PfarrerInnentagung: Krasser Antijudaismus im Gottesdienst hat ausgedient

Rudnik: Verbundenheit des Christentums mit dem Judentum im Gottesdienst deutlich machen

Mörbisch (epd Ö) – „Der krasse Antijudaismus, der etwa die Pharisäer als kleinkarierte Gegner Jesu zeichnet, hat ausgedient. Das ist die gute Nachricht“, sagte Prof. Dr. Ursula Rudnik von der Leibniz-Universität Hannover am Dienstag in ihrem Vortrag „Evangelischer Gottesdienst und christlich-jüdisches Gespräch“ bei der diesjährigen PfarrerInnentagung vom 25. bis 28. August im burgenländischen Mörbisch. Die Tagung trägt den Titel „Auf dem Weg der Umkehr“. Rudnik: „Die schlechte Nachricht ist, dass es einen ’strukturellen Antijudaismus‘ in der Feier des Gottesdienstes immer noch gibt.“ Er zeige sich in einer ausschließlichen Deutung alttestamentlicher Texte auf Jesus hin: „Dies geschieht besonders zur Adventzeit, wenn Texte, die vom Messias sprechen, auf Jesus Christus hin gedeutet werden.“ Es sei durchaus „legitim“, wenn alttestamentliche Texte auf Christus hin ausgelegt werden, „solange es sich nicht um eine exklusive Deutung handelt. Dazu sollte deutlich werden, dass die christlichen Texte als Erbe des Judentums zu verstehen sind.“ Im Gottesdienst könne die Verbundenheit des Christentums mit dem Judentum durch wenige Worte deutlich gemacht werden: „Ein Psalmgebet etwa kann eingeleitet werden mit ‚Lasst uns mit den Worten des jüdischen Volkes Gott loben‘.“

Judentum als lebendige Gemeinschaft wahrnehmen

„Das Erinnern christlicher Schuld und jüdischen Leids hat seinen Platz auch im Gottesdienst“, forderte die Professorin. „Christen scheinen Spezialisten zu sein für den Umgang mit Schuld“, beginne jeder Gottesdienst doch mit einem Schuldbekenntnis. Sehr spät seien allerdings die Schuldbekenntnisse, etwa der Rheinischen Kirche gekommen, die 1980 eine Mitschuld an der Ermordung der Juden zur Zeit des Nationalsozialismus formulierte. „Wir dürfen unser Verhältnis aber nicht auf das Erinnern beschränken. Genauso wichtig ist es, die Verbundenheit mit Israel, dem Gottesvolk, zum Ausdruck zu bringen“, meinte Rudnik. So müsse die Identität des christlichen Gottes mit dem Gott Israels betont werden. Ebenso sei es geboten, „Zeitgenossenschaft zu leben und das Judentum als eine lebendige Gemeinschaft wahrzunehmen“. Dies könne geschehen durch die Vergegenwärtigung jüdischer Feste im Jahreskreis oder durch „Zeichen konkreter Solidarität“.

ISSN 2222-2464