Pflege: Diakonie fordert von neuer Regierung Stufenplan bis 2013

Chalupka: Pflege von Angehörigen und Beruf derzeit oft unvereinbar – Angebot nicht an Bedürfnissen orientiert oder nicht leistbar – „Föderales Chaos“ beseitigen

Wien (epd Ö) – Das Pflegeangebot in Österreich entspricht nicht den realen Bedürfnissen von Betroffenen und deren Angehörigen, kritisierte Michael Chalupka, Direktor der Diakonie Österreich, am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wien. Von der kommenden Regierung forderte er einen Stufenplan für die Entwicklung des Pflegesystems bis 2013, der bundesweit leistbare Angebote garantieren soll. Chalupka kritisierte außerdem, dass die Pflegedebatte nur um die 24-Stunden-Betreuung gekreist sei, von der lediglich fünf Prozent der Pflegegeldbezieher betroffen seien.

Achtzig Prozent der Pflegegeldbezieher werden laut Chalupka von Familienangehörigen betreut, vor allem von Frauen zwischen 40 und 60 Jahren. In den skandinavischen Ländern sind es genauso viele. Wegen Lücken im Pflegesystem müssten in Österreich aber viele dieser Frauen ihren Beruf aufgeben oder massive Einkommenseinbußen hinnehmen. Die von 25 Prozent der Pflegegeldbezieher genutzten mobilen Dienste können die Situation nicht entspannen, weil die Finanzierung derzeit auf drei Stunden pro Tag begrenzt ist, so der Diakonie-Direktor. In Skandinavien seien Pflege und Beruf dank eines differenzierten, leistbaren Angebots hingegen vereinbar; dort seien die staatlichen Ausgaben für Pflege allerdings auch doppelt so hoch wie in Österreich (2000: 1,3 Prozent des BIP).

Geht es nach Chalupka, soll die kommende Regierung in einem Stufenplan bis 2013 vorhandene Lücken im Pflegesystem schließen. Dazu brauche es leistbare mobile Dienste, betreutes Wohnen, Übergangspflege, Kurzzeitaufenthalte oder Teilzeitbetreuung. Derzeit könne man oft nur zwischen 24-Stunden-Betreuung oder Pflegeheim wählen, alternative Angebote wie Tageszentren seien sehr rar und würden nur wenig öffentlich gefördert.

Österreich brauche außerdem mehr Pflegepersonal: Derzeit arbeiten acht Prozent der Beschäftigten in Gesundheits- und Sozialbereich, um die Vereinbarkeit von Job und Pflege durch die Familie zu fördern. Teil des Stufenplans müsse auch der angedachte „Pflegefonds“ sein; er soll verhindern, dass jeder Zweite im Alter zum Sozialfall werde. Für pflegende Angehörige will Chalupka Rechtsanspruch auf Unterstützungsleistungen wie soziale Absicherung. Außerdem müssten vergleichbare Leistungen in allen Bundesländern gleich viel kosten, derzeit herrsche „föderales Chaos“.

Kritisch äußerste er sich über die beschlossene Erhöhung des Bundespflegegeldes zwischen vier und sechs Prozent (abhängig von der Pflegestufe). Die Valorisierung sei längst notwendig gewesen, aber weit unter dem tatsächlichen Wertverlust geblieben. Chalupka: „Es braucht eine jährliche Inflationsanpassung – aber das kann man dann ja nicht mehr als Wahlgeschenk inszenieren.“

ISSN 2222-2464