Neuerscheinungen zum Bereich Schule und Religion

Reger Andrang bei der Buchpräsentation in Wien. (Foto: epdÖ/T.Dasek)
Reger Andrang bei der Buchpräsentation in Wien. (Foto: epdÖ/T.Dasek)

Vier Bücher und 52 Autoren: Präsentation im Quartett


Wien (epdÖ) – Neue Publikationen zum Themenfeld Schule und Religion präsentierten die HerausgeberInnen und AutorInnen am Dienstagabend in der Wiener Buchhandlung Herder. Vertreten war dabei auch der Evangelische Bildungsbericht mit dem Titel „Leben. Lernen. Glauben“, der, wie Oberkirchenrat Karl Schiefermair bei der Präsentation betonte, das Schwerpunktjahr Bildung der Evangelischen Kirchen in Österreich begleitet. Mit dem Bildungsbericht wurde auch der neue Forschungsband zur Berufszufriedenheit evangelischer ReligionslehrerInnen in Österreich vorgestellt, den Helene Miklas, Helmar-Ekkehart Pollitt und Georg Ritzer verfasst haben. Ritzer präsentierte auch eine Publikation über die konfessionell-kooperative Ausbildung von katholischen, evangelischen und orthodoxen ReligionslehrerInnen, der Erziehungswissenschaftler Henning Schluß dann einen Tagungsband über Schule in der Pluralität. Mitgeschrieben haben an den vier Neuerscheinungen insgesamt 52 AutorInnen, berichtete der Vizerektor der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Wien/Krems (KPH), Thomas Krobath. Gemeinsam ist den Publikationen auch, dass hier Forschungsarbeiten der KPH eingeflossen sind.

Thomas Krobath wies darauf hin, dass das Verhältnis von Schule und Religion einem vielschichtigen Wandel unterliege, von der Dominanz christlicher Kirchen über eine zunehmende Verdrängung der religiösen Dimension aus der Schule hin zu einem Einzug religiöser Vielfalt vor allem in die Schulen der Ballungszentren. „Pluralität ist nicht mehr die Ausnahme an unseren Schulen, sondern ihre Normalität“, konstatierte der Vizerektor. Der Umgang mit religiöser Vielfalt bleibe jedoch „Prüfstein für ein Zusammenleben in identitätsrelevanter Differenz und geschenkter Gemeinschaft“.

Diesen Aspekt unterstrich auch der emeritierte Universitätsprofessor für Katholische Religionspädagogik, Martin Jäggle. Der Umgang mit Differenz werde generell zur Schlüsselfrage für jede Schule, die Religion sei dann der „Hardcore-Fall“. Hier lasse sich erkennen, wie Schule mit Differenz umgehe. Differenz könne zum Segen werden, ist Jäggle überzeugt. Dafür brauche es allerdings die nötigen Ressourcen, eine grundsätzliche Kultur des Respekts und die Anerkennung von Verschiedenheit.

Dass Anerkennung einen entscheidenden Faktor in der Berufszufriedenheit evangelischer ReligionslehrerInnen darstellt, zeigte Helene Miklas auf. Die von ihr mitverfasste Publikation versteht sie als „Hommage an einen unterbelichteten Beruf in der Gesellschaft“. Die Belastungen evangelischer ReligionslehrerInnen seien enorm gestiegen, von der Raumfrage über die Herausforderung der unterschiedlichen Schularten bis hin zu den oft weiten Strecken, die im Arbeitsalltag zwischen den Schulen zurückgelegt werden müssen. Fehlende Anerkennung werde als größte Belastung erlebt. Dennoch bedeute dies nicht, dass ReligionslehrerInnen mit Rückzug und Flucht reagieren. „Sie haben Copingstrategien entwickelt“, so Miklas. Dazu zählen etwa das soziale Netz, Gelassenheit, die Freude am Beziehungsgeflecht Schule und die mit großer Selbstverantwortung verbundene Aufgabe, das Evangelium in den Alltag von Kindern zu bringen. Ebenso helfe der Kontakt zu Kolleginnen und Kollegen anderer Kirchen und Religionsgemeinschaften, der „auf gleicher Augenhöhe“ erfolge, oder die Unterstützung durch die FachinspektorInnen.

Der evangelische Bildungsbericht biete „Analyse, Reflexion und Vision“, hob Oberkirchenrat Karl Schiefermair hervor. Auch über das Schwerpunktjahr 2015 hinaus wolle der Band zur Diskussion anregen. „Blicke von außen auf die evangelische Bildungstätigkeiten tun gut“, sagte Schiefermair. Vor allem aber sollen auch MitarbeiterInnen in den Pfarrgemeinden Themenfelder des Bildungsberichtes „reflektieren und kritisieren“, wünscht sich der Oberkirchenrat.

  • Karl Schiefermair/Thomas Krobath (Hg.), Leben. Lernen. Glauben. Evangelischer Bildungsbericht 2015 (ISBN 978-3850733083)
  • Helene Miklas/Helmar-Ekkehart Pollitt/Georg Ritzer, „Ich wünsche mir aufrichtige Anerkennung unserer Arbeit …“. Berufszufriedenheit, Belastungen und Copingstrategien evangelischer ReligionslehrerInnen in Österreich (ISBN 978-3-8309-3140)
  • Thomas Krobath/Georg Ritzer (Hg.), Ausbildung von ReligionslehrerInnen. Konfessionell – kooperativ – interreligiös – pluralitätsfähig (ISBN 978-3-643-50617-7)
  • Henning Schluß u.a. (Hg.), Wir sind alle „andere“. Schule und Religion in der Pluralität (ISBN 978-3525702109)
ISSN 2222-2464