ÖRKÖ: Völkermord an den Armeniern anerkennen

Deportation von Armeniern in Erzurum. Historische Aufnahme von Viktor Pietschmann (Quelle: Wikimedia)
Deportation von Armeniern in Erzurum. Historische Aufnahme von Viktor Pietschmann (Quelle: Wikimedia)

Offener Brief des Vorstands des Ökumenischen Rats der Kirchen in Österreich an die Politik

Wien (epdÖ) – Mit dem Ersuchen, dass die Republik Österreich den Völkermord am armenischen Volk anerkennen und „damit dem Beispiel vieler anderer Staaten folgen möge“, hat sich der Vorstand des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) an Bundespräsident Heinz Fischer, Nationalratspräsidentin Doris Bures, Bundeskanzler Werner Faymann, Vizekanzler Reinhold Mitterlehner und Außenminister Sebastian Kurz gewandt. Die Briefe wurden vom Vorsitzenden des ÖRKÖ, dem evangelisch-methodistischen Superintendenten Lothar Pöll, und seinen beiden Stellvertretern, dem katholischen Diözesanbischof von Innsbruck, Manfred Scheuer, und dem evangelisch-lutherischen Bischof Michael Bünker, unterzeichnet. Anlass ist das am 24. April bevorstehende 100-Jahr-Gedenken des Beginns des Völkermords an den Armeniern „und anderen christlichen Gruppen“ im Osmanischen Reich.

Die Anerkennung dieses ersten Völkermords zu Beginn des 20. Jahrhunderts sei von österreichischer Seite „längst überfällig“, betont der ÖRKÖ-Vorstand und erinnert daran, dass der Österreicher Franz Werfel dieser Tragödie mit seinem Roman „Die 40 Tage des Musa Dagh“ ein bleibendes Denkmal gesetzt hat. Zudem verweist der ÖRKÖ-Vorstand auf die Stellungnahme der Vollversammlung des Weltkirchenrats von 1983: „Das Schweigen der Weltöffentlichkeit und bewusste Bemühungen, selbst historisch erwiesene Tatsachen abzuleugnen, stellen für das armenische Volk, die armenischen Kirchen und viele andere eine ständige Quelle des Schmerzes und der Verzweiflung dar“.

Eine offizielle Anerkennung des Völkermords, wie sie von vielen Staaten und Institutionen auf europäischer wie weltweiter Ebene bereits erfolgt ist, könnte ein Zeichen der Wiedergutmachung und Versöhnung bedeuten, so der ÖRKO-Vorstand: „Dies gilt umso mehr, als es in der Türkei von heute auf zivilgesellschaftlicher Basis deutliche Anzeichen der Bereitschaft gibt, das schreiende Unrecht der Ereignisse nach dem 24. April 1915 anzuerkennen und zu bedauern.“

Die Kirchen in Österreich werden am 24. April im Wiener Stephansdom bei einem ökumenischen Gottesdienst der Opfer des armenischen Völkermords, der Opfer der Christen der syrischen Tradition und der Opfer der griechischen Christen des Pontus und Ioniens gedenken, kündigt der ÖRKÖ-Vorstand in dem Brief an die führenden Repräsentanten der Republik an. Abschließend heißt es in dem Schreiben: „Wir verbinden dieses Gedenken mit dem innigen Wunsch, dass sich solche Vorgänge nie mehr – wo auch immer – ereignen mögen“.

ISSN 2222-2464