Pavel Filipi: Idee der EU „fragiles Projekt“

Als ein „Wagnis“ bezeichnet der Dekan der Prager Evangelisch-Theologischen Fakultät die Europäische Union in seiner Festrede beim diesjährigen Reformationsempfang

Wien (epd Ö) – „Die Europäische Union ist nach wie vor ein Wagnis“, sagte der Dekan der Evangelisch-Theologischen Fakultät von Prag, Prof. Dr. Pavel Filipi, in seiner Rede über die Chancen und Herausforderungen der EU-Erweiterung auf dem Empfang zum Reformationsfest am Donnerstag, 28. Oktober, in der Wiener Akademie der Wissenschaften. Immer sei die Geschichte Europas eine Geschichte der Spaltungen gewesen, „seit Jahrzehnten versuchen nun die europäischen Staaten diese Tendenz umzudrehen und die Integration geltend zu machen“. In diesem Sinne sei die Idee der EU „ein sehr fragiles Projekt und ständig pflegebedürftig“. Dies entspreche allerdings der jüdisch-christlichen Botschaft, handle es sich dabei doch um „säkularisierte Spätfrüchte am Baum, den die Propheten und Jesus von Nazareth gepflanzt haben“.

Damit zusammenhänge der Satz, dass die Christen Europa eine Seele geben sollen, „unklar ist dabei allerdings, was mit Seele gemeint ist“. Viel werde auch von den „christlichen Werten“ geredet, die das unierte Europa nötig habe, zugleich aber „wissen wir, wie schwer sich die historische und die gegenwärtige Christenheit tat und tut, für diese Werte in allen Lebensbezügen einzustehen.“ Das säkularisierte Europa sei ein „Beweis, wie unglaubwürdig unser historisches Zeugnis war, und wie wenig Akzeptanz es heute noch findet.“

Hoffnung für das „menschliche Projekt Europa“

Filipi betonte, dass der Grundton des Beitrages der Kirchen und Christinnen und Christen zur europäischen Integration die Demut, die Selbstkritik und die Nüchternheit sei: „Wir sind den Europäerinnen und Europäern das Zeugnis schuldig, wie man mit eigener Schwäche umgeht, und das Zeugnis, warum man auch nach dem Versagen noch aufstehen und gerade stehen darf.“ Dies sei die „Dynamik der christlichen Botschaft“. So sei der Satz mit der Seele Europas umzuformulieren in „Europa, dem europäischen Menschen, Hoffnung bezeugen. Hoffnung für das menschliche Projekt Europa“.

Es wäre „fatal“, wenn das „Haus Europa“ zu einer Festung würde, in der sich die „satten Europäer verschanzen vor dem Ansturm der Hungrigen unserer Welt“. So sei angesichts des Reformationstages, in Anlehnung an ein Lied des Reformators Martin Luther, Europa nicht „ein feste Burg“, sondern es heiße: „Ein feste Burg ist unser Gott, ein Gott, der uns die Chance gibt, erneut aufzustehen und das Haus Europas mitzugestalten und es, dieses fragile Projekt, ins Gebet zu nehmen.“

ISSN 2222-2464