „Karikaturenstreit“ gegründeten Plattform nachdrücklich für ihre „wichtigen und sehr vernünftigen Ziele“ und ihr zivilgesellschaftliches Wirken zur Stärkung des Religionsfriedens. Initiativen dieser Art, die aus gelebter Kooperation von Christen und Muslimen erwüchsen, seien ein sehr wesentlicher Beitrag zum sozialen Zusammenhalt und einer verstärkten Partizipation.

In dem einstündigen Gespräch ging es unter anderem um das geplante neue „Islam-Gesetz“, die Zukunft des „König Abdullah-Dialogzentrums“, die bevorstehenden Pegida-Demonstrationen und die derzeit angedachten Verschärfungen im Bereich der inneren Sicherheit. Die Vorstandsmitglieder von „Christen und Muslime“ berichteten dem Staatsoberhaupt von ihren Aktivitäten zur Überwindung des bestehenden „religiösen Analphabetismus“ im Land, zur Sichtbarmachung und Stärkung besonders gelungener Beispiele des Zusammenlebens, aber auch von ihnen bekannt gewordenen Fällen, bei denen Integration durch manche österreichische Behörden und Schulen erschwert wird. Umso wichtiger sei es, die vielen Integrationsbemühungen jetzt nicht mit einer „Antiradikalisierungsdebatte“ zu vermischen. Hunderttausende in Österreich lebende Muslime seien nämlich „nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung“.

Proponenten der 2006 gegründeten Initiative „Plattform Christen und Muslime“ haben 2014 in Wien einen gleichnamigen Verein gegründet. Die Plattform will gegen pauschale Vorurteile und Hetze gegenüber Bevölkerungsgruppen auftreten und den Dialog sowie ein besseres Miteinander von Christen und Muslimen in Österreich unterstützen. Den im Statut vorgesehenen christlich-muslimischen Doppelvorsitz haben die evangelische Theologin Susanne Heine und der Gründer der „Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen“, Tarafa Baghajati, übernommen.

ISSN 2222-2464