Oikocredit: Geschäftsverlauf ein „Wunder des Vertrauens“

Der Vorstandsvorsitzender von Oikocredit International Fidon Mwombeki und Peter Püspök, Vorstand von Oikocredit Österreich, präsentierten in Wien den Bericht über das Geschäftsjahr 2011 und erzählten von ihren Erfahrungen mit Mikrokrediten (Foto: epd/Janits)
Der Vorstandsvorsitzender von Oikocredit International Fidon Mwombeki und Peter Püspök, Vorstand von Oikocredit Österreich, präsentierten in Wien den Bericht über das Geschäftsjahr 2011 und erzählten von ihren Erfahrungen mit Mikrokrediten (Foto: epd/Janits)

3000 ÖsterreicherInnen investieren in Mikrokredite

Wien (epdÖ) – Als einen „Bericht von einem anderen Stern“ bezeichnete der Vorsitzende von Oikocredit Österreich Peter Püspök den Bericht über das Geschäftsjahr 2011, der am 20. April in Wien präsentiert wurde. „Das vergangene Jahr war ein Jahr des Misstrauens“, so Püspök. Dies treffe vor allem auf den Finanzsektor zu, wo Banken und Anleger sich immer weniger auf Versprechungen von Finanzanbietern verlassen würden. Oikocredit stelle hier eine Ausnahme dar, wie die Zahlen von 2011 belegen würden, erklärte Püspök. „Wir erlebten ein kleines Wunder des Vertrauens. Und Vertrauen ist ja auch die Wurzel der Mikrokredite, die davon leben, dass in Menschen Vertrauen gesetzt wird.“ Mit Hilfe der Investorinnen und Investoren konnte Oikocredit Österreich zum Erfolg der internationalen Entwicklungsgenossenschaft beitragen, so der Vorsitzende.
Mit Jahresende 2011 veranlagten 2755 Personen mit einem Anteilskapital von 31,4 Millionen Euro in die Refinanzierung von Mikro- und Projektkrediten. „Im April dieses Jahres durften wir sogar unser 3000. Mitglied begrüßen und uns über ein Anteilskapital von 34 Millionen Euro freuen“, so Püspök. Im vergangenen Jahr seien die Einlagen um 27 Prozent gestiegen, durchschnittlich seien 11.381 Euro angelegt, drei bis fünf neue Anleger würde Oikocredit Österreich täglich gewinnen. Rechne man die aktuellen Zahlen auf die Durchschnittshöhe der Mikrokredite auf, refinanzieren allein die Österreicherinnen und Österreicher rund 50.000 KreditnehmerInnen in sogenannten Entwicklungsländern.

Als genossenschaftlich organisierter Verein unterstützt Oikocredit besonders kleine Kooperativen und investiert in Starthilfen für junge Initiativen. Rund ein Drittel der Oikocredit-Partner seien genossenschaftlich organisiert, darunter etwa Mikrofinanzinstitutionen (MFI), landwirtschaftliche Betriebe, Handel, Handwerk und Fischerei. 45.000 Anlegerinnen und Anleger weltweit geben derzeit Hilfe zur Selbsthilfe, das derzeitige Kreditportfolio betrage 520 Millionen Euro, erläutert Püspök. „Oikocredit bildet die genossenschaftliche Brücke von Nord nach Süd“, bringt es Püspök auf den Punkt.

„Ich habe gesehen, was 20 oder 50 Dollar für eine Familie in einem Entwicklungsland ändern können“, erklärt Fidon Mwombeki, Vorstandsvorsitzender von Oikocredit International, bei der Präsentation in Wien. Dem in Tansania geborenen Pfarrer und Generalsekretär der „Vereinten Evangelischen Mission“ in Deutschland ist es ein Anliegen, die nachhaltige Entwicklung in den sogenannten Entwicklungsländern zu fördern und gleichzeitig den Investorinnen und Investoren eine stabile Anlagemöglichkeit zu bieten. „Viele benachteiligte Menschen haben Ideen, wie sie ihr Leben verändern können, oft fehlt ihnen nur ein kleiner Kredit als finanzieller Anschub“, ist Mwombeki überzeugt. In Zusammenarbeit mit regionalen Partnern würde das Geld zielgenau verborgt werden. Bei jenen Fällen von Missbrauch, die in den vergangenen Monaten und Jahren für Schlagzeilen sorgten, hätte es sich nur um Einzelfälle gehandelt, erklärt der Vorstandsvorsitzende. „Diesen Anbietern ging es nur um Profit, die sind auf den fahrenden Zug aufgesprungen. Oikocredit arbeitet aber unter anderen Vorzeichen. Uns geht es um soziale Wirkung und wir beraten unsere Kundinnen und Kunden auch gewissenhafter“, ergänzt Günter Lenhart, stellvertretender Vorsitzender von Oikocredit Österreich.

Oikocredit ist in fast 80 Ländern aktiv, bietet Finanzierungen in fast 70 Ländern und unterhält ein Netzwerk von haupt- und ehrenamtlicher MitarbeiterInnen in 16 Ländern.

ISSN 2222-2464