Österreicher zu 30 Prozent “Religionskomponisten”

Langzeitstudie über Bedeutung von Religion im Leben der Österreicher – Symposion über “Zukunft der Religion – Rolle der Kirchen” in Wien

Wien, 05. Dezember 2001 (epd Ö) 30 Prozent der Österreicher können als „Religionskomponisten“ eingestuft werden. Sie stellen ihre Weltanschauung aus verschiedenen Bestandteilen wie christlicher Positionen, humanistischem, naturalistischem und fernöstlichem Gedankengut zusammen. Das geht aus der neuen Langzeitstudie „Religion im Leben der Österreicher 1970-2000“ unter der Federführung des Wiener Pastoraltheologen Prof. Paul Zulehner hervor. Die Ergebnisse dieser Studie stehen im Mittelpunkt eines Symposions „Zukunft der Religion – Rolle der Kirchen“ am 5./6. Dezember im Wiener kardinal-könig-haus, zu dem Prof. Zulehner 40 Fachleute aus Kirchen und Wissenschaft eingeladen hat. Die Langzeitstudie, die unter dem Titel „Religion im Leben der Menschen 1970-2000“ im „Schwaben“-Verlag erscheint, widmet sich den individuellen religiösen Anschauungen der Österreicherinnen und Österreicher ebenso wie deren institutionalisierter Kirchlichkeit. Ein eigener Abschnitt beschäftigt sich mit der Evangelischen Kirche.

Co-Autorin Regina Polak hat in der jüngsten Ausgabe der „Furche“ die wichtigsten Ergebnisse zusammenfasst. Weitere Weltanschauungsgruppen sind demnach die „Humanisten“ – ebenfalls 30 Prozent der Bevölkerung –, die mit Glaubensinhalten, welcher Herkunft auch immer, „wenig anfangen“ können. 27 Prozent sind Christen, die an Jesus Christus, das Reich Gottes und die Auferstehung glauben, 13 Prozent sind „Atheisierende“, die die Existenz Gottes negieren oder – so Polak – nichts von seiner Präsenz merken.

Die religionssoziologisch noch am wenigsten erforschte Gruppe sind laut der Assistentin am Wiener Institut für Pastoraltheologie die „Religionskomponisten“. Ob sie ihre Weltanschauung als Neu- oder Nachschöpfung, als „Kinderlied“, „Symphonie“, „Experimentalmusik“ oder als bloßes „Geräusch“ anlegen, sei vorläufig noch unbekannt.

Religion ist keine Privatsache

Die Auffassung „Religion ist Privatsache“ lässt sich nach Ansicht von Regina Polak auf Grund der vorliegenden Daten nicht aufrecht erhalten. Die religiösen Dimensionen der Weltanschauung hätten durchaus öffentlich sichtbare Folgen: So seien Menschen mit stark kirchengebundener Religiosität „in der Regel autoritärer, aber auch solidarischer als die weniger kirchennahen“. Auf dem Symposion in Wien werde es auch um die Fragen darüber gehen, wie die Politik der Religiosität der Menschen angemessen Relevanz verleihen kann bzw. was die Religionen für die Gesellschaft leisten.

30 Prozent “Intensivchristen”

Die Kirchlichkeit der Österreicher ist laut der Studie „differenzierter als gemeinhin angenommen“, so Polak. 56 Prozent seien „formale Kirchenmitglieder“, der Großteil davon „Sozialchristen“ (42 Prozent), die von der Kirche v. a. karitatives Engagement erwarten, der Rest „Ritualisten“, die die kirchlichen Rituale schätzen, das soziale Engagement der Kirchen jedoch ablehnen. Rund 30 Prozent der Österreicher zählen zur Gruppe der „Intensivchristen“ und damit zur „Stammklientel der Kirchen“. Als „dezidierte Nicht-Mitglieder“ seien lediglich 14 Prozent einzustufen.

ISSN 2222-2464