Ökumenische Rückbesinnung auf christliche Wurzeln im Judentum

Rund 120 Menschen folgten dem Aufruf zur "Einstimmung in den Tag des Judentums" nach Wien-Ottakring. Foto: Elisabeth Lutter.
Rund 120 Menschen folgten dem Aufruf zur "Einstimmung in den Tag des Judentums" nach Wien-Ottakring. Foto: Elisabeth Lutter.

Serbisch-orthodoxer Bischof Cilerdzic: „Abgrenzung“ dringend beenden

Wien (epdÖ) – Zum gemeinsamen vertieften Dialog zwischen Christen und Juden hat der serbisch-orthodoxe Bischof Andrej Cilerdzic aufgerufen: „Unsere christliche Identität ist unlösbar mit dem jüdischen Volk und seinen Traditionen verbunden“, so der Bischof wörtlich in seiner Predigt am Donnerstag, 17. Jänner, beim offiziellen Gottesdienst des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) zum „Tag des Judentums“.

An dem Gottesdienst in der katholischen Kirche Am Tabor in Wien-Leopoldstadt nahmen u.a. der ÖRKÖ-Vorsitzende und reformierte Landessuperintendent Thomas Hennefeld, der altkatholische Bischof Heinz Lederleitner, die methodistische Pastorin Esther Handschin und der römisch-katholische Dechant und Ortspfarrer Ferenc Simon teil.

Der Abend des gemeinsamen Gebetes von Juden und Christen weise auf die dringliche Beendigung wechselseitiger institutioneller Abgrenzung hin, so Bischof Andrej in seiner Predigt, „auch wenn an manchen Orten erstarkende Verteidigungen von eigenen institutionalisierten Identitäten und Traditionen vermutlich bestehen bleiben werden“.

Die Dynamik der heutigen religiösen Pluralität und der Beziehungen zwischen unterschiedlichen Religionsgemeinschaften gehören zu den entscheidenden Herausforderungen, der sich sowohl Juden als auch Christen des 21. Jahrhunderts stellen müssen, erklärte Bischof Andrej weiter. Viele Menschen fragten sich, ob es immer noch zutreffe, „dass wir in einer derartigen säkularen Welt leben, in der die Religion aus dem öffentlichen Raum verschwunden ist, oder als entscheidender Bezugsrahmen für individuelle und gemeinschaftliche Identität wieder zurück gekehrt ist“. Heute suchten wieder mehr Menschen nach Sinn für ihr Leben und nach Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft.

„Einstimmung“ bereits am Vorabend

Bereits am Vorabend hatte sich in Wien-Ottakring eine „Einstimmung in den Tag des Judentums“ der jüdischen Vergangenheit der Stadt, insbesondere der 1938 zerstörten Ottakringer Synagoge (Huber-Tempel) sowie der jüdischen Unternehmerfamilie Kuffner gewidmet. Der Huber-Tempel war eine von mehreren Synagogen in den Wiener Außenbezirken. Er wurde 1885/86 errichtet und bei der Pogromnacht im November 1938 zerstört. 1970 wurden die Ruinen der Synagoge abgetragen und ein Wohnhaus errichtet. Im November 2011 wurde schließlich an der Fassade des danach errichteten Hauses in der Hubergasse 8 eine Gedenktafel angebracht, die an den Huber-Tempel erinnert.

Martin Jäggle, Präsident des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit, sagte, dass die Dämonisierung und Entrechtung der jüdischen Bevölkerung deren Ausschluss aus dem gesellschaftlichen Leben in der Nazizeit gesichert und ihnen das Recht auf Leben genommen habe. „Als es notwendig war, gab es zu wenig Gerechte, aber mehr, als wir wissen. Ihrer soll auch gedacht werden.“ Das gesellschaftliche und kirchliche Paradigma sei damals der Ausschluss der Anderen gewesen.

Zum Tag des Judentums

Der Ökumenische Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) hat im Jahr 2000 den 17. Jänner als besonderen Gedenktag („Tag des Judentums“) im Kirchenjahr eingeführt. Dabei sollen sich die Christen in besonderer Weise ihrer Wurzeln im Judentum und ihrer Weggemeinschaft mit dem Judentum bewusst werden. Zugleich soll auch das Unrecht an jüdischen Menschen und ihrem Glauben in der Geschichte thematisiert werden.

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ISSN 2222-2464