Norman Tendis über nachhaltiges Investment der Kirchen

Pfarrer Norman Tendis sieht "islamic banking" als Herausforderung für Kirchen. Foto: Marcelo Schneider/WCC
Pfarrer Norman Tendis sieht "islamic banking" als Herausforderung für Kirchen. Foto: Marcelo Schneider/WCC

Kärntner Pfarrer auf UN-Einladung in der Schweiz

Villach/Baar (epdÖ) – Der Kärntner Pfarrer und Verantwortliche für das kirchliche Projekt „Wirtschaft im Dienst des Lebens“ (WIDL) Norman Tendis, hat auf Einladung des UN-Umwelt-Programms UNEP als Vertreter des Ökumenischen Rats der Kirchen (WCC) an einem Expertengipfel im Schweizer Baar teilgenommen. Bei einer Diskussionsveranstaltung im Rahmen der Tagung Ende April präsentierte Tendis das Programm NIFEA („Neue internationale Finanz- und Wirtschaftsarchitektur“) des Ökumenischen Rats der Kirchen und stellte den neuen Nachhaltigkeitsleitfaden der Evangelischen Kirche A.u.H.B. vor. Im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst betonte Tendis die Rolle, die Österreich im WCC in Sachen Nachhaltigkeit spielt: „In Österreich ist eine überarbeitete Fassung von dem Entwurf des Leitfadens, den wir mit Wirtschaft im Dienst des Lebens erarbeitet haben, inzwischen der offizielle Nachhaltigkeitsleitfaden unserer Kirche geworden. Beim Weltkirchenrat hat der Erstentwurf einige internationale Feedbackschleifen durchlaufen und hat noch eine ganz andere Form bekommen.“ Er werde nun als Teil des Begleitprogramms für NIFEA implementiert. Das Programm soll laut Angaben des WCC „die gegenwärtige, unregulierte Marktwirtschaft und die ungerechten Finanzstrukturen durch eine Wirtschaft des Lebens ersetzen, in der Gottes gesamte Schöpfung wertgeschätzt wird.“

Bei dem Gipfel in der Schweiz diskutierten Fachleute und VertreterInnen der Industrie, wie sie die von den Vereinten Nationen gesetzten Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals, SDGs) und die Vorgaben des Pariser Klimaabkommens erreichen könnten. Einen Aspekt der Debatte bildete dabei die Frage nachhaltiger Finanzinvestments. Dazu Tendis: „Für mich persönlich war es spannend, wie sich die Investment-Guidelines der Kirchen von einem negativen Ausschlussverfahren, z.B. nicht in Waffen und Pornografie zu investieren, inzwischen verlagert haben zu dem Gedanken: Wo wollen wir, dass unsere Investitionen einen positiven Einfluss in unserer Welt haben.“ Gleichzeitig sieht der Pfarrer hier sowohl auf der internationalen Ebene als auch für Österreich noch viel Potential, „genauso wie in den vielen alternativen Finanzdienstleistungsmodellen, die man als Gemeinde und Kirche selbst praktizieren kann.“ Er sei auch sehr gespannt darauf, welche Antworten die Kirchen auf die Praxis eines islamischen Bankwesens geben könnten, das im Rahmen des Gipfels ebenfalls vorgestellt wurde.

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ISSN 2222-2464