Ökumenischer Gottesdienst mit Nationalratsabgeordneten

Kardinal Schönborn, Bischof Bünker und Metropolit Kardamakis feiern mit Parlamentariern aller im Nationalrat vertretenen Parteien Gottesdienst. Foto: epd/Uschmann
Kardinal Schönborn, Bischof Bünker und Metropolit Kardamakis feiern mit Parlamentariern aller im Nationalrat vertretenen Parteien Gottesdienst. Foto: epd/Uschmann

Schönborn, Bünker und Kardamakis feierten mit Parlamentariern

Wien (epdÖ) – Novum für Kirchen und Politik in Österreich: Erstmals haben Nationalratsabgeordnete aller sechs Parlamentsfraktionen an einem offiziellen ökumenischen Gottesdienst anlässlich der neuen Gesetzgebungsperiode teilgenommen. Den Gottesdienst gestalteten der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz, Kardinal Christoph Schönborn, der Vorsitzende der orthodoxen Bischofskonferenz, Metropolit Arsenios Kardamakis, und der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker, der auch die Predigt hielt. 25 Abgeordnete aus allen Parteien hatten sich zur ökumenischen Feier angemeldet, die am Montagabend, 28. April, in der Wiener Hofburgkapelle unweit des Parlaments stattfand.

Kardinal Schönborn zeigte sich erfreut über diese Premiere. „Danke für dieses Zeichen der Eintracht“, so Schönborn wörtlich. Eine stabile gesellschaftliche Ordnung, soziale Gerechtigkeit und gegenseitiger Respekt seien Voraussetzung für den Frieden. „Den Frieden zu erhalten, ist die wichtigste Aufgabe der Politik“, sagte der Kardinal zu Beginn des Gottesdienstes. Freiheit, Eintracht und Wohlergehen zu ermöglichen sei die Kunst der Politik.

Es sei „für die Kirchen von alters her üblich, Menschen, die das politische Geschäft übernehmen und sich in den Dienst des Allgemeinen stellen, ins Gebet zu nehmen“, betonte Bischof Bünker in seiner Predigt über eine Stelle aus dem 1. Korintherbrief. Den Kirchen sei es nicht egal, welche Entscheidungen Politiker treffen oder auch nicht treffen. Besonders „neuralgische Punkte“ sind dabei aus Sicht der Kirchen die Themenbereiche Bildung, Soziales und Migration. Wenn sich Kirchen, ihre Einrichtungen und Religionsgemeinschaften zu diesen Fragen äußern, „überschreiten sie nicht die Grenze der Trennung von Staat und Kirche. Sie tun es aber im Interesse der Menschen, das uns ja verbindet und Religion und Politik verbindet.“

Ausgehend vom Korintherbrief des Apostel Paulus erinnerte der evangelische Bischof an die „vielfaltsfreundliche Gemeinde“. Begabungen seien dazu da, „allen zu nutzen, in erster Linie nicht sich selbst und nicht den eigenen, sondern den anderen“. Begabungen seien Gnadengaben, die im Griechischen mit „Charisma“ übersetzt werden, einem für den politischen Menschen wichtigen Begriff, mit dem sich schon der bedeutende Gelehrte Max Weber auseinandersetzte. Nur mit Verantwortungsgefühl, Leidenschaft und Augenmaß „lassen sich beharrlich und kräftig diese harten Bretter bohren, die nach Max Weber Politik bedeuten“. Dies sei „nur auf einer guten und vertrauensvollen ethischen Basis möglich, nur mit einer Festigkeit des Herzens“, meinte Bünker mit Verweis auf Weber. Mit je unterschiedlichen Aufgaben und Gaben sei es „die gemeinsame Herausforderung, in unseren Wirkungsbereichen immer wieder damit zu beginnen, dass Frieden zwischen den Menschen herrscht, dass Gerechtigkeit geübt wird und dass Gottes gute Schöpfung bewahrt wird“, schloss Bischof Bünker seine Predigt.

Kardinal Schönborn, Metropolit Kardamakis und Bischof Bünker spendeten gemeinsam den Segen am Ende des Gottesdienstes, für dessen musikalische Gestaltung Erwin Ortner verantwortlich zeichnete. Die Initiative zum ökumenischen Gottesdienst mit den Parlamentariern war vom Generalsekretär der Bischofskonferenz, Peter Schipka, ausgegangen. Obwohl die konstituierende Sitzung des Nationalrats bereits am 29. Oktober 2013 erfolgte, war ein früherer Termin für den Gottesdienst nicht möglich. Aufgrund des Wahlergebnisses sind derzeit sechs Fraktionen mit insgesamt 183 MandatarInnen im Parlament vertreten: SPÖ (52), ÖVP (47), FPÖ (40), die Grünen (24), die Liste Stronach (11) und die NEOS (9).

ISSN 2222-2464