Oberkirchenrätin Hannelore Reiner feierlich verabschiedet

Bischof Michael Bünker dankt Oberkirchenrätin Hannelore Reiner, die als erste Frau in das gesamtösterreichischen Leitungsgremium gewählt wurde und seit 15 Jahren den Personalbereich verantwortet. Foto: epdÖ/Uschmann
Bischof Michael Bünker dankt Oberkirchenrätin Hannelore Reiner, die als erste Frau in das gesamtösterreichischen Leitungsgremium gewählt wurde und seit 15 Jahren den Personalbereich verantwortet. Foto: epdÖ/Uschmann

15 Jahre Personalreferentin – „Aufrichtig und aufrichtend“

Wien (epdÖ) – Nach ihrer 15-jährigen Tätigkeit im Personalreferat ist Oberkirchenrätin Hannelore Reiner in einer Vesper durch Bischof Michael Bünker am Freitagabend, 26. Juni, feierlich von ihrem Leitungsamt entpflichtet worden. Reiner tritt mit 31. August in den Ruhestand und wird auf eigenen Wunsch hin in ihrer Pension eine Pfarrgemeinde in Oberösterreich betreuen. Bischof Bünker, der gemeinsam mit Oberkirchenrätin Reiner in dem Gottesdienst predigte, würdigte die scheidende Personalchefin als „immer offene, aufrichtige und deshalb aufrichtende Gesprächspartnerin“, der das Wohl der Pfarrgemeinden besonders wichtig sei, und dankte „für all die Begabungen und Kraft“, die Reiner der Kirche geschenkt und sie dadurch mitgeprägt habe.

In seiner Laudatio beschrieb Ministerialrat Karl Schwarz die zahlreichen Lebensstationen der späteren Oberkirchenrätin – Reiner selbst hatte bereits in der Vesper die 17 Umzüge erwähnt, die ihr berufliches Leben begleitet hatten. Als „Kind des oberösterreichischen Protestantismus“ habe Reiner nach einer kaufmännischen Ausbildung im Buchhandel die Salzburger Missionsschule besucht, einige Jahre in Kärnten als Religionslehrerin und Gemeindeschwester gewirkt, bevor sie dann in Wien Theologie studierte und schließlich als promovierte Pfarrerin im oberösterreichischen Timelkam tätig war. 1999 wurde sie zur Oberkirchenrätin für Personalfragen gewählt, ihr Amt trat sie am 1. September 2000 an. Ein Amt, das sie „immer mit Bravour, Weisheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Besonnenheit“ ausgeübt und sich dabei als „verlässliche Anlaufstelle für Studierende, LehrvikarInnen und AmtsträgerInnen“ erwiesen habe, so Schwarz. Der Ministerialrat erinnerte auch daran, dass Reiner eine Ehrung der Republik Österreich mit dem Großen Goldenen Ehrenzeichen im Vorfeld abgelehnt habe.

Reiner war die erste Frau im gesamtösterreichischen Leitungsgremium des Oberkirchenrates. Synodenpräsident Peter Krömer unterstrich, dass bei der Wahl 1999 Reiner als „bestmöglich qualifizierte Person, unabhängig ob Mann oder Frau“ gleich im ersten Wahlgang die nötige Mehrheit auf sich vereinen konnte. Die Evangelische Kirche könne stolz auf Hannelore Reiner sein, die weit über Österreich hinaus etwa durch ihre Tätigkeit in Leitungsgremien der Konferenz Europäischer Kirchen mit ihrem exzellenten Ruf als Theologin und Oberkirchenrätin eine beeindruckende „Visitenkarte“ abgegeben habe. Als „große Leistung“ bezeichnete Krömer auch die Entwicklung des gesamtösterreichischen Stellenplans und die Tatsache, dass dieser eingehalten werde.

Das an die Vesper anschließende Fest im Garten des Evangelischen Zentrums, durch das Bischof Bünker und Oberkirchenrätin Gerhild Herrgesell führten, war geprägt von zahlreichen Danksagungen an die scheidende Oberkirchenrätin. Elisabeth Pausz von der MitarbeiterInnenvertretung des Kirchenamtes dankte für die „gute Kommunikation im Haus“, Reiners Gerechtigkeitsempfinden und Einsatz für Gleichstellung ebenso wie ihre Energie, Konflikten nicht aus dem Weg zu gehen. Im Namen der Superintendenten würdigte Paul Weiland Reiners Kooperation beim gemeinsamen Bewältigen von Aufgaben im schwierigen Bereich der Personalagenden. Durch Reiners Bereitschaft, Themen „genau zu hinterfragen und gemeinsam zu besprechen“, sei dies immer „gut gelungen“. Für die Evangelische Frauenarbeit drückte Direktorin Barbara Heyse-Schaefer den Dank aus. Reiner habe diese Arbeit jahrelang „gut begleitet“.

Die wichtige Rolle von Frauen in Kirchenleitungen hob der methodistische Superintendent Lothar Pöll hervor: „Ich wünsche mir, dass die Ökumene viel weiblicher wird“, sagte der Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) und hob Reiners ökumenisches Engagement hervor, das sie in vielen Bereichen gezeigt habe, etwa im ÖRKO, der Telefonseelsorge, der Krankenhausseelsorge oder im Eintreten für den freien Sonntag. Der reformierte Landessuperintendent Thomas Hennefeld betonte, dass Reiner für die Anliegen der Evangelischen Kirche H.B. immer „viel Verständnis“ gefunden habe. Zum Dank wolle die reformierte Kirche Reiner ein silbernes Hugenottenkreuz überreichen.

Das Personalreferat in einem Unternehmen sei oft ein Schleudersitz, „es liegt an dir, dass es mit dir und deinen Aufgaben 15 Jahre so gut gegangen ist“, erklärte die frühere Superintendentin der Diözese Salzburg/Tirol, Luise Müller. „Wir sind bereits jenseits der Phase, wo staunend wahrgenommen wird, dass Frauen führen können.“ Dennoch, so die frühere Superintendentin, „mussten du und ich als Pfarrerinnen in Leitungsämtern und Pionierinnen unseren eigenen Weg finden“. Reiner habe dabei „immer hingehört“, sich als gesprächsbereit erwiesen, plausible Entscheidungen mitgetragen und auch andere Meinungen gelten lassen. Müller: „Du bist nie im Tunnel der anstehenden Probleme festgesteckt, sondern hast immer den Blick hinaus in den weiten Horizont gewagt.“

Oberkirchenrätin Hannelore Reiner dankte allen Wegbegleiterinnen und Wegbegleitern auf den verschiedenen Ebenen für ihre Unterstützung: „Ohne euch war diese Aufgabe nicht zu bewältigen.“ Besonders bedankte sich Reiner bei ihrer Familie, die ebenfalls mitfeierte, für die Hilfe, „15 Jahre Wochenendbeziehung gut zu überstehen“. Der Abend war auch reich an Überraschungen: Die Rektorin des Predigerseminars Johanna Uljas-Lutz überreichte Reiner etwa einen Band mit Andachten, die AmtsträgerInnen verfasst hatten. Lisa Lehner begeisterte mit einer Feuershow, und die Mitglieder des Oberkirchenrates brachten eine „Amtsblattschicksalsoperette“ dar, ein kurzes Kabarettstück, bestehend ausschließlich aus Textstücken von Stellenausschreibungen im Amtsblatt. Musikalisch umrahmt wurde das Fest durch Oberkirchenrat Karl Schiefermair an der Gitarre und Robin Jisa am Akkordeon, die eigens für diesen Anlass umgetextete Wienerlied-Klassiker darboten.

Bildergalerie zur Verabschiedung auf: foto.evang.at

ISSN 2222-2464