NGOs fordern EU zu humanerem Umgang mit Flüchtlingen auf

Reges Medieninteresse bei der Präsentation der Kampagne "Europe Act Now" in Wien. (Foto: epdÖ/S.Janits)
Reges Medieninteresse bei der Präsentation der Kampagne "Europe Act Now" in Wien. (Foto: epdÖ/S.Janits)

Europaweite Kampagne will Syrern in Europa eine Stimme geben

Wien (epdÖ) – Die europaweite Kampagne „Europe Act Now. Help Syrias Refugees“, mit deren Hilfe syrische Flüchtlinge eine Stimme in der breiten Öffentlichkeit bekommen sollen, wurde am 20. März offiziell in Wien vorgestellt. Gestartet wurde die Kampagne bereits am 6. März, der epdÖ berichtete. Ziel sei es, europäische Institutionen und Nationalstaaten dazu zu bringen, syrischen Flüchtlingen in größerem Maße Schutz zu gewähren. Seit drei Jahren herrscht Bürgerkrieg in Syrien, die humanitäre Situation verschlechtert sich täglich. Laut Schätzungen sind derzeit 2,4 Millionen Menschen auf der Flucht, die Hälfte davon Kinder.

Einer dieser Flüchtlinge ist Tanim Nashed, der bei der Vorstellung der Kampagne über sein persönliches Schicksal berichtete. Seit rund einem Jahr lebe er in Österreich. Im Gegensatz zu vielen anderen Flüchtlingen habe er bisher viel Glück gehabt. Viele würden auf dem Weg nach Europa ums Leben kommen. Nashed, der aus Aleppo stammt, ist dankbar, hier zu sein, aber er weiß auch um die Probleme vieler syrischer Flüchtlinge in Österreich und anderen EU-Staaten. „Viele Asylwerber leiden unter der Ungewissheit, wie es mit ihnen weitergeht. Gibt es für mich Asyl oder werde ich abgeschoben? Manche warten mehrere Monate, bis sie eine Entscheidung von einer Asylbehörde erhalten“, erzählt Nashed. Am größten sei aber die Sorge um die Familie. Viele seien alleine nach Europa gekommen und hätten ihre engsten Angehörigen seit Monaten oder Jahren nicht mehr gesehen. Auch Informationen über das Schicksal der Familienangehörigen sind oft schwierig zu bekommen.

Thomas Schmidinger, Politikwissenschaftler mit Schwerpunkt Mittlerer Osten, warnt vor der Flüchtlingspolitik der Europäischen Union. Zwar würden die Grenzanlagen etwa in Griechenland und Spanien viele Flüchtlinge davon abhalten, nach Europa zu kommen. Dadurch werde die Lage vor Ort jedoch immer instabiler. „Damit vergrößert die EU nur das Flüchtlingsdrama. Wir stehen hier also vor einem massiven politischen Problem.“ Grundsätzlich sei es für Syrerinnen und Syrer immer schwieriger, das eigene Land zu verlassen. Die Grenzen zur Türkei, aber auch zum Irak seien mittlerweile dicht und nur noch mit Hilfe von Schleppern überwindbar.

Von einer „großen Flüchtlingskatastrophe“ spricht auch Christoph Riedl vom Diakonie Flüchtlingsdienst. 80 Prozent der Flüchtlinge kämen illegal nach Europa, nur 20 Prozent auf legalem Weg. Dies sei vor 20 Jahren noch genau umgekehrt gewesen, so Riedl. Daher sei es dringend notwendig, dass Europa handelt, sagte er in Anspielung auf den Titel der Kampagne „Europe Act Now“. Er fordert ein Bündel an Maßnahmen zur Lösung der Flüchtlingskatastrophe. „Es braucht beispielsweise Visa-Erleichterungen für die Flüchtlinge, Asylverfahren an den Botschaften sowie eine sofortige Aussetzung des Dublin II-Abkommens, wonach jenes EU-Land für die Flüchtlinge zuständig ist, über das sie erstmals in die EU einreisen.“

Die Kampagne, die von der Diakonie Österreich, der Asylkoordination Österreich und vielen anderen NGOs unterstützt wird, kann durch die Bereitstellung des eigenen Twitter-Accounts unterstützt werden. Darüber hinaus werden JournalistInnen aufgerufen, ihre Kolumne einem Flüchtling zu überlassen. Flüchtlinge können auch zu Pressekonferenzen eingeladen werden oder vor Beginn von Theater- und Konzertvorstellungen über das Schicksal der Syrerinnen und Syrer berichten. Ein eigens gestaltetes Werbesujet ermöglicht es außerdem Firmen, für die Kampagne zu werben. In ein vordesigntes Poster kann das eigene Firmenlogo eingebaut werden.

Alle Informationen zur Kampagne: www.helpsyriasrefugees.eu

ISSN 2222-2464