Pfingsten der KünsterInnen in Wiener Otto-Wagner-Spital

Kunst, Lesungen und Musik – Gedenken an die Spiegelgrund-Opfer – Vogel: Ohne Geist keine Kunst

Wien (epd Ö) – „Pfingsten ist ein Fest des Geistes, und ohne diesen Geist würde keine Kunst vorhanden sein.“ Das sagte Pfarrerin Dr. Ingrid Vogel bei der Veranstaltung „Pfingsten der KünstlerInnen“ am Pfingstmontag, 28. Mai, in Wien. Dazu hatte die Evangelische Kirche A.B. in den Pavillon 18 des Otto-Wagner-Spitals und in die Jugenstil-Kirche auf der Baumgartner Höhe eingeladen. Der lutherische Bischof Mag. Herwig Sturm sprach davon, dass „Kunst und Glaube viel gemeinsam“ hätten, da sie „die wegbare Wirklichkeit“ überschreiten und „Räume des Entdeckens, der Neugier“ öffnen, „die ganz besonders für uns sind“.

 

Dr. Wolfgang Gerold von der Generaldirektion des Wiener Krankenanstaltenverbundes sprach von Kunstwerken als „wunderschönen Lebensmitteln“, Kunst sei für ihn das „wichtigste Lebensmittel“. Als Beauftragte für Spiritualität in der Evangelischen Kirche A.B. verwies Vogel auch darauf, dass „Kunst eine Gabe des Geistes“ sei. Sie lud die Gäste dazu ein, bei der Betrachtung der präsentierten Kunstwerke „zu schauen, wahrzunehmen und die Dinge dann im Herzen mitzunehmen“. Bischof Sturm betonte bei der Eröffnung der Veranstaltung, dass auch sie eine Station auf dem Pilgerweg zur 3. Europäischen Ökumenischen Versammlung im September im rumänischen Sibiu/Hermannstadt sei.

 

Das Fest präsentierte in verschiedenen Ausstellungsräumen des Pavillons 18 von insgesamt 66 KünstlerInnen Malerei, Seidenmalerei, Goldschmiedekunst, Fotografie, Grafiken, Karikaturen, textile Kunst u.a. Lesungen wurden u.a. von dem Burgschauspieler Hans Dieter Knebel gehalten. Außerdem gab es eine Führung durch die Ausstellung, eine Weinverkostung, Tanz und Musik von Jazz bis Telemann. Nach Angaben der VeranstalterInnen besuchten etwa 350 Teilnehmende das Fest.

 

Den Ausklang des Tages bildeten „Wort und Musik“ in der Jugendstilkirche zum Hl. Leopold. Dabei verwies Vogel darauf, dass auf dem Gelände der 1903 erbauten Nervenheilanstalt „Am Steinhof“, dem heutigen Psychiatrischen Krankenhaus der Stadt Wien, „Menschen nicht nur gesund, sondern auch zu Tode gepflegt worden sind“. Die Pfarrerin gedachte damit der über 700 Kinder, die in den Jahren 1940-45 in der Kinderabteilung der städtischen Fürsorgeanstalt „Am Spiegelgrund“ der Nervenheilanstalt teilweise unter der Beteiligung des Arztes Heinrich Gross umgebracht und deren Gehirne aufbewahrt und wissenschaftlich verwertet wurden.

 

Nach dem Gottesdienst zogen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit einer Kerze in der Hand zu dem Mahnmal für die Opfer vom Spiegelgrund auf dem Grünareal vor dem Jugendstiltheater. Dort erinnern 772 Lichtstelen an die ermordeten Kinder und Jugendlichen. Sturm verwies darauf, dass „es viele, viele Stelen für alle Menschen“ bräuchte, „die anderen Menschen zum Opfer gefallen sind“. Es benötige „viel Licht in dieser Welt, damit niemand mehr in der Finsternis ist“.

ISSN 2222-2464