NÖ: Evangelische Kirche feierte Jubiläen auf der Schallaburg

60 Jahre selbständige Diözese und 450 Jahre Protestantismus in Niederösterreich – Weiland: Auf gutem Weg des Miteinanders weitergehen – Pröll: Mahnende Geschichte

St. Pölten (epd Ö) – Über 1000 Menschen haben am Sonntag, 23. September, auf der Schallaburg das zweifache Jubiläum der Evangelischen Kirche in Niederösterreich mitgefeiert. Seit 60 Jahren besteht die selbständige Diözese Niederösterreich, die Wurzeln des Protestantismus in Niederösterreich reichen 450 Jahre zurück.

 

Beim Festtag, zu dem der niederösterreichische Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll gemeinsam mit dem lutherischen Superintendenten Mag. Paul Weiland eingeladen hatte, wurde mehrfach das „gute Miteinander“ zwischen Kirche und Land betont. „Auf diesem Weg wollen wir weitergehen, auch abseits von Jubiläen und Festen“, sagte Superintendent Weiland.

 

In seiner Festansprache erinnerte der niederösterreichische Landeshauptmann an die leidvolle Geschichte des Protestantismus. Tausende Protestanten wurden im 17. Jahrhundert wegen ihres Glaubens verfolgt und viele von ihnen aus Niederösterreich vertrieben. „Geschichte kann auch Mahnung sein“, sagte Pröll, „ein derartiges Unrecht darf es in dieser Heimat nie geben“. Eine klare Absage erteilte der Landeshauptmann jeglicher Form von Fanatismus und Intoleranz. Kirchen und Politik seien gemeinsam gefordert. Pröll appellierte an die Festgäste, gemeinsam gegen Hoffnungslosigkeit und Rücksichtslosigkeit aufzutreten. Die Basis dafür sieht der Landeshauptmann in den christlichen Werten: „Niederösterreich ist ein christliches Land und soll auch ein christliches Land bleiben“, sagte Pröll.

 

Dankbar zeigte sich der Landeshauptmann für den „Geist des Miteinanders“ zwischen Land und Kirchen. Besonders dankte Pröll auch für das umfangreiche ehrenamtliche Engagement in den Kirchen. Im Rahmen des Festaktes verlieh der Landeshauptmann 30 hohe Auszeichnungen des Landes Niederösterreich an verdienstvolle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter evangelischer Gemeinden. Das Große Goldene Ehrenzeichen erhielten Superintendentialkuratorin Erna Moder, Fachinspektorin Evelyn Martin und Fachinspektor Mag. Karl Schiefermair.

 

Sturm: Dialogfähig zu anderen Menschen und Kulturen

 

„Wir sind dankbar, dass wir nach einer Geschichte des Leidens und der Vertreibung als gleichberechtigte Bürger des Landes und als Kirche im Reigen der Ökumene wahrgenommen werden“, sagte der lutherische Bischof Mag. Herwig Sturm in der Predigt des Festgottesdienstes. In der Geschichte des Landes sei die Bedrohung durch die Türken oft neben dem Schicksal der Protestanten gestanden. In der heutigen Gesellschaft biete sich hingegen eine „unglaubliche Chance“. „Wir können uns nicht mehr abschotten“, so der Bischof. Wer im eigenen Glauben verwurzelt sei, könne auch andere Menschen in ihrem Kern annehmen und so zum Frieden beitragen. Sturm: „Fest im Glauben, aber gleichzeitig dialogfähig zu anderen Menschen und Kulturen“.

 

Für das „heute selbstverständliche“ gute ökumenische Klima dankte Probst Maximilian Fürnsinn vom Stift Herzogenburg. In der Geschichte sei im Namen Christi oft Unrecht geschehen, zu dem auch die Stifte „einiges beigetragen“ hätten. Als Zeichen der Verbundenheit hatte Fürnsinn protestantische Bücher des 17. Jahrhunderts aus seiner Stiftsbibliothek mitgebracht, die er im Festakt Weiland überreichte.

 

Am Nachmittag erzählten Augenzeugen in einer Interviewrunde aus den sechs Jahrzehnten der Diözese. Im Jahr 1947 wurde Niederösterreich eine selbständige Diözese. Davor bildeten die Bundesländer Wien, Niederösterreich, Steiermark und Kärnten eine Diözese, die 1782 gegründet wurde. Vor 450 Jahren gab es sehr erfolgreiche Versuche, die Evangelische Kirche in Niederösterreich zu strukturieren und zu organisieren. So wurde in Niederösterreich die erste evangelische Kirchenagende verfasst, Schulen wurden gegründet wie das evangelische Gymnasium in Loosdorf und Kirchen gebaut wie in Horn und Loosdorf, die heute die katholischen Stadtkirchen sind.

 

Eingebettet war der Festtag auf der Schallaburg, die im 16. Jahrhundert ein evangelisches Zentrum war, in ein vielfältiges Programm. Ein Familiengottesdienst eröffnete den Tag, Ergebnisse einer Umfrage zur Bibel und deren künstlerische Umsetzung wurden vorgestellt, originelle Glückwünsche von Kindern an die Diözese prämiert, in einer Aktion der Bibelgesellschaft konnte ein Buch der Bibel abgeschrieben werden. Während des ganzen Tages war im Festsaal die Ausstellung zu den Themen „Kinder und Kirche“, „Gemeindediakonie“, „Jugend“ und „Frauenarbeit“ zu besichtigen. Audio- und Videobeispiele von Gottesdiensten und Filme aus dem kirchlichen Be

ISSN 2222-2464