Parallelen zwischen Paulus und Zwingli

Bemüht um die Verbindung von Glauben und Alltag: Der Schweizer Reformator Ulrich Zwingli. Foto: epd/Uschmann
Bemüht um die Verbindung von Glauben und Alltag: Der Schweizer Reformator Ulrich Zwingli. Foto: epd/Uschmann

ORF-Radiogottesdienst zum Ostermontag aus reformierter Gemeinde Wien-Süd

Wien (epdÖ) – Anlässlich des „reformierten“ Reformationsjubiläums 2019 haben der reformierte Oberkirchenrat Johannes Wittich und Gerti Rohrmoser, Direktorin der Evangelischen Frauenarbeit, auf Parallelen zwischen dem Apostel Paulus und dem Schweizer Reformator Ulrich Zwingli hingewiesen. „Auferstehung ist auch Aufstehen aus totmachenden Verhältnissen und Umständen. Wie Paulus nach seinem Christ-Werden aus der Thora schöpft und Christus in ihr finden kann, greift auch Zwingli auf Vertrautes zurück: Die Heilige Schrift, die er studiert hat, aber jetzt ganz neu entdeckt. Als lebendiges, Leben schützendes und Leben schenkendes Wort Gottes“, sagte Ortspfarrer Wittich in seiner gemeinsam mit Rohrmoser gehaltenen Predigt im Rahmen eines in den ORF-Regionalradios übertragenen Gottesdienstes am Ostermontag in der reformierten Kirche Wien-Süd. Diese Form des Aufstehens sei zugleich Aufstehen gegen bestehende gesellschaftliche Strukturen. Zwinglis „dringendstes Anliegen“ sei „die Verbindung und Verknüpfung von Glaube und gesellschaftlichem Handeln“ gewesen. Auch heute gelte es, „die Frage nach der Aktualität und Relevanz unseres Glaubens im Alltag“ zu stellen.

In ihrem Teil der Predigt reflektierte Rohrmoser, lange Zeit selbst Kuratorin in der Pfarrgemeinde Wien-Süd, auf das Erlebnis Paulus‘ am Weg nach Damaskus, wo er von einem Licht geblendet wird, das ihm für drei Tage das Augenlicht raubt: „Er muss hinhören, genau hinhören, muss sich neu und anders ausrichten. Er kann die Christen, seine scheinbaren Feinde, nicht mehr sehen, aber er hört jetzt, was sie zu sagen haben und – er hört Christus. Er beginnt im Stimmengewirr von vielen seine Stimme zu erkennen und sein Wort unter den anderen Wörtern herauszuhören.“ Nach drei Tagen sei Paulus ein anderer Mensch geworden, er habe begonnen, die „fremde Botschaft“ mit dem Bekannten, der Thora, zu verknüpfen: „Er begibt sich mit seinem vertrauten Gott auf einen ganz neuen Weg.“

Zwinglis Amtsantritt als Leutpriester am Zürcher Großmünster Anfang 1519 gilt als Beginn der Reformation in der Schweiz. Die Evangelische Kirche H.B. in Österreich begeht daher wie die Schwesterkirche im Kanton Zürich 2019 als Zwingli-Jahr.

Der Radiogottesdienst aus der Gemeinde Wien-Süd ist in der ORF-Mediathek ein Jahr lang nachzuhören: https://religion.orf.at

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ISSN 2222-2464