NGOs fordern mehr Geld für Entwicklungszusammenarbeit

VertreterInnen der Arbeitsgruppe "Globale Verantwortung" demonstrierten vor dem Parlament gegen die Kürzungen im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit und humanitären Hilfe. (Foto: epdÖ/S.Janits)
VertreterInnen der Arbeitsgruppe "Globale Verantwortung" demonstrierten vor dem Parlament gegen die Kürzungen im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit und humanitären Hilfe. (Foto: epdÖ/S.Janits)

Direktor Chalupka: „Wir leben auf Kosten der Länder des Südens“

Wien (epdÖ) – Mit überdimensionalen leeren Sprechblasen forderten mehrere Dutzend Vertreterinnen und Vertreter von Hilfsorganisationen und NGOs vor dem Parlament in Wien mehr Geld für die Entwicklungszusammenarbeit, verbunden mit einem konkreten Zeitplan im künftigen Regierungsprogramm. Die OrganisatorInnen von „Globale Verantwortung – Arbeitsgemeinschaft für Entwicklung und Humanitäre Hilfe“, zu der unter anderem die Diakonie gehört, wollten mit der Aktion am 15. Oktober darauf aufmerksam machen, dass Österreich anstelle der international vereinbarten 0,7 Prozent des Brutto-National-Einkommens nur 0,28 Prozent für öffentliche Entwicklungszusammenarbeit budgetiert. Darüber hinaus seien die Mittel für direkte Hilfe im Ausland seit 2010 jährlich gekürzt worden. „Wir fordern den Stopp des Totsparens bei der Entwicklungszusammenarbeit und humanitären Hilfe und das Ende leerer Worte“, so die Organisation „Globale Verantwortung“.

„Die Ausgaben für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe zu kürzen heißt, die Vorstellung aufzugeben, dass wir in einer Welt leben“, sagte Diakonie-Direktor Michael Chalupka vor dem Parlament in Wien. Er forderte von der zukünftigen Bundesregierung konkrete Taten, die zu einer gerechteren Verteilung der Ressourcen weltweit beitragen. Ausreichende Mittel für Entwicklungszusammenarbeit wären „in diesem Zusammenhang eine Mindestvoraussetzung“. Chalupka betonte darüber hinaus, dass die Entwicklungszusammenarbeit und die Flüchtlingskatastrophen vor der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa nicht in einen Topf geworfen werden dürfen. „So wird angesichts der Tragödie von Lampedusa dann, wenn von Asyl und Flüchtlingshilfe gesprochen werden müsste, auf einmal von Entwicklungszusammenarbeit gesprochen. Und dann, wenn von Entwicklungszusammenarbeit gesprochen werden müsste, wird von der Konsolidierung des Budgets gesprochen. Deshalb ist es wichtig, die Dinge beim Namen zu nennen. Wir in Österreich und Europa leben auf Kosten der Länder des Südens“, bringt es Chalupka auf den Punkt.

Erwin Eder von der „Dreikönigsaktion“ sieht „die Zeit des Handelns gekommen“. Die neue Bundesregierung müsse globale Verantwortung übernehmen, es brauche jetzt Taten statt leerer Worte. „Wir haben genug von leeren Versprechen und unverbindlichen Zusagen. Das neue Regierungsprogramm muss konkrete Schritte und einen Zeitplan beinhalten“, unterstrich auch Rupert Roniger, Geschäftsführer von „Licht für die Welt“. „Langfristige Entwicklungszusammenarbeit ist ein bewährtes Mittel, um Hilfe im Heimatland zu gewähren. Die permanenten Budgetkürzungen führen in die menschlichen Katastrophen, mit denen wir derzeit täglich konfrontiert werden“, so Gabriele Tebbich, Geschäftsführerin von „Horizont 3000“.

ISSN 2222-2464