Ökumenische Sommerakademie: Bekenntnisse gegen Sterbehilfe

Die 14. Ökumenische Sommerakademie fand dieses Jahr im Benediktinerstift Kremsmünster statt. Foto: Jan Sokol/Wikimedia
Die 14. Ökumenische Sommerakademie fand dieses Jahr im Benediktinerstift Kremsmünster statt. Foto: Jan Sokol/Wikimedia

Bünker: Das Recht auf Leben ist kein Zwang – du darfst leben

Linz (epdÖ) – Unter dem Motto „Des Menschen Leben ist wie Gras. Tabu Lebensende“ stand heuer die 14. Ökumenische Sommerakademie im oberösterreichischen Benediktinerstift Kremsmünster vom 11. bis 13. Juli. Bischof Michael Bünker betonte die Verpflichtung für die Kirchen, ihre Stimme zu erheben, wenn rechtliche Barrieren zum Schutz des Lebens in Gefahr seien. Die Kirchen müssten sich für ein gesellschaftliches Klima einsetzen, das ein „erfülltes Leben für alle in der Gesellschaft“ anstrebt, „auch für jene, die dem Tod nahe sind“, so Bünker. Es brauche das öffentliche kirchliche Auftreten für genügend wirtschaftliche Ressourcen, um in den Spitälern und Hospizen für jene, die mit dem Tod ringen, die bestmögliche Pflege zu gewährleisten. „Das Recht auf Leben ist kein Zwang – du darfst leben“. So fasst der Bischof die Position der Evangelischen Kirche in Österreich zur Thematik der Sterbehilfe zusammen. Verbunden damit ist: Nicht um jeden Preis müsse Leben erhalten oder verlängert werden. Sterben auf Verlangen werde in der Evangelischen Kirche jedoch entschieden abgelehnt. „Sich als fürsorgend für Sterbende zu erweisen“ ist für den Innsbrucker Diözesanbischof Manfred Scheuer ein Weitergeben dessen, „was wir von Gott her empfangen“. Er machte bei der Sommerakademie auch auf das leise Sterben der Hungernden im westlichen Afrika aufmerksam. Es sei schwer, dafür öffentliche Aufmerksamkeit zu bekommen.

Die christlichen Kirchen haben in ihrem ökumenischen Sozialwort die Achtung, Geborgenheit und Fürsorge des Menschen am Lebensende festgehalten, betonte Bischof Bünker. Als stellvertretender Vorsitzender des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich wolle er allen in Palliativpflege und Palliativmedizin tätigen Menschen einen großen Dank für ihren Einsatz aussprechen.

Sterbehilfe ist entschieden abzulehnen

Eröffnet wurde die diesjährige Ökumenische Sommerakademie mit Bekenntnissen zu Palliativmedizin und Palliativpflege und gegen die aktive Sterbehilfe. „Sterbehilfe ist entschieden abzulehnen, da der Mensch niemals der Versuchung erliegen darf, sich an Gottes Stelle zu setzen“, sagte Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer in seinen Begrüßungs-worten: „Dagegen muss ein ausreichendes palliatives Angebot Schwerpunkt der Gesundheitspolitik sein. In der Begleitung und Betreuung wird den schwerkranken und sterbenden Menschen und ihren Angehörigen auf körperlicher, seelischer und sozialer Ebene begegnet.“ Finanzielle Gründe für ein Aufweichen dieses Grundsatzes lasse er nicht gelten, so Pühringer.

„Leben lernen bedeutet auch sterben lernen“, formulierte Abt Ambros Ebhart vom Stift Kremsmünster. Und Rektor Ewald Volgger von der Katholisch-Theologischen Privatuniversität Linz stellte die Frage in den Raum: „Wer setzt wann und wo ethisch verantwortbare Grenzen in Bezug auf das Sterben?“

Dass der Tod eine zerstörerische Seite habe, aber auch ein integraler Bestandteil des menschlichen Lebens sei, erklärte der evangelische Superintendent von Oberösterreich Gerold Lehner: Franz von Assisi habe beispielsweise den Tod als Freund und Bruder gesehen, „der ein erfülltes Leben umschließt“. Doch es gebe auch „den grausamen Tod, der das Leben beendet, noch ehe es die Möglichkeit hatte, sich zu entfalten“.

Sterblichkeit zu bedenken sei nicht lebensverneinend, konstatierte der Linzer Diözesanbischof Ludwig Schwarz: „Viele Menschen weichen dem Gedanken an das Lebensende aus, wer sich aber mit diesen Tatsachen nicht versöhnt, der blendet wesentliche Teile des Lebens aus.“ Die Begrenztheit des Lebens sei zu akzeptieren.

Kontroverse um Ausnahmen vom Tötungsverbot

Der Strafrechtler und Rechtsphilosoph Prof. Reinhard Merkel aus Hamburg und die Wiener Moraltheologin Prof. Sigrid Müller eröffneten mit ihren Vorträgen die kontroverse Auseinandersetzung in der Sommerakademie. Merkel trat für eine differenzierte Sichtweise des Verbots der direkten aktiven Sterbehilfe ein. Er plädierte dafür, dass das Verbot in Extremfällen nicht immer rechtlich haltbar und daher unter bestimmten Voraussetzungen aufzuheben sei.

Müller plädierte hingegen entschieden für eine Beibehaltung der geltenden Regelungen. „Was passiert mit den Menschen, die mit der Tatsache umgehen müssen: Ich muss töten?“, fragte Müller und wies darauf hin, dass nicht nur eine Handlung als richtig und falsch beschrieben werden müsse, sondern dass ein konkreter Mensch dahinterstehe. „Ich wehre mich dagegen, das Tabu der Tötungserlaubnis zu durchbrechen. Ich möchte aber das Sterben nicht tabuisieren“, so Müller.

Bestbesuchte Sommerakademie

Mit fast 500 TeilnehmerInnen im Lauf der drei Tage war die 14. Ökumenische Sommerakademie die bisher bestbesuchte. Veranstaltet wurde die Sommerakademie von der Katholisch-Theologischen Privatuniversität Linz, dem Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich, dem Evangelischen Bildungswerk Oberösterreich, der Linzer KirchenZeitung, dem Stift Kremsmünster, den Religionsabteilungen des ORF in Fernsehen und Hörfunk und dem Land Oberösterreich.Die 14. Ökumenische Sommerakademie fand dieses Jahr im Benediktinerstift Kremsmünster statt. Foto: Jan Sokol/Wikimedia

ISSN 2222-2464