Neuer reformierter Landessuperintendent Thomas Hennefeld in sein Amt eingeführt

Neuer reformierter Landessuperintendent Mag. Thomas Hennefeld: Notwendigkeit des ökumenischen und interreligiösen Dialogs.
Neuer reformierter Landessuperintendent Mag. Thomas Hennefeld: Notwendigkeit des ökumenischen und interreligiösen Dialogs.

Hennefeld: „Wünsche mir Kirche mit Zivilcourage“ – Amtseinführung der Mitglieder des Oberkirchenrats H.B.

Wien (epd Ö) – Der neue reformierte Landessuperintendent Mag. Thomas Hennefeld und die Mitglieder des Oberkirchenrates H.B. sind am Sonntag, 14. Oktober, durch den Vorsitzenden der Synode H.B., Lauri Hätönen, in der Reformierten Stadtkirche Wien feierlich in ihr Leitungsamt eingeführt worden. Im Festgottesdienst, an dem Spitzenrepräsentanten christlicher Kirchen und Religionsgemeinschaften teilnahmen, wurde mehrfach die Notwendigkeit des ökumenischen und interreligiösen Dialogs betont und die Forderung nach gerechten Wirtschaftsstrukturen erhoben. Am 31. Mai hatte die Synode den Wiener Pfarrer Thomas Hennefeld zum neuen Landessuperintendenten gewählt. Dem Oberkirchenrat gehören nun an DI Klaus Heussler (Wien), Helene Horvath (Oberwart), Pfr. Mag. Richard Schreiber (Linz) und Pfr. Mag. Johannes Wittich (Wien).

 

„Mit welchem Recht wollen wir etwa unseren Wohlstand für uns behalten?“, fragte Lauri Hätönen. Um allen Menschen ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen, „müssen WIR verzichten. Das anzumahnen steht einer protestantischen Kirche gut an“, so der Vorsitzende der reformierten Synode in seiner Ansprache bei der Amtseinführung. „Als Reformierte leben wir nicht für uns allein“, erklärte der neue Landessuperintendent in seiner Predigt. Reformiert Sein bedeute „ökumenisch leben“. Persönliches Leid und ungerechte Strukturen hingen eng zusammen, für Hennefeld „nicht nur eine politische, sondern eine Bekenntnisfrage“.

 

Stimme erheben

 

Der Landessuperintendent erinnerte an den reformierten Theologen Karl Barth, der gegen ein „Wohlfühlchristentum“ aufgetreten sei, das sich selbst genüge. Anders als etwa zur Zeit des Nationalsozialismus – Hennefeld erwähnte hier den reformierten Theologiestudenten Szigmond Varga, der nach einer kritischen Predigt in der Dorotheergasse 1944 verhaftet wurde und im KZ umgekommen ist – habe heute kaum jemand Folgen seines Bekenntnisses zu befürchten. Hennefeld: „Gerade weil wir in einer freien Gesellschaft leben, haben wir als Kirche eine besondere Verantwortung, unsere Stimme zu erheben.“ Der neue Landessuperintendent trat dafür ein, verstärkt das Gespräch mit anderen Religionsgemeinschaften, aber auch mit Atheisten zu suchen. Notwendig sei eine „verständliche Sprache, die nicht dem Zeitgeist verfällt, aber die Menschen unserer Zeit ansprechen kann“. Nicht vergessen werden dürfe die „prophetische Rolle der Kirche“. Würde das Bekenntnis ernstgenommen, „können wir auch in einem freien Staat und einer freien Gesellschaft an Grenzen stoßen“. Dies hätte gerade die jüngste Debatte um die Abschiebungen deutlich gezeigt. „Ich wünsche mir eine Kirche mit Zivilcourage“, so der Landessuperintendent, „die nicht gleichgültig gegenüber dem Elend der Welt ist, sondern etwas tut, damit es nicht so bleibt, wie es ist. Das haben uns die Reformatoren vorgelebt. Gott die Ehre geben heißt in dieser Welt zu handeln und nicht nur den Einzelnen als Kind Gottes sehen, sondern auch die ungerechten Strukturen in dieser Welt.“

 

Vielfalt als Reichtum

 

Die Segenswünsche der lutherischen Schwesterkirche überbrachte Bischof Mag. Herwig Sturm. Der Bischof und Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich unterstrich „die große Kompetenz und den weiten Horizont“, den die reformierte Kirche in der Zusammenarbeit einbringe. Die größere lutherische Kirche könne hier den „angemessenen Umgang mit Minderheiten“ einüben, bevor sie selbst als Minderheit Forderungen an Mehrheiten stelle.

 

„Vielfalt kann als Reichtum verstanden werden“, sagte der Generalsekretär der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa, Oberkirchenrat Dr. Michael Bünker. Das lebe die Gemeinschaft der protestantischen Kirchen vor. Es sei nicht entscheidend, für welches Leitungsmodell sich eine Kirche entscheide, sondern wie sie ihren Auftrag wahrnehme, so der designierte lutherische Bischof.

 

Dass es sich bei der Übernahme eines kirchenleitenden Amtes um eine verantwortungsvolle Aufgabe handle, betonte der römisch-katholische Weihbischof DDr. Helmut Krätzl. Die „Sehnsucht vieler Menschen nach mehr“ verbinde die Kirchen, die hier „das richtige Wort, die richtigen Zeichen“ finden müssten. Dabei könnten sie in Österreich auf eine hervorragende Zusammenarbeit bauen.

 

Muzicant: Nicht wegschauen

 

„Gemeinsam müssen wir nach vorne schauen und so gegen Armut und Ungerechtigkeit kämpfen“, sagte der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, Dr. Ariel Muzicant. Wenn Menschen „wie Schachfiguren“ in Flugzeuge gesetzt und deportiert werden, wenn Familien zerrissen werden, „können wir nicht wegschauen. So geht das nicht.“

 

Seitens der gemeinsamen Generalsynode wünschte deren Präsident RA Dr. Peter Krömer dem neuen Landessuperintendenten und den Oberkirchenratsmitgliedern Gottes Segen für ihre neuen Aufgaben. Grußworte sprachen weiters Präses Pfr. Ulrich Barniske vom Reformierten Bund der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Ing. Johannes Kronika von der Buddhistischen Religionsgemeinschaft und der Leiter des Kultusamtes, MR Mag. Oliver Henhapel.

 

An der liturgischen Gestaltung des Gottesdienstes wirkten neben Bünker, Krätzl und Sturm auch der evangelisch-methodistische Superintendent Mag. Lothar Pöll und Chorepiskopus Dr. Emanuel Aydin von der Syrisch-orthodoxen Kirche mit. Aus der Reformierten Kirche gestalteten den Gottesdienst mit FI Prof. Mag. Gisela Ebmer, FI Evelyn Martin, Mag. Bertram Haller, Ursula Kratky und Pfr. Mag. Harald Kluge. Die musikalischen Beiträge kamen vom Gospel Choir der Erlöserkirche und vom Zwinglichor, an der Orgel war Henriette Effenberger-Nagy, an der Violine András Fekete zu hören.

 

 

 

 

ISSN 2222-2464