Oberkirchenrat Schiefermair: Thema Zwangsprostitution enttabuisieren

Zum „EU-Anti-Trafficking-Tag“ am 18. Oktober fordert der evangelische Oberkirchenrat entschiedenere Maßnahmen gegen Zwangsprostitution vor allem an der österreichisch-tschechischen Grenze

Wien (epd Ö) – „Noch immer findet in Österreich im Verborgenen Menschenhandel statt. Kriminelle Organisationen verdienen Riesensummen an ausgebeuteten Frauen und Kindern, die in sklavenähnlichen Zuständen leben müssen.“ Anlässlich des „EU-Anti-Trafficking-Tags“ am 18. Oktober hat der evangelisch-lutherische Oberkirchenrat Karl Schiefermair entschiedenere Maßnahmen gegen Zwangsprostitution gefordert.

Besonders dramatisch sei die Situation in der österreichisch-tschechischen Grenzregion: „Immer noch werden hier Frauen misshandelt, vergewaltigt und zur Prostitution gezwungen“, sagt Schiefermair im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd Ö). Täter und Profiteure seien vor allem Männer „bis in die höchsten Schichten der Gesellschaft“. Schiefermair, Mitglied der evangelisch-lutherischen Kirchenleitung, erinnert an die Resolution der Generalsynode vom November 2008. Darin haben die österreichischen, deutschen und tschechischen evangelischen Kirchen auf das „Elend der Frauen und Kinder, die vom organisierten Verbrechen in die Sex-Industrie geschleust werden“, hingewiesen. Der zweite nationale Aktionsplan zur Bekämpfung des Menschenhandels, den die Bundesregierung am 26. Mai angenommen hat, wird von Schiefermair begrüßt, dennoch werde „viel zu wenig“ getan. So habe es im vergangenen Jahr „nur zwei Verurteilungen gegen Menschenhandel“ gegeben.

Dringend notwendig sei eine weitere Sensibilisierung der Gesellschaft und auch der Pfarrgemeinden an der Grenze zu Tschechien und der Slowakei. Das Thema Zwangsprostitution gehöre in den Kirchen „enttabuisiert“, meint Schiefermair. Die evangelische Kirche bemühe sich in ihren Gremien, Bildungsinstitutionen und der Frauenarbeit um verstärkte Information und Sensibilisierung. Durch Gemeindepartnerschaften nach Tschechien und der Slowakei soll auch „vertrauensvolle Zusammenarbeit“ erprobt werden, kündigt der Oberkirchenrat an.

ISSN 2222-2464