PfarrerInnentagung 2006: Kindgemäße Kirche und Theologie

Bünker: Kinder sind geistliches Herz der Kirche – Kinderfreundliche Kirche

Waiern (epd Ö) – „Kinderfreundliche Kirche“ – das Jahresthema der Evangelischen Kirche A.B. prägte auch die diesjährige PfarrerInnentagung, die vom 28. bis zum 31. August im Diakoniewerk Waiern/Feldkirchen stattfand. „Wir erleben, dass Christus das Kind in die Mitte stellt“, sagte Bischof Mag. Herwig Sturm im Gottesdienst am ersten Abend der diesjährigen Gesamtösterreichischen PfarrerInnentagung. „Wir wollen schauen, dass wir die Barrieren zwischen Gott und uns mit Jesus wegräumen, dass wir herholen, was uns an Gott erinnert“, so der Bischof. Anschließend brachten Kinder die Bibel, Brot und Wein, Saft, Blumen und Kreuz und deckten damit den zuvor leeren Altar.

Mit Kindern ins Gespräch kommen

In ihrem Vortrag über „Die Welt der Kinder“ berichtete Dr. Elisabeth Schwarz über „das immer Typische“ und „das spannende oder besorgniserregende Neue“ aus diesem Bereich. In den letzten 25 Jahren sei es zunehmend zu einer „Reizüberflutung“, aber auch zu einer „Verarmung der Kindheit und einer Verarmung an einfachen Kinderspielen“ gekommen. Schwarz rief dazu auf, mehr „mit Kindern ins Gespräch zu kommen und mit ihnen Theologie zu treiben“. Heute würden die Möglichkeiten „zum spontanen und unbeaufsichtigten Spielen“ sinken, und im Gegensatz dazu die Vereinsangebote und die institutionalisierte Freizeit steigen“, so Schwarz. Darin befinde sich aber auch eine „Chance für die Kirche“. Positiv bewertete Schwarz, dass sich Kinder „häufig glücklicher“ fühlten, als soziologische Studien angeben würden. Das Wohlbefinden von Kindern sieht Schwarz im Zusammenhang mit dem Wohlbefinden in der Familie und in der Schule. Ihrer Meinung nach sind Kinder heute kompetenter und werden auch mehr in Entscheidungen einbezogen als früher. Schwarz dazu abschließend: „Kinder dürfen als kompetent wahrgenommen werden. Sie müssen aber auch als sensible Pflänzchen angesehen werden.“

Kinder als Vorbilder

Dr. Jutta Henner, Direktorin der Österreichischen Bibelgesellschaft, betonte in ihrer Bibelarbeit „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder – Spiritualität einer kinderfreundlichen Kirche“, dass Kinder „eine eigene Würde, einen eigenen Wert“ haben. Sie wären „Vorbilder für Jünger und damit für erwachsene Männer“. Laut den entsprechenden Stellen in der Bibel gehöre ihnen „Aufmerksamkeit, Vollmacht und Segen“. So beginne die Spiritualität einer Gemeinde auch bei den Kindern. Wo „Kinder in der Nähe sind, kann es nicht nur kopflastig zugehen – dort sind Kreativität und Symbolik notwendig“. Henner erklärte, dass sich eine Kirche, die kinderfreundlich sein wolle, „auf Überraschungen“ gefasst machen müsse: „Liebgewordenes wird hinterfragt werden, Kirche kommt in Bewegung, und eine kinderfreundliche Kirche ist vor jedem Erstarren der Tradition gefeit“, so die Direktorin.

Oberkirchenrat Hon.-Prof. Dr. Michael Bünker verwies darauf, dass „der Herr der Kirche“ die Kinder „mitten hinein in die Kirche als Modell für die Jüngerschaft“ setze. „Wenn wir von Kindern und Kindheit reden, sprechen wir vom geistlichen Herzen der Kirche“, so Bünker. Eine Kindertheologie müsse Kinder „nicht mehr als Objekte der Belehrung, sondern als Subjekte einer kindgemäßen Theologie“ verstehen. Das Anliegen einer kinderfreundlichen Kirche dürfe keinesfalls „mit dem Ende dieses Jahresthemas“ abgeschlossen sein.

Neben den Vorträgen, Morgen- und Mittagsgebeten und Gottesdiensten konnten sich die TeilnehmerInnen auch in Arbeitsgruppen wie „Kinderbibeln, Arbeitshilfen, Medien“, „Kindertheologie von, mit und für“ u.a. dem Thema der Tagung nähern. Außerdem wurde das Jungscharlager Landskron besucht. Bei verschiedenen Spielstationen, einem Spaziergang zur Burg Landskron und der Besichtigung des Seegrundstückes des Hauses am Ossiacher See wurde die „Kinderfreundliche Kirche“ für die TeilnehmerInnen der Tagung auch real erlebbar.

ISSN 2222-2464