Ökumenischer Empfang in Wien

Schönborn: Kirchen müssen in Gesellschaft gemeinsam auftreten – Sturm: Ökumenischer Geist nicht auf nationale Grenzen zu beschränken

Wien, 28. Jänner 2004 (epd Ö) Die gemeinsame Verantwortung der christlichen Kirchen in der Diskussion um die neue österreichische Verfassung unterstrich Kardinal Christoph Schönborn am Montagabend beim traditionellen ökumenischen Empfang im Wiener Erzbischöflichen Palais. Der Wiener Erzbischof würdigte in diesem Zusammenhang das geschlossene Auftreten der Kirchen beim Hearing vor dem Österreich-Konvent. Es sei nicht „Taktik“, sondern geistliche Verpflichtung, diesen Weg gemeinsam weiterzugehen. Ohne ihre konfessionelle Identität aufzugeben, müssten die Christen „gemeinsame Zeugnisse der Hoffnung“ geben. Kardinal Schönborn äußerte die Erwartung, dass die Kirchen auch in Zukunft bei schwierigen Fragen wie beispielsweise der Bioethik oder dem Generationenvertrag verstärkt gemeinsam auftreten werden.

„Es ist schön zu erleben, dass sich der ökumenische Geist nicht auf die nationalen Grenzen beschränken lässt“, sagte der evangelisch-lutherische Bischof und stellvertretende Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ), Herwig Sturm. Die Zusammenarbeit mit Vertretern der christlichen Kirchen aus den Nachbarländern laufe bereits sehr erfolgreich an, müsse aber in Zukunft noch ausgebaut werden. Konkret erinnerten Sturm und ÖRKÖ-Vorsitzende Christine Gleixner an die Begegnung mit den Ökumenischen Räten aus den Nachbarländern anlässlich der Präsentation des Sozialwortes im Vorjahr.

Bünker: Gemeinsam für eine pluralismusoffene Bildung

Inhaltlicher Schwerpunkt des diesjährigen Empfangs waren die ökumenischen Kooperationen im Schulwesen. Die positiven Erfahrungen mit dem konfessionell kooperativen Religionsunterricht zeigen, dass im notwendigen Zusammenspiel von Identitätsbildung und Begegnung pluralismusoffene Bildung möglich werde, unterstrich der evangelische Oberkirchenrat Michael Bünker und würdigte den hohen persönlichen Einsatz der Religionslehrerinnen und Religionslehrer. Vom „europaweit einzigartigen“ Konzept einer Initiative zur ganzheitlichen Begabtenförderung berichtete die Leiterin des Schulamtes der Erzdiözese Wien, Christine Mann. Zusammenfassend meinte Bünker, die Zusammenarbeit der beiden Kirchen im Schulbereich habe sich fest etabliert, „weil wir uns einfach nicht mehr gegeneinander ausspielen lassen wollen“.

Eine positive Bilanz zum Jahr der Bibel zogen die Direktorin der Österreichischen Bibelgesellschaft, Jutta Henner, und der Direktor des Katholischen Bibelwerks, Wolfgang Schwarz. Henner erinnerte an den bundesweiten SchülerInnenwettbewerb, Schwarz berichtete vom Erfolg der Ausstellung „Die Bibel erleben“.

„Es ist ein Wort, das für Diskussionen sorgt und im Gespräch bleiben soll“, sagte Diakoniedirektor Michael Chalupka zu dem vor rund zwei Monaten präsentierten Sozialwort, das in Österreich und auch international auf großes Echo gestoßen sei. Derzeit werde es in verschiedene Sprachen übersetzt. Am 1. Adventsonntag 2004 wollen die Kirchen eine kritische Auswertung der Rezeption des Sozialwortes präsentieren, kündigte der Leiter der katholischen Sozialakademie, Alois Riedlsperger, an.

ISSN 2222-2464