Neues „Standardwerk“ über Muslime vorgestellt

Rüdiger Lohlker, Susanne Heine, Amena Shakir und Richard Potz (v.l.) bei der Präsentation des Buches "Muslime in Österreich" im Wiener Albert Schweitzer Haus (Foto: epd/Janits)
Rüdiger Lohlker, Susanne Heine, Amena Shakir und Richard Potz (v.l.) bei der Präsentation des Buches "Muslime in Österreich" im Wiener Albert Schweitzer Haus (Foto: epd/Janits)

In Wien wurde das Buch „Muslime in Österreich“ präsentiert

Wien (epdÖ) – Susanne Heine, Rüdiger Lohlker und Richard Potz präsentierten am 5. März ihr neues Buch „Muslime in Österreich. Geschichte, Lebenswelt, Religionen. Grundlagen für den Dialog“ im Wiener Albert Schweitzer Haus.

Über das Zusammenleben von Muslimen und Christen in Österreich referierte die Wiener Praktische Theologin Susanne Heine. Sie betonte die Wichtigkeit des Dialogs zwischen beiden Religionsgemeinschaften. „Dialog bedeutet aber nicht, die eigene Position aufzugeben“, so Heine. „Interreligiöse Gespräche haben nicht das Ziel, sich über Glaubensinhalte zu einigen, sondern sozialen Frieden herzustellen.“ Jahrhundertelang sei ein Dialog auf theologischer Ebene geführt worden, erst im 20. Jahrhundert habe man begonnen, über sozialpolitische Themen miteinander zu sprechen. Heine wies darauf hin, dass beide Religionen ähnliche Botschaften hätten und vergleichbare Wege in der Geschichte gegangen seien. Gleichzeitig würden sich aber in der Entstehung der beiden Religionen Unterschiede zeigen. Wechselseitige Missverständnisse sieht Heine etwa darin, dass Koran und Bibel oft miteinander verglichen würden. Dies sei aber nicht möglich, da es sich beim Koran um Worte handle, die nach muslimischer Auffassung dem Propheten Mohammed von Gott, vermittelt über den Engel Gabriel, nach und nach mündlich zugekommen seien. Die Bibel hingegen sei nicht unvermitteltes Wort Gottes, sondern enthalte aus christlicher Sicht das Zeugnis von Jesus Christus, in dem sich Gott offenbart.

„Wir wollten unvoreingenommen und genauer hinsehen“, erklärte Richard Potz, Professor für Rechtsphilosophie, Religions- und Kulturrecht an der Universität Wien, die Motivation für das vorliegende Werk. Das Manuskript sei für das Buch ziemlich „abgemagert“ worden, sonst wäre es zu umfangreich gewesen. Herausgekommen sei „ein Handbuch, mit dem jeder etwas anfangen kann“. Potz erinnerte daran, dass das österreichische „Islamgesetz“ heuer 100 Jahre alt wird. Ein Blick in die Geschichte zeige, wie modern die Stellungnahmen des damaligen Justizministeriums gewesen seien.

Rüdiger Lohlker, Islamwissenschaftler an der Universität Wien, machte darauf aufmerksam, „wie schnell Menschen zu Muslimen gemacht werden“. Im Buch verweist er auf das Beispiel einer jemenitischen Frau, die in der Schweiz lebt. Vor dem 11. September 2001, dem Tag, an dem Islamisten unter anderem einen Anschlag auf das New Yorker World Trade Center verübten, sei sie auf die Architektur im Jemen angesprochen worden. Nach dem 11. September habe sich dies gewandelt, plötzlich sei sie Muslima gewesen und musste sich für die Anschläge der Terroristen rechtfertigen.

Amena Shakir, Leiterin des Privaten Studiengangs für das Lehramt für Islamische Religion an Pflichtschulen (IRPA), lobte das Buch „Muslime in Österreich“, es sei aus ihrer Sicht schon jetzt ein „Standardwerk“. Es verwende „bedachtsame und überlegte Formulierungen, immer wieder werden auch Muslime zitiert, das Buch ist neutral und fair“. Auch in der Auseinandersetzung mit Alltagsproblemen österreichischer Muslime habe sich Shakir wiedergefunden. Jedoch seien die Autorin und die Autoren an manchen Stellen zu wenig ins Detail gegangen, was bei einem derart anspruchsvollen Programm verständlich sei. Kritik übte Shakir an der Auswahl der Koranübersetzung, die im Buch verwendet wird, sowie an der Darstellung, die Suren des Koran seien nach der Länge sortiert.

„Dieses Buch leistet für meine Arbeit einen großen Dienst“, sagte Alfred Garcia Sobreira-Majer, Lehrender an der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Wien/Krems. Auch er lobte das vorliegende Werk. Das Buch richte einen gemeinsamen Blick auf zentrale Themen und biete eine differenzierte Auseinandersetzung.

Das Buch „Muslime in Österreich. Geschichte, Lebenswelt, Religion. Grundlagen für den Dialog“ von Susanne Heine, Rüdiger Lohlker und Richard Potz ist im Tyrolia-Verlag erschienen und kann um 27,95 Euro hier im Shop auf evang.at bestellt werden.

ISSN 2222-2464