Peter Ciaccio: „Harry Potter ist keine Anbetung des Bösen“

Peter Ciaccio: Charaktere wie Harry Potter "finden ihre Stärke in ihrer Schwäche". Foto: flickr/Matt Brown/cc by sa 2.0
Peter Ciaccio: Charaktere wie Harry Potter "finden ihre Stärke in ihrer Schwäche". Foto: flickr/Matt Brown/cc by sa 2.0

Italienischer Theologe im SAAT-Interview über biblische Parallelen zur Zaubererwelt

Wien (epdÖ) – Er schreckt nicht davor zurück, Harry Potter mit Jeremia oder Moses zu vergleichen: Der italienische Theologe Peter Ciaccio hat mehrere Bücher verfasst, in denen er den Parallelen von popkulturellen Erfolgsgeschichten – Star Wars, den Beatles, oder eben Harry Potter – zu biblischen Erzählungen nachspürt. Die evangelische Zeitung SAAT hat sich für ihre Jänner-Ausgabe mit Ciaccio getroffen und mit ihm über die religiöse Dimension in den Büchern und Filmen über den „auserwählten“ Zauberlehrling aus der Feder von Joanne K. Rowling gesprochen. Von kirchlicher Seite waren diese oft kritisiert worden. Dem nimmt Ciaccio den Wind aus den Segeln: Der Ansatzpunkt der Kritik – die vermeintliche Verherrlichung von Hexerei – treffe in den Büchern auf keinen Kern: „Harry Potter ist keine Anbetung des Bösen“, die Magie vielmehr nur ein „narratives Werkzeug“.

Die Rolle des Auserwählten, an dessen Erfolg oder Scheitern das Schicksal der Zaubererwelt hängt, ist zwar das, was Harry Potter ausmacht – zugleich aber auch das, womit er selbst am meisten hadere: „Harry sagt sich oft: Mich interessiert das alles nicht, warum soll ich das tun? Auch das ist eine biblische Parallele: Die Menschen, die in der Bibel berufen werden, sind widerständig, Jeremia etwa oder Moses.“ Sie seien, so Ciaccio, „normale Leute, die ins Rad der Geschichte fallen“. Eine Kernaussage des siebenbändigen Werks sei zudem das Angewiesensein auf andere, trotz der Bestimmung Harrys als „etwas Besonderes“: „Du kannst nicht alleine sein, du brauchst die anderen. Das ist der Unterschied zwischen den Guten und den Bösen. Die Guten verehren Harry nicht, sind nicht seine Diener.“

Damit sieht Ciaccio Harry Potter in einer Reihe mit vergleichbaren fiktiven Erlöserfiguren wie Frodo Beutlin aus „Herr der Ringe“ oder Luke Skywalker aus „Star Wars“: Diese Charaktere müssten „ganz normale“ Menschen sein, keine perfekten Superhelden, um so Identifikationspotenziale in den Leserinnen und Lesern abzurufen: „Sie finden ihre Stärke in ihrer Schwäche – noch so ein theologisches Konzept.“

Eine Stärke, die die Bücher selbst auszeichne, sei deren ungeschönter Umgang mit Tod und Trauer – sichtbar insbesondere in der Beziehung Harrys zu seinen Eltern, die beim Versuch sterben, ihn zu retten. Diese Offenheit habe ihn erstaunt, so Ciaccio: „In Italien ist es ein Tabu, mit Kindern über den Tod zu sprechen. Ich weiß von Kindern, denen gar nicht gesagt wurde, dass ihre Eltern gestorben sind – wie es auch bei Harry ist.“ Er sei sich – trotz offenkundiger biblischer Bezüge – sicher, dass Joanne K. Rowling mit Harry Potter kein christliches Buch schreiben wollte, „aber wahrscheinlich ein Buch darüber, Trauer, Depression und Scheitern zu überwinden. Und darüber, dass am Ende die Liebe siegt“.

Das vollständige Interview mit Peter Ciaccio finden Sie in der Jänner-Ausgabe der SAAT, die Sie unter shop.evang.at um 27 Euro pro Jahr abonnieren können.

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ISSN 2222-2464