Papstbesuch und Sibiu: Sturm für „gerechte Verteilung der Aufmerksamkeit“

Botschaft der Christen "stereophonisch" hören. Kardinal Christoph Schönborn, Bischof Herwig Sturm und Bischofsvikar Nicolae Dura (von links)
Botschaft der Christen „stereophonisch“ hören. Kardinal Christoph Schönborn, Bischof Herwig Sturm und Bischofsvikar Nicolae Dura (von links)

Pressegespräch vor dem Papstbesuch und der Dritten Europäischen Ökumenischen Versammlung in Sibiu/Hermannstadt – Kardinal Schönborn, Bischof Sturm und Bischofsvikar Dura über gemeinsame Anliegen und unterschiedliche Kirchenverständnisse

Wien (epd Ö) – Während des Papstbesuches wünscht sich der evangelisch-lutherische Bischof Herwig Sturm eine „gerechte Verteilung der Aufmerksamkeit“. Der Fokus sollte auch auf die Europäische Ökumenische Versammlung in Sibiu/Hermannstadt gerichtet werden, sagte der Bischof bei einem gemeinsamen Pressegespräch mit Kardinal Christoph Schönborn und dem Bischofsvikar der Rumänisch-orthodoxen Kirche, Nicolae Dura, am Donnerstag. Papstbesuch und Sibiu dürften nicht gegeneinander ausgespielt werden, vielmehr sei dadurch die Botschaft der Christen gewissermaßen „stereophonisch“ in Europa zu hören. Auch das Überreichen der Sibiu-Kerze an den Papst in Mariazell sieht er als Möglichkeit, hier eine Brücke zu bauen. Natürlich hätte er sich gewünscht, dass es nicht zu dieser Gleichzeitigkeit gekommen oder dass etwa auch ein Treffen des Papstes mit Vertretern der Ökumene möglich gewesen wäre, aber: „Ich mache gerne aus den Dingen, die wir jetzt nicht ändern können, doch noch etwas Gutes.“

Die jüngsten Papstäußerungen, die Kirchen der Reformation wären nicht „Kirchen im eigentlichen Sinn“, sind für Sturm „kein hilfreicher Weg“: „Wir verbrauchen unnötig Zeit, um einander Defizite vorzurechnen“, so der lutherische Bischof und Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich. Im ökumenischen Zusammenleben, das übrigens in Österreich „hervorragend“ funktioniere, lehne er ein Modell „Fülle da – Defizite dort“ entschieden ab.

Kardinal Schönborn erinnerte an das Zweite Vaticanum. Dort sei festgehalten, dass es auch außerhalb der katholischen Kirche „echte kirchliche Wirklichkeiten“ gebe. Die umstrittenen Papstäußerungen wollten dies präzisieren. Schönborn: „Die katholische Position ist eine vermittelnde: Kirchlichkeit ist auch in anderen christlichen Kirchen vorhanden, aber aus unserer Sicht gibt es Defizite in anderen Kirchen, die zum Kirche-Sein gehören.“ Auch der Wiener Erzbischof lobte das „größere ökumenische Einvernehmen“ in Österreich. Schönborn stellte aber auch eine kritische Frage: „Ist unser ökumenischer Friede auch das Resultat davon, dass das Christentum in Europa marginalisiert ist?“ Dies wäre wohl zu kurz gegriffen, so die Antwort, die sich Schönborn selbst gab. „Ich glaube, es hat ein Umdenkprozess stattgefunden, dass wir die Pflicht haben, die Gemeinsamkeit untereinander zu stärken“, so Schönborn. Zur Versammlung in Sibiu/Hermannstadt erzählte der Kardinal, dass beim letzten Zusammentreffen mit dem Papst dessen erste Worte waren: „Ich habe heute Früh meine Botschaft für Sibiu geschrieben.“

Dura las aus einem Brief von Metropolit Michael Staikos vor: „Zwischen Sibiu und Mariazell gibt es eine lebendige Verbindung. Es ist gleichsam ein Regenbogen, der sich zwischen den zwei mitteleuropäischen Städten spannt, ein Zeichen des Bundes.“ Sämtliche Christen würden mit Aufmerksamkeit hören, was Benedikt XVI. der Europäischen Ökumenischen Versammlung zu sagen haben werde. Dura schilderte die konfessionelle Vielfalt Sibius. In der multikulturellen Stadt finden sich 72 Kirchen.

O-Ton im evang-Podcast: „Die Dritte Europäische Ökumenische Versammlung startet in Sibiu“

ISSN 2222-2464