Ortstafeln: Evangelisch-lutherischer Bischof appelliert an Kärntner Landeshauptmann

„Schaffen Sie Recht in Kärnten“ – Historische und kulturelle Einheit in Kärnten nicht aufs Spiel setzen – Offener Brief des evangelisch-lutherischen Bischofs Herwig Sturm und der Superintendentenkonferenz an Landeshauptmann Haider

Wien, 20. Jänner 2006 (epd Ö) – In einem offenen Brief appelliert der evangelisch-lutherische Bischof Herwig Sturm an den Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider, in der Ortstafelfrage die historische und kulturelle Einheit Kärntens nicht aufs Spiel zu setzen. „Schaffen Sie Recht in Kärnten“, heißt es in dem Brief, der von Sturm, der derzeit in Wien tagenden Superintendentenkonferenz und vom Oberkirchenrat A.B. unterzeichnet ist. Haider wird darin aufgefordert, „Zeichen der Versöhnung und des Friedens“ zu setzen. Die Muttersprache sei ein wesentlicher Teil der Individualität und Würde eines Menschen, ebenso seiner Geschichte und Kultur. „Stellen Sie nicht in Frage, dass alle Kärntnerinnen und Kärntner in diesem Land ihre Heimat haben“, so die evangelisch-lutherische Kirchenleitung. Die slowenische Volksgruppe habe die Geschichte und Kultur Kärntens entscheidend mitgeprägt, einschließlich der Volksabstimmung 1920. Der Bischof erinnert daran, dass die slowenische Schriftsprache im Zuge der Bibelübersetzung im Jahrhundert der Reformation entstanden ist und heute einen festen Platz in der Kirche hat: „Wir ersuchen Sie dringend: Verletzen Sie die religiösen Gefühle Ihrer Mitbürger nicht.“

Die Ortstafeln sind Symbole, sie sind aber auch ein Recht, unterstreicht die Kirchenleitung. Die Unterscheidung von Gesetzgebung, Ausführung und unabhängiger Rechtsprechung sei eine der Grundlagen unserer Demokratie. Der Brief schließt mit dem Appell: „Stellen Sie diese Grundlagen der Demokratie nicht in Frage, sondern fördern und stärken Sie diese. Schaffen Sie Recht in Kärnten.“

ISSN 2222-2464