Neues „Jahrbuch für Gerechtigkeit“ in Wien präsentiert

Der Sozialethiker Franz Segbers von der Universität Marburg betonte bei der Präsentation des "Jahrbuches Gerechtigkeit V" am 4. Juni in Wien, dass Klimagerechtigkeit ein "absolut blinder Fleck in der Armutsdebatte" sei (Foto: Evangelische Akademie Wien)
Der Sozialethiker Franz Segbers von der Universität Marburg betonte bei der Präsentation des "Jahrbuches Gerechtigkeit V" am 4. Juni in Wien, dass Klimagerechtigkeit ein "absolut blinder Fleck in der Armutsdebatte" sei (Foto: Evangelische Akademie Wien)

Klimawandel und Klimagerechtigkeit sind Schwerpunkte des aktuellen Bandes

Wien (epdÖ) – Das „Jahrbuch Gerechtigkeit V. Menschen, Klima, Zukunft? Wege zu einer gerechten Welt“, aufgelegt vom „Kirchlichen Herausgeberkreis Jahrbuch Gerechtigkeit“, wurde am 4. Juni im Wiener Albert Schweitzer Haus präsentiert. Die Herausforderungen des Klimawandels verlangten bis 2020 einen umfassenden Umbau der Produktions- und Konsumweisen – hin zu einer postfossilen kohlenstoffarmen Wirtschaft – und zwar jenseits des Wachstums.

„Seit Jahren wissen wir: Der menschengemachte Klimawandel ist die zentrale Herausforderung des 21. Jahrhunderts. Die globale Erwärmung bedroht die gesamte Schöpfung. Deshalb müssen wir unverzüglich alles tun, um den Klimawandel zu begrenzen“, schreiben die Herausgeber am Anfang des Buches in ihrem „kirchlichen Diskussionsbeitrag“. Ausgehend von dieser grundlegenden Überlegung beschäftigen sich renommierte Autorinnen und Autoren in 19 „Zwischenrufen“ damit, warum eine große Transformation, warum ein Umbau notwendig ist. Ergänzt wird der Band durch Schaubilder und Karten, welche die Bedrohung der Schöpfung durch den Klimawandel übersichtlich und nachvollziehbar darstellen.

Von der „Notwendigkeit einer großen Transformation“ sprach der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker bei der Buchpräsentation. Die gemeinsamen kirchlichen Bemühungen, wie sie im Jahrbuch angeregt werden, begrüßte Bünker ausdrücklich. Er sehe darin eine „Fortsetzung des Ökumenischen Sozialwortes“, das ein „Meilenstein der ökumenischen Sozialethik“ sei. Das Sozialwort der 14 christlichen Kirchen in Österreich wird 2013 zehn Jahre alt.

Der Grazer Volkswirt Karl Steininger erläuterte bei der Buchpräsentation die Herausforderungen der Klimaerwärmung. Das EU-Ziel einer Begrenzung der Klimaerwärmung auf nicht mehr als zwei Grad erfordere ein „dramatisches Zurückfahren“ der Emissionen. „Die Wende muss schnell geschafft werden“, so Steininger, um das Ziel der Reduktion der Treibhausemissionen um 80 Prozent bis 2050 zu schaffen. Technisch sei dies machbar. Es sei eine „Frage des Willens“.

Der Sozialethiker Franz Segbers von der Universität Marburg betonte in seinem Beitrag, dass Klimagerechtigkeit ein „absolut blinder Fleck in der Armutsdebatte“ sei.

In diese Richtung geht auch ein Forschungsprojekt der beiden Mitarbeiterinnen der Katholischen Sozialakademie Österreich (ksoe) Margit Appel und Paloma Fernández de la Hoz, das im Buch präsentiert wird. „Im Zuge des Klimawandels rücken die Wechselwirkungen zwischen Klima und menschlichem Handeln zunehmend in den Vordergrund“, schreiben die beiden Autorinnen in ihrem Zwischenruf. Eine dieser Wechselwirkungen sei jene zwischen Armut und Energieverbrauch. „In den EU-Ländern manifestiert sich Armut auch – je nach Klima in mehr oder weniger akuter Weise – als Energiearmut (‚fuel poverty‘).“ Es zeige sich, dass zwölf Prozent der österreichischen Bevölkerung armutsgefährdet sind und dadurch kaum Zugang zu Energieeffizienzmaßnahmen hätten. Appel und Fernández de la Hoz resümieren: „Es überwiegt die Erfahrung, dass armutsbetroffene Haushalte aufgrund ihrer prekären Einkommenssituation, die oft mit weiteren Problemlagen einhergeht, neben Informationen und Aufklärung veränderte strukturelle Rahmenbedingungen brauchen würden, um die Chance zu haben, nachhaltig aus der Situation von Energiearmut herauszukommen beziehungsweise die Situation zumindest deutlich zu verbessern.“

Das Buch wurde in einer gemeinsamen Veranstaltung der Evangelischen Akademie Wien und der Katholischen Sozialakademie Österreich (ksoe) der Öffentlichkeit vorgestellt. Das 288 Seiten umfassende Buch ist um Euro 15,40 (plus Versandkosten) bei der ksoe erhältlich (www.ksoe.at).

ISSN 2222-2464