Österreich-Start der Initiative „Welches Land wollen wir sein?“

Knapp 100 Personen diskutierten dazu am 24. Jänner im Albert Schweitzer Haus in Wien. Viele Besucherinnen und Besucher schilderten ihre persönliche Erfahrung und Begegnung mit Flüchtlingen.
Knapp 100 Personen diskutierten dazu am 24. Jänner im Albert Schweitzer Haus in Wien. Viele Besucherinnen und Besucher schilderten ihre persönliche Erfahrung und Begegnung mit Flüchtlingen.

Anfang einer breiten öffentlichen Diskussion

Gallneukirchen/Wien (epdÖ) – Aufgrund der jüngsten Geschehnisse im Bereich der Flüchtlingsthematik als auch der Angriffe des islamistischen Terrorismus entstand in Deutschland die Initiative „Welches Land wollen wir sein?“. Nun fand diese auch ihren Weg nach Österreich. Knapp 100 Personen diskutierten dazu am 24. Jänner im Albert Schweitzer Haus in Wien. Viele Besucherinnen und Besucher schilderten ihre persönliche Erfahrung und Begegnung mit Flüchtlingen, die als sehr positiv empfunden wurde. Sie berichteten aber auch von den Herausforderungen und den Überforderungen der Zivilgesellschaft.

Moderiert von Margarethe Engelhardt-Krajanek gaben die Schauspielerin Katharina Stemberger und der Schriftsteller Ilija Trojanow Impulse für die Diskussion mit dem Publikum. Für Stemberger sind Solidarität, Krise und Hysterie die zentralen Begriffe in der Diskussion. Sie sprach sich für mehr Solidarität auf allen gesellschaftlichen Ebenen und gegen die zunehmende Hysterie aus. Trojanow stellte in Bezug auf den Titel der Veranstaltung die Frage, „welches Land wir eigentlich sind“, und beklagte den grundsätzlichen Mangel an Solidarität. Außerdem prangerte er die Kluft zwischen theoretischen Idealen und aktiver Handlung an. Was in der öffentlichen Diskussion eine „Krise“ ist, erlebt Trojanow als höchst willkürlich und nannte in diesem Zusammenhang den kürzlich veröffentlichten Oxfam-Bericht. Demzufolge besitzen 62 Menschen so viel wie 50 Prozent der Weltbevölkerung. Diese eklatante wirtschaftliche Ungleichverteilung löse beispielsweise in der öffentlichen Diskussion keine „Krise“ aus und sei gleichzeitig ein Grund für Migration.

Der Abend könne nur der Anfang einer breiten öffentlichen Diskussion für die Zukunft unseres Landes und unserer Gesellschaft sein, sind die Veranstalter überzeugt. Diesem Abend müssen in Kürze weitere folgen, so der einheitliche Tenor des Publikums.

Die Initiative, entstanden in Deutschland in Zusammenarbeit mit FUTURZWEI und adelphi,  fordert öffentliche Organisationen aus Kultur, Wissenschaft und Politik dazu auf, eine Plattform für eine konstruktive Gesellschaftsdebatte anzubieten, und diese somit vom Privaten (Haushalt, Chats etc.) in die Öffentlichkeit zu bringen – zeitgleich an möglichst vielen Orten.

ISSN 2222-2464