Pfarrerinnen und Pfarrer im Rollenspagat

Mit dem Berufsbild des Pfarrers / der Pfarrerin beschäftigt sich die diesjährige gesamtösterreichische PfarrerInnentagung in Bregenz. Im Bild Referent Frank Weyen. Foto: epd/Uschmann
Mit dem Berufsbild des Pfarrers / der Pfarrerin beschäftigt sich die diesjährige gesamtösterreichische PfarrerInnentagung in Bregenz. Im Bild Referent Frank Weyen. Foto: epd/Uschmann

Frank Weyen: Theologische Kompetenz erhalten

Bregenz (epdÖ) – Das Berufsbild eines Pfarrers/einer Pfarrerin steht im Mittelpunkt der diesjährigen PfarrerInnentagung. Über 100 Pfarrerinnen und Pfarrer beschäftigen sich vom 30. August bis zum 3. September in Bregenz mit dem Selbstverständnis von PfarrerInnen und den Anforderungen sowie den Herausforderungen des Pfarrberufs. So gebe es durchaus schon einmal zehn Dialoggruppen für einen Pfarrer/eine Pfarrerin am Tag, angefangen mit dem Religionsunterricht morgens, dann Dienstbesprechungen, Tauf- oder Traugespräche und schließlich Presbytersitzung am Abend, beschrieb der Referent der Tagung, Frank Weyen, in seinem Vortrag den Arbeitsalltag von PfarrerInnen. Der Pfarrer und Fundraiser aus der Westfälischen Landeskirche in Deutschland beschrieb in seinem Referat „Der Pfarrberuf als multikomplexe Herausforderung – Zur Identität im Pfarrberuf im 21. Jahrhundert“, wie die PfarrerInnen in einem „Rollenspagat“ und damit in einem Dilemma stünden: „Ursprünglich ist das Pfarramt ein rein geistliches Amt, das die Tradierung des Evangeliums zur Aufgabe hat. Sehr häufig wird das Pfarramt aber zu einem ganz normalen Verwaltungsberuf.“ Auch habe sich das PfarrerInnenbild in den letzten 100 Jahren stark verändert. So sei der Pfarrer etwa als „Zeuge des Evangeliums“, als „Kommunikator“, als „Intendant“ oder als „Künstler und Schamane“ gesehen worden. Die Identität der PfarrerInnen sei unklar und das führe zu Verunsicherung bei den PfarrerInnen. Enorm wichtig sei hier die theologische Kompetenz und Professionalität, „denn wenn etwa Ärzten oder Juristen die Professionalität fehlt, dann fehlt auch das Vertrauen in ihre Fähigkeiten“. PfarrerInnen seien ebenso wie Ärzte oder Juristen stark auf das Vertrauen ihres Gegenübers angewiesen, „daher ist es wichtig, dass die theologische Kompetenz erhalten bleibt und nicht etwa der Kompetenz eines Entertainers und geselligen Vereinsvorsitzenden weicht“. Den Religionsunterricht, den PfarrerInnen in Österreich erteilen, bewertet Weyen als „sehr wertvoll“. Hier geschehe eine Verbindung von Kirche und Menschen im nicht-kirchlichen Raum: „Diese Dialoggruppen erreichen die Kirchen sonst so gut wie nicht.“

Neben großer Zustimmung erntete Weyen auch kritische Rückfragen: „Die Gemeinden erwarten ganz überwiegend Entertainer, die PfarrerInnen sollen die Rolle des Vereinsvorsitzenden gut erfüllen.“ Anstatt dies zu vermeiden, solle dieser Aspekt sogar mehr in die Ausbildung eingebunden werden, hieß es etwa. Weyen entgegnete mit den Anforderungen der Umwelt an die PfarrerInnen: „Wenn dabei der Entertainer überbleibt, geht die Professionalisierung verloren.“ Man müsse auch den Gedanken, dass alles gemessen werden könne, kritisch hinterfragen: „Was ist die Qualität von Kirche?“ Auch könnten Qualitätsmerkmale nur über Zeiträume von zehn bis 15 Jahren gemessen werden, „dann kommen die einstigen Täuflinge in den KonfirmandInnenunterricht“. Da sei der Pfarrer aber vielleicht schon in einer anderen Pfarrgemeinde oder in Pension.

Nach dem Vortrag und der anschließenden Diskussion haben die PfarrerInnen und Pfarrer in Workshops kreative und spielerische Zugänge zum PfarrerInnenbild erarbeitet. Unter Anleitung der Coaches und Supervisorinnen Hilde Jawad-Estrak und Susanne Ehmer ging es um den Ist-Zustand der PfarrerInnen sowie um die „idealen“ PfarrerInnen. Im Rahmen der Tagung besuchen die PfarrerInnen auch das Jan-Hus-Haus in Konstanz. Ein Gottesdienst in der Bregenzer Kirche am Ölrain beschließt die Tagung am Donnerstag.

ISSN 2222-2464