Ökumene: Reiner fordert „konkrete nächste Schritte“

Oberkirchenrätin Hannelore Reiner wünscht sich "konkrete nächste Schritte" in der Ökumene.
Oberkirchenrätin Hannelore Reiner wünscht sich "konkrete nächste Schritte" in der Ökumene.

Die Oberkirchenrätin auf dem Kardinal-König-Symposion: „Wir könnten viel öfter gemeinsam feiern und beten“

Salzburg, 8. Juni 2011 (epdÖ) „Konkrete nächste Schritte“ in der Ökumene in Österreich wünscht sich die lutherische Oberkirchenrätin Hannelore Reiner. In einem Vortrag beim 3. Salzburger Kardinal-König-Symposion Ende Mai im Salzburger Bildungszentrum St. Virgil nannte Reiner die Zulassung der evangelischen Ehepartner zur Kommunion bei der katholischen Messfeier, die gegenseitige Anerkennung der Taufe durch alle Mitgliedskirchen des Ökumenischen Rates, die Intensivierung der Ökumene an der Basis – „wir könnten viel öfter gemeinsam feiern und beten“ – sowie die Schaffung eines „Frauen-Netzwerkes“ in den Kirchen. Die Oberkirchenrätin erinnerte daran, dass die Ökumene eigentlich im Widerstand gegen das totalitäre NS-Regime angefangen hatte; heute seien die Kirchen angesichts der Herausforderung durch den Prozess der Säkularisierung aufgerufen, „mit einer Stimme“ zu sprechen.

Die beiden jungen Theologinnen Karin Jungreithmayer (evangelisch) und Regina Augustin (römisch-katholisch) schilderten, wie gerade auch kirchenferne junge Leute im Alltag – etwa bei Eheschließungen – an die immer noch bestehenden Konfessionsgrenzen stießen. Das Nichtwissen über Gemeinsamkeiten und Unterschiede der christlichen Kirchen erzeuge Unsicherheit. Die beiden Theologinnen plädierten auch dafür, das Thema Ökumene sowohl in alle Bereiche des Gemeindelebens als auch in alle theologischen Fachbereiche zu integrieren: „Einheit ist lebbar.“

Krätzl: „De facto gilt der Papst als Sprecher der ganzen Christenheit“

Als „Wünsche“ für die Zukunft nannte der emeritierte Wiener Weihbischof Helmut Krätzl u.a. eine Neubewertung der „eucharistischen Gastfreundschaft“ namentlich für die konfessionsverbindenden Ehen und einen „Austausch der Spiritualitäten“. Er sprach sich auch aus für eine Orientierung am Modell des „differenzierten Konsenses“ wie bei der gemeinsamen katholisch-lutherischen Erklärung über die Rechtfertigungslehre und für eine neue Sicht des Petrusdienstes: „De facto wird der Papst schon jetzt als Sprecher der ganzen Christenheit betrachtet.“ Der rumänisch-orthodoxe Metropolit Serafim Joanta betonte, heute gehe es darum, im Klima der Freiheit das zu tun, was die Märtyrer in totalitären Regimen getan hätten, nämlich „gemeinsam umzukehren zu den Wurzeln des Glaubens“.

„Ökumene ist kein Hobby, sondern ein Auftrag Jesu“, sagte der Salzburger Kirchenhistoriker Dietmar Winkler, der die Veranstaltung moderierte. Winkler verwies darauf, dass wichtige ökumenische Dokumente wie etwa die „Charta Oecumenica“ von 2001 in den Kirchen noch nicht rezipiert seien.

ISSN 2222-2464