Neues Buch beleuchtet Rolle der Kirche im Krieg

Militärsuperintendent Karl-Reinhart Trauner bei der Buchpräsentation in der Wiener Landesverteidigungsakademie (Foto: M. Uschmann/epdÖ)
Militärsuperintendent Karl-Reinhart Trauner bei der Buchpräsentation in der Wiener Landesverteidigungsakademie (Foto: M. Uschmann/epdÖ)

Bischof Bünker: „Projekt ‚Religionen im Krieg‘ kommt zur rechten Zeit“

Wien (epdÖ) – Keine „Kriegsgeschichtsschreibung“, sondern interdisziplinär die evangelische, katholische, jüdische, islamische und orthodoxe Militärseelsorge im Ersten Weltkrieg abbilden – das ist die Intention der neuen Buchreihe „Religionen im Krieg 1914-1918“. Der erste Band über die Evangelische Kirche wurde am Mittwoch, 25. Februar, in der Wiener Landesverteidigungsakademie präsentiert. Das Buch spannt den Bogen von der Situation vor dem Ersten Weltkrieg bis zum Umgang mit den Kriegsfolgen.

Herausgegeben wurde der erste Band vom evangelischen Militärsuperintendenten Karl-Reinhart Trauner. Gemeinsam mit Christian Ortner, dem Direktor des Heeresgeschichtlichen Museums und Herausgeber der neuen Reihe, unterstrich Trauner bei der Präsentation den breiten Ansatz. So finden sich im Kreis der Autoren Militärhistoriker, Profanhistoriker, Vertreter der Kirchen ebenso wie Numismatiker und Ordenskundler. Auch Ortner zeigte sich erfreut, dass die neue Reihe „keine Nabelschau“ betreibe, sondern „universelle Zugangsmöglichkeiten“ zum Thema geschaffen habe. Die Multikonfessionalität der Militärseelsorge sieht Ortner als „wichtigstes Erbteil“ dieser Zeit.

„Das Projekt ‚Religionen im Krieg‘ kommt zur rechten Zeit“, meinte der Generalsekretär der Evangelischen Kirchen in Europa (GEKE), Bischof Michael Bünker, bei der Präsentation. Die Auswirkungen der „epochenwendenden Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ zeigten sich noch in den heutigen Konfliktfeldern, etwa in der Ukraine. Die Idee, Religionen insgesamt und ihre Verstrickung im Nationalismus, der herrschenden Weltanschauung jener Zeit, herauszuarbeiten, sei „sehr verdienstvoll“. Im heutigen Europa bemühten sich die Evangelischen Kirchen, den „schmerzhaften Weg der Versöhnung“ zu unterstützen. In der Beurteilung von Krieg und Gewalt hätten die Kirchen im 20. Jahrhundert eine Entwicklung durchlaufen. An die Stelle der Lehre vom gerechten Krieg sei die Überzeugung getreten, dass Kirchen sich für einen gerechten Frieden einsetzen müssen, so der Bischof. In bestimmten Situationen könne der Einsatz militärischer Gewalt zum Schutz von Hilfsbedürftigen jedoch nicht ausgeschlossen werden: „Im Unterschied zu 1914 ist der Einsatz von Gewalt jedoch das Eingeständnis, dass wir als Gesellschaft insgesamt gescheitert sind.“

Ausgehend von einer Initiative des Instituts für Religion und Frieden (IRF, Wien), der Katholischen Militärseelsorge und des Instituts für Militärethische Studien (IMS, Wien) sowie der Evangelischen Militärseelsorge will die Buchreihe die Beziehungen zwischen der jeweiligen Religionsgemeinschaft und dem Kriegsgeschehen aufarbeiten. In insgesamt drei Bänden sollen dabei alle fünf in der „alten Armee“ offiziell durch die Militärseelsorge vertretenen Konfessionen bzw. Religionen behandelt werden, wobei ein Vertreter der jeweiligen Religionsgemeinschaft den Bereich verantwortet, erklärte Trauner. Durch diese Konzeption ergebe sich die Möglichkeit einer breiten interreligiösen und interkonfessionellen Zusammenarbeit bei gleichzeitiger Selbstverantwortung der jeweiligen Religionsgemeinschaft. Das Projekt nehme auch Impulse aus dem Prozess „Healing of Memories“ der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa auf.

Karl-Reinhart Trauner (Hg.), Religionen im Krieg 1914-1918. Evangelische Kirche in Österreich, 469 Seiten, ISBN 978-3-902551-5-97

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ISSN 2222-2464