Papst zum Reformationsjubiläum in Schweden

500 Jahre Reformation: Im mittelalterlichen Dom zu Lund feierte Papst Franziskus gemeinsam mit den Spitzen des Lutherischen Weltbundes den historischen Gottesdienst. Foto: Jens Hunt/wikimedia
500 Jahre Reformation: Im mittelalterlichen Dom zu Lund feierte Papst Franziskus gemeinsam mit den Spitzen des Lutherischen Weltbundes den historischen Gottesdienst. Foto: Jens Hunt/wikimedia

Historisches Gebet in Lund

Vatikanstadt/Lund (APA/epd/epdÖ) – Mit einer historischen Geste hat Papst Franziskus zum Auftakt der Feiern zum Gedenken an die Reformation vor 500 Jahren eine weitere Annäherung von Katholiken und Protestanten verlangt. „Wir dürfen uns nicht mit der Spaltung und der Entfremdung abfinden, die durch die Teilung unter uns hervorgerufen wurden“, sagte der Papst am Montag, 31. Oktober, im südschwedischen Lund.

Dort stand er erstmals mit Spitzenvertretern des Lutherischen Weltbundes am Altar, um zum Gedenken der Reformation gemeinsam Gottesdienst zu feiern. An diesem Montag begannen offiziell die Feierlichkeiten zum 500. Jahrestag der Reformation im kommenden Jahr. Der Besuch des Papstes gilt als starkes Zeichen für die Ökumene, denn der 31. Oktober 1517 wird mit dem Thesenanschlag von Martin Luther als Beginn der Reformation angesehen.

„Wir haben die Gelegenheit, einen entscheidenden Moment unserer Geschichte wieder gutzumachen“, sagte der Papst. „Wir Katholiken und Lutheraner haben begonnen, auf dem Weg der Versöhnung voranzugehen“, so Franziskus in seiner Predigt. Kontroversen und Missverständnisse hätten verhindert, dass man einander verstehe. Diese müssten nun überwunden werden. Die Spaltung der Evangelischen und der Katholischen Kirche sei weniger vom „Gottesvolk“ als von „Vertretern weltlicher Macht“ aufrechterhalten worden. Martin Junge, Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes, sagte, der „historische Moment“ sei eine Gelegenheit für Katholiken und Protestanten, sich „von einer Vergangenheit zu distanzieren, die vom Konflikt und der Spaltung getrübt wurde“.

Die ökumenischen Bestrebungen untermauerten Franziskus und der Präsident des Lutherischen Weltbundes (LWB), Munib Younan, in einer gemeinsamen Erklärung. „Während die Vergangenheit nicht verändert werden kann, kann das, woran man sich erinnert und wie man sich erinnert, verwandelt werden“, hieß es darin. Man wolle sich wieder verpflichten, sich vom Konflikt zur Gemeinschaft zu bewegen. Im Dom gab es nach der Unterzeichnung Applaus.

Die Erklärung geht auch auf einen Knackpunkt ein: das gemeinsame Abendmahl. Viele Gläubige sehnten sich danach, „die Eucharistie in einem Mahl zu empfangen als konkreten Ausdruck der vollen Einheit“. Änderungen werden allerdings nicht formuliert. Aus Vatikansicht können gemeinsame Abendmahlsfeiern nur das Ergebnis eines ökumenischen Einigungsprozesses sein, nicht jedoch der Weg dorthin. Hoffnungen vor der historischen Feier, dass Franziskus stärker auf die Lutheraner zugehen könnte, erfüllten sich nicht.

Zunächst traf Franziskus den schwedischen König Carl XVI. Gustaf und Königin Silvia. Auch das Königspaar feierte den Gottesdienst in Lund mit. Anschließend nahm der Papst an einer Veranstaltung mit rund 10.000 Menschen im benachbarten Malmö teil. Bei dem bunten ökumenischen Fest riefen Franziskus und Younan zum gemeinsamen Einsatz für Flüchtlinge, Frieden und Umweltschutz auf.

Zum Abschluss des Treffens in der Malmö Arena unterzeichneten Caritas Internationalis, der weltweite Dachverband der nationalen Caritasverbände, und die Hilfsorganisation des Lutherischen Weltbundes „Lutheran World Federation – World Service“ ein Kooperationsabkommen. Künftig wollen beide etwa in der Flüchtlingshilfe oder bei Entwicklungshilfeprojekten zusammenarbeiten. Zuvor hatten zwei Frauen und ein Mann aus Indien, Burundi und Kolumbien ihren Einsatz für Frieden, Umweltschutz und Waisenkinder geschildert. Eine aus dem Südsudan geflüchtete Fußballerin, die Mitglied der olympischen Flüchtlingsmannschaft war, berichtete von ihrem Schicksal und über ihre Arbeit mit Flüchtlingen. Franziskus würdigte diese Übereinkunft mit dem Titel „Together in Hope“ als „leuchtendes Beispiel der Hingabe und des Dienstes für den Nächsten“ in einer „durch Kriege und Konflikte zersplitterten Welt“. Der ebenfalls nach Malmö gereiste chaldäische Bischof von Aleppo, Antoine Audo, sagte, das Abkommen gebe den verbliebenen Christen in Syrien Kraft und Mut, um den Konflikt durchzustehen.

Anschließend stand eine ökumenische Begegnung des Papstes mit Delegationen christlicher Kirchen auf dem Programm. Nach einer Messe am Dienstagmorgen im Stadion von Malmö flog der Papst wieder zurück nach Rom. Es ist die erste Reise eines Papstes in das skandinavische Land seit 1989. Damals hatte Johannes Paul II. Stockholm besucht. In Schweden mit seinen fast zehn Millionen Einwohnern leben rund 113.000 Katholiken. Allein die Teilnahme von Papst Franziskus an dem Gottesdienst in Lund ist eine Geste, die bei fast all seinen Vorgängern undenkbar gewesen wäre.

Der Lutherische Weltbund (LWB) ist eine Gemeinschaft von lutherischen Kirchen auf der ganzen Welt. Seinen Ursprung hat der LWB, dem 145 Mitgliedskirchen in 98 Ländern angehören, in der südschwedischen Stadt Lund. Dort ging er 1947 aus dem 1923 gegründeten Lutherischen Weltkonvent hervor.

ISSN 2222-2464