Patente entscheiden über das Leben zehntausender an Aids erkrankter Kinder

Kindernothilfe fordert Einlenken der Industrie

Wien (epd Ö) – Neue Patente werden ab 2009 die Produktion von bezahlbaren Medikamenten für an Aids erkrankte Kinder gefährden. Die so genannten Generika aus Indien, also günstig hergestellte Nachahmer-Produkte, versorgen jetzt noch große Teile Afrikas. Das könnte sich dramatisch ändern, wenn die drei Pharma-Unternehmen Gilead, Abbott sowie Bristol-Myers 2009 ihre Patentrechte durchsetzen, warnte die Kindernothilfe Österreich anlässlich des Weltaidstages am 1. Dezember.

„Das Lebensrecht für Kinder muss aber in jedem Fall über dem Patentrecht der Unternehmen stehen“, betont Frank Mischo, HIV/Aids-Experte der Hilfsorganisation. Mischo ist seit Jahren am Dialog mit der Pharmaindustrie beteiligt. Er schätzt: „Bis zu 250.000 erkrankte Mädchen und Jungen im östlichen und südlichen Afrika könnten von der medizinischen Versorgung mit Aids-Medikamenten abgeschnitten werden, wenn die Unternehmen auf ihre Patentrechte pochen. Ohne die günstigen Generika aus Indien ist die Behandlung in vielen Teilen Afrikas einfach zu teuer.“ Indien liefert bisher mehr als 80 Prozent der Medikamente für an Aids Erkrankte in den ärmsten Teilen Afrikas. Dazu gehören gerade erst eingeführte Tabletten und Sirups insbesondere für Kinder. Die Medikamente enthalten die neuesten Wirkstoffe mit vergleichsweise geringen Nebenwirkungen. Außerdem müssen sie nicht mehr gekühlt werden, was für den Einsatz in vielen Entwicklungsländern von großer Bedeutung ist.

Indien ist seit 1995 Mitglied der Welthandelsorganisation WTO und musste deshalb 2005 ein Gesetz zum Schutz von Patenten verabschieden. Spätestens bis 2009 müssen alle Patente internationaler Konzerne anerkannt werden. Wenn Indien die Vorschrift umsetzt, müssen indische Generika-Hersteller die Produktion stoppen oder die Schließung durch den Staat befürchten. Die Kindernothilfe fordert gemeinsam mit anderen Organisationen, dass die Pharmaunternehmen die Patente auf die Generika-Hersteller in Indien übertragen. Dafür sollen sie am Verkauf der Medikamente mit einem kleinen Betrag pro Patient beteiligt werden.

ISSN 2222-2464